Gentherapie gibt Mäusen Geruchssinn zurück

  • Behandlung mittels Nasenspray: Gentechnisch veränderte Schnupfenviren ließen Mäuse ohne Geruchssinn wieder erfolgreich schnuppern.
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    foto: apa/franz-peter tschauner

    Behandlung mittels Nasenspray: Gentechnisch veränderte Schnupfenviren ließen Mäuse ohne Geruchssinn wieder erfolgreich schnuppern.

Forscher sind überzeugt, dass das Verfahren auch bei geruchsblinden Menschen wirken könnte

London/Wien - Viele Sinneszellen unsere Körpers tragen feine, haarförmige Anhänge, die unter anderem für die Wahrnehmung von Gerüchen unabdingbar sind. Sind diese sogenannten Cilien durch einen Gendefekt fehlgebildet, kann dies bei Menschen zur Geruchsblindheit führen, die bis jetzt unheilbar war.

Nun ist US-Forschern zumindest bei Mäusen ein Durchbruch mittels Gentherapie gelungen. Wie Jeremy McIntyre und seine Kollegen im Fachblatt "Nature Medicine" berichten, konnten sie die Cilien bei Nagern wiederherstellen, bei denen ein Gen namens IFT88 durch eine Mutation verändert war. Dieses Gen sei auch bei vielen Menschen mit Geruchsblindheit defekt.

Um ein intaktes Ersatzgen in die Riechzellen der Mäuse einzuschleusen, bauten die Forscher es zunächst in Viren ein, die mit Schnupfenviren verwandt sind. Dadurch gelangte auch das Ersatzgen für das defekte IFT88 in die Riechzellen. Mittels Nasenspray verabreichten die Forscher den Mäusen die Lösung mit den zu Genfähren umgerüsteten Viren.

Bereits wenige Stunden nach der Behandlung ließ sich das von dem Ersatzgen produzierte Eiweiß in den Riechzellen nachweisen. Weitere Tests zeigten, dass auch der Geruchssinn der Mäuse wiederhergestellt war. Ein ähnliches Verfahren könnte auch bei Menschen zur Anwendung kommen, sind die Forscher überzeugt.

Ein Haken an der Sache: Weil die Riechzellen häufig erneuert werden, halte die Wirkung einer Behandlung allerdings nicht dauerhaft an. (tasch, sda, DER STANDARD, 4.9.2012)

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