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Viele Frauen, die in die Beratungsstelle "Zeitlupe" kommen, bringen einen ganzen Packen Papier mit. Befunde, Bestätigungen, Dokumente. " Frauen mit Behinderung sind einfach gewohnt, dass sie stets sofort alle Unterlagen auf den Tisch legen müssen", sagt Elisabeth Löffler.
Löffler leitet die Peer-Beratungsstelle in Wien-Simmering, sie und ihre Kollegin Marinela Vecerik sitzen beide im Rollstuhl. Trotzdem sind ihre Erfahrungen mit der eigenen Behinderung sehr verschieden. Während die Lebens- und Sozialberaterin Löffler, die auch als Performancekünstlerin tätig ist, seit ihrer Geburt auf den Rollstuhl angewiesen ist, ist Vecerik seit einem Autounfall vor 14 Jahren gelähmt. "Für mich gibt es eben ein Vorher und ein Nachher", erzählt die gebürtige Bulgarin, die vor dem Unfall als Journalistin gearbeitet hat.
Von unterschiedlichen Erlebnissen und Brüchen in der eigenen Biografie berichteten auch die rund 140 Frauen, die bisher zur Beratung gekommen sind. Aber auch von Erfahrungen, die allen gemeinsam sind. "So steht meist die Behinderung im Vordergrund", sagt Löffler, "zuerst werden sie als Behinderte wahrgenommen, erst dann als Frauen." Sexualität werde nur selten als Teil des Lebens von Behinderten betrachtet, und wenn, dann im Zusammenhang mit medialer Berichterstattung über sexualisierte Gewalt.
Das Angebot, das vom Fonds Soziales Wien finanziert wird, ist kostenlos und kann so oft in Anspruch genommen werden wie nötig. "Zeitlupe wurde deshalb als Name gewählt, weil es darum geht, genau hinzuschauen und sich Zeit zu nehmen", sagt Löffler.
Manchmal kämen etwa Mütter, die mit ihren behinderten Töchtern im Teenager-Alter plötzlich nicht mehr zurande kommen. "Da müssen wir dann hin und wieder klarmachen, dass das nichts mit der Behinderung zu tun hat, sondern das Mädchen einfach in der Pubertät ist", schildert Löffler, die selbst eine dreijährige Tochter hat.
Oftmals sei es schwierig, in den Gesprächen die eigenen Erfahrungen einzubringen und trotzdem zu akzeptieren, dass die Frauen unter einem selbstbestimmten Leben etwas anderes verstehen als man selbst. Ältere Frauen, "die sich ihr ganzes Leben lang durchgekämpft haben", tun sich etwa sehr schwer damit, sich helfen zu lassen - auch wenn sich manche Behinderungen mit zunehmendem Alter verschlechtern.
Löffler, die jetzt 43 Jahre alt ist, kennt das aus eigener Erfahrung nur zu gut. Sie habe viele Jahre gebraucht, um jemandem zu sagen, dass sie Hilfestellung brauche. "Bis einer meiner persönlichen Assistenten gesagt hat, ich solle endlich aufhören, mich dauernd zu bedanken." (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 4.9.2012)
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aber genau dass erwartet die Gesellschaft vom behinderten Menschen. Auch das ständiges Lob für banale Tätigkeiten muss die/der Behinderte über sich ergehen lassen. Behindert sein heisst ständig an gesellschaftliche, soziale, (und auch juristische) Grenzen zu stossen. 200% Überzeugungskraft für 50% Anerkennung. Das denke ich, ist vielfach die tagtäglich gelebte Realität von behinderten Menschen.
Man würde sich es auch erwarten das sich Leute bedanken wenn man ihnen die Türe aufhält, was das mit ner Behinderung zu tun hat müsstest du erklären. Das dies bei einem persönlichen Betreuer wieder was anderes ist, ist auch klar.
@Artikel, guter Verein, ich schätze für viele vor allem durch Unfall oder Krankheit erst später zum Behinderten gewordene, ist das nach Hilfe fragen echt mal das schwierigste
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