Richter legt Elsner-Verfahren vorerst auf Eis

  • Richter Christian Böhm hat das Verfahren gegen den
herzkranken Elsner vom Hauptverfahren vorerst ausgeschieden.
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    Richter Christian Böhm hat das Verfahren gegen den herzkranken Elsner vom Hauptverfahren vorerst ausgeschieden.

Damit das Verfahren gegen die anderen fünf Angeklagten um Wolfgang Flöttl weitergehen kann, setzt Richter Böhm diesen Schritt

Wien - Im zweiten Bawag-Strafprozess steht Richter Christian Böhm vor einer Geduldsprobe. Nachdem der Angeklagte Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner auch am 18. Verhandlungstag wegen seiner behaupteten gesundheitlichen Probleme nicht erschienen war, schied der verärgerte Richter das Elsner-Verfahren vom Hauptverfahren aus und setzte den Prozess gegen die restlichen sieben Angeklagten vor allem mit der Vorlesung der Aussagen Elsners aus dem ersten Strafverfahren fort.

"Elsner ist die zentrale Person des Verfahrens", er sei im ersten Verfahren "umfangreich" einvernommen worden, erläuterte Böhm seinen Plan, zu den nun prozessrelevanten Themen die Aussagen Elsner aus dem ersten Verfahren bzw. vor der Wirtschaftspolizei vorzulesen. Zudem wurden die Anwälte Elsners für die morgige Fortsetzung des Verfahrens wiederbestellt, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten.

Elsner ist trotz einer rechtskräftigen Verurteilung zur Höchststrafe zu zehn Jahren Haft wegen Untreu aufgrund einer Subsidiaranklage der Bawag erneut angeklagt - die Staatsanwaltschaft hatte auf eine neuerliche Anklage verzichtet. Davon hatte der Ex-Bawag-Chef viereinhalb Jahre abgesessen, im Sommer 2011 wurde er aus gesundheitlichen Gründen für haftunfähig erklärt. Die Bank will durch die Privatanklage auf Elsners Pensionsabfindung zugreifen und erhofft sich bessere Chancen im Zivilverfahren. Zudem ist Elsner wichtiger Zeuge in den Verfahren gegen die restlichen sieben Angeklagten.

Vermögen von Flöttl als Thema

Beim heutigen Prozesstag stand vor allem das Vermögen des ebenfalls angeklagten Spekulanten Wolfgang Flöttl im Vordergrund. Die Bawag hatte Flöttl nach den Verlusten in den Karibik-Geschäften wiederholt Kredite gewährt, wobei das Vermögen Flöttls als ausreichend für die Fortsetzung der Geschäftsbeziehung angesehen worden ist. Böhm wollte von den Angeklagten heute wissen, wann sie vom "ausreichenden Vermögen" Flöttls informiert worden waren.

Die angeklagten Ex-Bawag-Vorstände - Christian Büttner, Herbert Kreuch und Josef Schwarzecker sowie der damalige Bawag-Generalsekretär Peter Nakowitz - betonten, dass sie von Elsner über das Vermögen Flöttls informiert worden waren. An Details, wann das war, erinnerten sie sich heute nur eingeschränkt.

Büttner betonte, dass er sich auch nach dem Bekanntwerden des Totalverlustes aus dem Karibik-II-Geschäften im Oktober 1998 über die Werthaltigkeit des Flöttl-Vermögens informiert habe. Außerdem hätte ja der damalige Wirtschaftsprüfer, der Mitangeklagte Robert Reiter, das Flöttl-Vermögen ohne Beanstandungen für die Bilanz geprüft, meinte Büttner heute.

Darüber hinaus hätte allein der Verkauf des Van-Gogh-Gemäldes "Portrait des Dr. Gachet" rund 100 Mio. Dollar eingebracht. Kreuch und Schwarzecker sagte heute aus, dass sie sich auf die Aussagen Elsners vertraut hätten. Für Schwarzecker galt Elsner als "Kunstexperte", außerdem hätte er viel Kontakt mit dem angeklagten Flöttl gehabt.

Das neuerliche Nichterscheinen Elsners erschwert die Arbeit des Gerichts wesentlich und führt zu Verzögerungen. Richter Böhm kommt in den zentralen Punkten ohne Elsners Aussagen nunmehr schwer voran, weshalb er auf das Verlesen von Protokollen ausgewichen ist.

Wie lange das so weiter gehen kann, scheint aber unklar zu sein. Sollte Elsner auch weiterhin nicht erscheinen, dann könnte nach einer gewissen Zeitspanne - dabei dürfte sich um Wochen handeln - letztlich auf seine Aussagen verzichtet werden. Der Prozess wird morgen, Mittwoch, um 9 Uhr im Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Wien mit weiteren Protokoll-Verlesungen fortgesetzt. (APA, 4.9.2012)

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