Convertibles: Die neuen Formwandler mit Windows 8 ausprobiert

Vom Samsung Ativ Tab bis zu Toshibas Convertible mit Schiebe-Keyboard - eine Einschätzung

Am 26. Oktober will Microsoft eine neue Ära am PC-Markt einläuten. An dem Tag veröffentlicht das Unternehmen sein neues Betriebssystem Windows 8. Erstmals ist das 1985 gestartete Betriebssystem für klassische Desktops mit Maus und Keyboard ebenso wie für Tablets mit Touchbedienung angepasst. Bei der Vorstellung im September 2011 hat der in Redmond angesiedelte Konzern eine Fülle neuer Formfaktoren versprochen. Auf der diesjährigen IFA in Berlin haben die Hersteller nun gezeigt, welche Möglichkeiten es gibt. Der WebStandard konnte einen Blick auf einige der neuen Modelle werfen.

iPad- und Android-Konkurrenten

Microsoft fährt mit Windows 8 zwei Schienen: Für schwächere Geräte mit ARM-Prozessoren ist Windows RT vorgesehen, das an die mobile, hauptsächlich auf Touchscreens basierende Nutzung angepasst wurde. Bei stärkeren Rechnern mit Intel-Chips kommt Windows 8 im Vollumfang zum Einsatz. Auf der IFA wurden in der ARM-Kategorie die Modelle Samsung Ativ Tab und Asus Vivo Tab RT vorgestellt. Dell brachte das XPS 10 mit.

Ativ Tab ausprobiert

Die Tablets sollen dank schlanker und leichter Gehäuse und niedrigerer Preise vor allem Apples iPad und der Schar an Android-Tablets Konkurrenz machen. Preislich sollen diese Tablets unter 500 Euro angesiedelt sein. Das Ativ Tab, kurz in Händen gehalten, machte aufgrund des Plastikgehäuses einen eher billigen Eindruck. Mit 570 Gramm ist es jedoch leicht und liegt gut in der Hand.

Windows RT fühlt sich auf dem Modell mit 1,5-GHz-Dual-Core-Prozessor und 10,1 Zoll großem Display flüssig und schnell an. Allerdings unterscheidet sich die RT-Version auf den ersten Blick optisch kaum von Windows 8, wenn man in den Desktop-Modus wechselt. Hier wird die Bedienung mit den Fingern zudem schwieriger.

Convertibles vs. Ultrabooks

Bei den Convertibles sollen stärkere Prozessoren für mit Laptops und Ultrabooks vergleichbare Leistung sorgen, während der "Umbau" zum Tablet die Touch-Bedienung integriert. In diesem Segment hatten Samsung, Toshiba, Dell, Sony, Lenovo und Asus Geräte auf die Messe mitgebracht.

Auffällig ist hier vor allem, dass sich die Hersteller mit einigen Formfaktoren durchaus weit aus dem Fenster lehnen. Denn mitunter wirkt der Mechanismus sehr fragil, der die vollwertigen Laptops durch Drehen, Stecken, Schieben oder Klappen in Tablets verwandelt, bei denen auf die Tastatur verzichtet werden kann.

Steck-Tastatur: Ativ Smart PC und Asus Vivo Tab

Auf die Tastatur als abnehmbares Accessoire setzen etwa Samsung mit dem Ativ Smart PC und Asus mit dem Vivo Tab. Bei Samsungs Lösung fiel dabei auf, dass das Display relativ schwer ist und das Gerät im Laptop-Modus schnell nach hinten zu kippen droht, da die Tastatur leichter ist. So lässt sich das Display auch nur in einem kleinen Winkel öffnen. Die Verarbeitung mit Kunststoffgehäuse reicht an die des iPad nicht heran. Asus setzt bei seinen Vivo Tabs hingegen auf ein hochwertigeres Metall-Chassis.

Gute, aber kleine Displays

Der Vorteil der abnehmbaren Tastatur liegt vor allem im Gewicht und in der Handhabung. Der Smart PC mit Atom-Chip wiegt  750 Gramm ohne Tastatur und 1,48 Kilogramm mit. Beim Core-i5-Modell (Pro) kommen jeweils etwas mehr als 100 Gramm hinzu. Das macht die Modelle zwar schwerer als etwa das iPad, aber im Vergleich zu Geräten mit fixierter Tastatur kann man sich hier bei Bedarf des Zusatzgewichts entledigen.

Positiv zu vermerken sind die guten Displays - beim Smart PC etwa mit Full-HD-Auflösung. Wie gut es sich auf dem 11 Zoll großen Display des Ativ Smart PC und dem 11,6-Zöller des Asus-Modells über längere Zeit arbeiten lässt, müssen Nutzer selbst entscheiden.

Schieben und aufklappen: Toshiba Satellite U920t

Überraschend robust präsentierte sich der Ultrabook-Hybrid Satellite U920t von Toshiba. Das 12,5 Zoll große Display verbirgt im Tablet-Modus die darunterliegende Tastatur und wird nach hinten aufgezogen und aufgestellt, wenn mehr Text zu tippen ist.

Das Design mag auf den Fotos etwas unelegant erscheinen, doch das U920t wirkt robuster und arbeitstauglicher für Business-Einsätze. Die Ausstattung mit unter anderem bis zu 8 GB DDR3-RAM ist auch für anspruchsvollere Anwendungen geeignet. Mit 1,45 Kilogramm ist der Convertible trotz größeren Displays etwas leichter als die Tabs mit angesteckter Tastatur.

Anheben und aufstellen: Sony Vaio Duo 11

Auch bei Sonys Windows-8-Convertible Vaio Duo 11 ist das Display fix mit der Tastatur verbunden. Das 11,6-Zoll-Display wird von der Tastatur angehoben und schräg aufgestellt. Die Konstruktion wirkt etwas fragil und besitzt den Nachteil, dass sich der Winkel des Displays nicht ändern lässt. Das Gerät wiegt allerdings nur 1,3 Kilogramm.

Bei einem Ausstellungsmodell gab es einige Probleme mit der Display-Orientierung, die auch im Laptop-Modus immer wieder in die Porträt-Ansicht wechselte. Pluspunkte gibt es allerdings auch hier für die Full-HD-Auflösung des Screens sowie die Möglichkeit, zwischen Intels Core-i3-, Core-i5- und Core-i7-Prozessor zu wählen.

Im Rahmen drehen: Dell XPS Duo 12

Nur in einer Vitrine zu begutachten war das Dell XPS Duo 12. Ist das Display im Rahmen fixiert, lässt sich das Modell optisch nicht von einem Notebook unterscheiden. Der Screen lässt sich jedoch im Rahmen über eine Mittelachse drehen und so in ein Tablet verwandeln.

Dass Dell seine Geräte nur hinter Glas zeigte, erweckt zwar den Verdacht, dass es sich dabei noch um Prototypen handelte, deren Nutzerfreundlichkeit noch nicht ausgereift war. Das Gehäuse aus Aluminium, Kohlefaser und Gorilla-Glas sollte jedoch einigermaßen robust sein. 

Buchumschlag: Lenovo IdeaPad Yoga

Einfach wie ein Buchcover umschlagen lässt sich das Lenovo IdeaPad Yoga. Die Lösung wirkt insgesamt stabil, mit einem 13 Zoll großen Display reicht es am ehesten in die Notebook-Kategorie hinein. Mit 1,47 Kilogramm bringt das Yoga, das schon auf der CES Anfang des Jahres vorgestellt wurde, dabei sogar weniger als Samsungs Modelle mit angedocktem Keyboard auf die Waage.

Dual Screen: Asus Taichi

Die wohl ausgefallenste Lösung hat aber Asus mit dem Taichi gefunden, das ebenfalls schon vor der IFA präsentiert wurde. Anstatt das Display so umzuklappen, dass es von der Tastatur wegzeigt und nur als Touchscreen bedient werden kann, hat der Hersteller einfach zwei Displays im oberen Deckel verbaut. Die Auswirkungen auf Akkulaufzeiten, Langlebigkeit des Geräts und Preis bleiben abzuwarten. Einen breiteren Markt wird es für so extravagante Lösungen aber wohl kaum geben.

Tablet-Riese: Sony Tap 20

Deutlich aus dem Rahmen fällt auch Sonys Tap 20. Von einem Tablet zu sprechen wird dem Riesengerät eigentlich nicht gerecht, da das Display gigantische 20 Zoll misst. Das dürfte wohl auch in die Namensgebung miteingeflossen sein, denn statt Tab (kurz für Tablet) nennt Sony das Modell Tap (englisch für Antippen).

Portabel ist das Tap 20 natürlich nicht, zeigt aber, welche weiteren Formfaktoren die Hersteller mit Windows 8 ausprobieren. So zeigten mehrere andere Hersteller auch neue All-In-One-Geräte als Eintertainment-PCs für das Wohnzimmer.

Fazit

Bei den meisten Windows-8-Tablets und -Convertibles stechen vor allem die guten Displays mit hohen Auflösungen ins Auge. Ob man sich für Windows RT oder ein Gerät mit Betriebssystem in Vollumfang entscheidet, hängt davon ab, für welchen Zweck man es benötigt. Für richtiges Arbeiten eignen sich die schwächeren ARM-Varianten ebenso wenig wie das iPad oder ein Android-Tablet.

In der Fülle an neuen Modellen, die im Herbst auf den Markt kommen, sollte für jeden das passende dabei sein. Allerdings ist schwer zu empfehlen, Convertibles tatsächlich im Fachhandel einmal in die Hand zu nehmen und auszuprobieren. Denn nicht alles, was auf dem Foto oder im Video cool aussieht, ist auch tatsächlich praktikabel. (Birgit Riegler, derStandard.at, 9.9.2012)

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