Hanekes "Amour" geht für Österreich ins Oscar-Rennen

4. September 2012, 11:45

Der Film wurde bereits mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet

Wien - Österreichs Kandidat für die Oscar-Nominierungen in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" steht fest: Die vom Fachverband der Film- und Musikindustrie einberufene Jury hat sich für Michael Hanekes "Amour" entschieden, wie am Dienstag in einer Aussendung der Austrian Film Commission bekanntgegeben wurde. Haneke hat für den Film mit Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant heuer bei den Filmfestspielen in Cannes seine zweite Goldene Palme erhalten.

Virtuos inszeniertes Kammerspiel

"Amour" sei ein "virtuos inszeniertes, formal strenges Kammerspiel. Mit zwei außergewöhnlichen Schauspielern verdichtet Haneke die ausweglose Liebesgeschichte eines alt gewordenen Ehepaares zur Fallstudie", so die Jurybegründung. Das Ergebnis sei "kompromisslos, gleichermaßen erschreckend und berührend".

Trintignant und Riva verkörpern in "Amour" Georg und Anna, kultivierte Musikprofessoren um die 80 im Ruhestand. Die Tochter, ebenfalls Musikerin, lebt mit ihrer Familie im Ausland. Eines Tages erleidet Anna einen leichten Schlaganfall. Es beginnt eine Bewährungsprobe für die Liebe des alten Paares.

Französischsprachige Co-Produktion

"Amour" wurde bereits in Cannes von der internationalen Presse als aussichtsreicher Oscar-Anwärter gehandelt. Bei dem französischsprachigen Film handelt es ich um eine Co-Produktion von Wega-Film (A), Les films du losange (F), X-Filme (D) und France 3 Cinéma (F), hergestellt mit Unterstützung des Österreichischen Filminstituts, des ORF und des Filmfonds Wien. Der Film hätte auch von einem anderen der an der Produktion beteiligten Länder als Oscar-Kandidat nominiert werden können.

Hanekes "Das weiße Band" (2009), für den der Regisseur seine erste Goldene Palme in Cannes erhielt, schaffte es 2010 als deutscher Beitrag unter die fünf für den Fremdsprachen-Oscar nominierten Filme, musste sich aber dem argentinischen Beitrag "In ihren Augen" geschlagen geben. In Österreich kommt "Amour" unter dem Titel "Liebe" am 21. September in die Kinos. (red, derStandard.at, 4.9.2012)

Share if you care
11 Postings
Man kann nur froh sein, dass

die Deutschen ihren Nominierungstag nicht wieder um ein Monat vorverlegten, wie sie es ja 2008(?) getan hatten um uns "Das Weiße Band" als aussichtsreichen Kandidaten vorwegzunehmen. Meine Meinung ist: österreichischer Regisseur - österreichischer Film.

ein film über greise hat bei einer jury von greisen sicher gute chancen (soll aber keine abwertung des films sein)

Auf einmal wird der Haneke ernstgenommen.

LANG genug hat's gedauert, Österreich.

Und wie begründen Sie Ihre Wahrnehmung, dass ausgerechnet der Herr Haneke in Österreich nicht ernst genommen wurde?
Der Herr unterrichtet hier an der Filmakademie und jeder Film, bis auf "Code: unbekannt", wurde zumindest von Österreich mit produziert. Und seine ersten Filmpreise hat er auch schon in den frühen 90er Jahren genau hier bekommen.

Das gehört halt zum Archetypus des Propheten, dass er "verkannt" zu sein hat.

Und auch zur beliebten "einer der sogar international anerkannt ist, muss in Österreich geflissentlich ignoriert und verachtet worden sein" Heuristik.

So etwa wie die hier geächteten Ullrich Seidel, Stefan Ruzowitzky, Wolfgang Murnberger oder Michael Glawogger und Barbara Albert.

Österreich?

Also, aus dem Bericht von Radio Pröll musste man annehmen, er geht für NÖ ins Rennen:
"Niederösterreichischer Regisseur"!

Muss man wohl noch abwarten, was die AMPAS dazu sagt.
Caché wurde ja vor einigen Jahren nicht als oesterreichischer Oscarbeitrag akzeptiert, weil es kein deutschsprachiger Film war.
Weshalb sollte das jetzt anders sein?

Weil inzwischen

die Kriterien geändert wurden.

Gute Entscheidung! Die Deutschen hatte zuvor ja schon "Barbara" ins Rennen geschickt und die Franzosen ohnehin eine traditionell grosse Auswahl möglicher Kandidaten.

Eine Oscarnominierung für "Amour" wäre keine Überraschung.

Filmthema klingt spannend. Hoffen wir wieder auf österreichischen Hollywood (Nach)ruhm...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.