Hütte mit Horrorkabinett

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    foto: constantin film

Drew Goddards Film "The Cabin In The Woods" setzt auf eine klassische Ausgangssituation und hat dabei den Bruchteil eines handelsüblichen Blockbusters gekostet

Wien - Die Ausgangssituation darf als Klassiker bezeichnet werden: Wenn eine Gruppe junger Leute zu einem verlängerten Wochenende in die Wildnis aufbricht und auf dem Weg zum einsamen Quartier auch noch einem Hillbilly begegnet, der gar keinen Spaß versteht, dann ist es keine Frage, ob sie bald in Lebensgefahr geraten werden, sondern nur noch, wann und wie genau.

Dementsprechend hat auch das aufgekratzte Studierendenquintett im neuen US-Horrorfilm The Cabin In The Woods kaum sein Ausflugsziel erreicht, da macht es auch schon die ersten ziemlich beunruhigenden Entdeckungen. Nicht nur im Publikum kann man jetzt Wetten abschließen, wen hier als Erste/r der sichere Tod ereilt.

Regisseur und Co-Autor Drew Goddard war unter anderem für Lost tätig. Sein erstes Kinodrehbuch war 2008 jenes für den Endzeitthriller Cloverfield. Schon dieser spielte auf originelle und ökonomische Art und Weise mit einem bewährten Altmaterial, nahm ein gut eingeführtes Genre aus einer spezifischen Perspektive ins Visier. In Cloverfield spiegelte sich ein Katastrophenszenario (Angriff auf New York!) in der katastrophalen Handhabung der Digicam durch einen beherzten Amateur.

Die kleine Reisegruppe

Nun, in The Cabin In The Woods, wird der generische Handlungskern gleich von Beginn an in einen größeren Zusammenhang eingebaut: Die kleine Reisegruppe - der als Darsteller unter anderem Chris Hemsworth (Thor) und Jesse Williams (Grey's Anatomy) angehören - steht insgeheim unter der sachkundigen Aufsicht eines Kontrollraums voller Wissenschafter, bei denen Charakterkopf Richard Jenkins mitspielt.

Diese wissen - quasi stellvertretend fürs Fanpublikum - vor der Leinwand um alle Fallen und Gefahren. Sie haben im Gegensatz zu diesem aber auch noch die Möglichkeit, den Handlungsverlauf des Films-im-Film durch gezielte Eingriffe zu verändern, frei nach dem Motto: "Let's get the party started!" und dem Vorbild der Truman Show.

Treffliche Visualisierung

Das ist nur eine jener scheinbar naheliegenden, aber trotzdem wirkungsvollen Finten, mit denen dieser Film (und gar nicht unkomisch) operiert. Das Spiel mit der Kennerschaft des Fans findet auch in schönen Einfällen auf der visuellen Ebene seinen Niederschlag - etwa wenn irgendwann unterschiedliche Horror-Subgenres buchstäblich aufeinandertreffen. Fürs metaphorische "Off the Grid"-Gehen - unerreichbar, weg vom Radar sein - findet sich ebenfalls eine treffliche Visualisierung.

Auch wenn sich der Film am Ende mit Hilfe von Alien-Mama Sigourney Weaver in eine Deus-ex-Machina-Lösung zu retten hat: The Cabin In The Woods, der mit angeblich gerade einmal 30 Millionen Dollar Budget den Bruchteil eines handelsüblichen Blockbusters gekostet hat, ist einer der erfreulicheren US-Starts, die uns diesen Sommer erreichen. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 4.9.2012)

Ab 7. September im Kino

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