Revolutionär der Stille, Hinterfrager der Tradition

  • Präparierte Klaviere, notenlose Partituren und das Zufallsprinzip: John 
Cage (1912-1992).
    foto: schönberg center

    Präparierte Klaviere, notenlose Partituren und das Zufallsprinzip: John Cage (1912-1992).

Zum 100. Geburtstag John Cages rollt das Arnold Schönberg Center dem Künstler und Komponisten einen roten Teppich aus

Wien - Als John Milton Cage am 5. September 1912 in Los Angeles als Sohn eines Erfinders und einer Redakteurin der Los Angeles Times geboren wurde, deutete wenig darauf hin, dass er zu einem der einflussreichsten Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts werden würde. Zwar genoss John Milton junior schon früh Klavierunterricht, seine erste Liebe nach Abschluss der Los Angeles High-School (Cage schloss mit der höchsten jemals in der Geschichte der Schule erreichten Punktezahl ab) galt jedoch zunächst - beeinflusst von Gertrude Stein - der Poesie.

Dichter wurde er dann auch nach einem Abstecher nach Paris, wo er in den 1930er-Jahren Architektur studierte, nicht. Doch auch nach einem Kompositionsstudium (u. a. bei Arnold Schönberg) und ersten Arrangements für die Tanztruppe des Avantgarde-Choreografen Merce Cunningham blieb Cage anderen Kunstgenres gegenüber mehr als aufgeschlossen.

Der Rest ist Musik- und Kulturgeschichte. 250 Kompositionen schuf Cage, dessen Partituren sich zuweilen wie Grafik-Kunstwerke ausnehmen. Wie auch die Cage-Ausstellung im Salzburger Museum der Moderne (bis 7. Oktober) zeigt, interessierte sich der Maler, Schriftsteller, Komponist und Performer schlichtweg für alles: für die Fluxusbewegung und die Wissenschaft der Pilze, für Marcel Duchamp, Dada-Literatur, indische Mythologie und Zen-Buddhismus. Und es ist vielleicht bezeichnend, dass der 1992 verstorbene Künstler gerade für ein Stück, 4'33 (1952), in dem kein einziger Ton erklingt, bekannt geblieben ist.

Am 5. September wird nun unter der Regie von Nadja Kayali von Jennifer Davison (Gesang), Christian Dolezal (Schauspiel), Arnulfo Pardo Ravagli (Tanz), René Staar (Violine) und Johannes Marian (Klavier) im Wiener Schönberg-Center Cages 100. Geburtstag gefeiert. Zu erleben ist ein inszeniertes Konzert mit Werken des jungen Cage (u. a. für präpariertes Klavier) sowie spätere, mit Zufallsoperationen entworfene Stücke. (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 4.9.2012)

5.9., Schönberg Center, 3., Schwarzenbergplatz 6, 19.00

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