Kognitionsbiologin Friederike Range erhält ERC-Starting-Grant

3. September 2012, 13:49
  • Friederike Range wird mit einem ERC-Starting Grant ausgezeichnet.
    foto: apa/roland schlager

    Friederike Range wird mit einem ERC-Starting Grant ausgezeichnet.

Mit den Fördermitteln soll am Wolf Science Center ein neues Modellsystem für Verhaltensstudien etabliert werden

Wien - Die Kognitionsbiologin Friederike Range (40) vom Wolf Science Center (WSC) und - derzeit karenzierte - Leiterin des "Clever Dog Lab" am Messerli Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) erhält einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Mit der mit knapp 1,3 Millionen Euro dotierten EU-Förderung will Range das Kooperationsverhalten von Hunden und Wölfen untereinander, aber auch mit dem Menschen untersuchen, teilte die Vetmeduni am Montag mit.

Wölfe sind hochsoziale Tiere, die untereinander ausgeprägte Beziehungen aufbauen. So arbeiten Tiere beispielsweise beim Jagen, bei der Verteidigung von Territorien oder bei der Aufzucht der Jungen zusammen. Auf der anderen Seite gehen Hunde enge Bindungen mit dem Menschen ein und kooperieren mit ihren Besitzern. Bisher weiß man allerdings noch sehr wenig über die Mechanismen, die diese Verhaltensweisen bei Hunden und Wölfen steuern und was sich in dieser Hinsicht während der rund 15.000 Jahre langen Domestikation des Hundes verändert hat.

Jüngste Forschungsergebnisse offenbarten überraschendes Verhalten bei Hunden: "Sie scheinen über eine Art Gerechtigkeitssinn zu verfügen, der sich zeigt, wenn sie ungleiche Behandlung vermeiden. Zudem zeigen sie in dafür speziell ausgelegten Experimenten eine einfache Form von Mitgefühl", so Range. Beide Eigenschaften sehen die Forscher als wichtig dafür an, dass die Tiere Bindungen zum Menschen eingehen können.

Neues Modellsystem für Verhaltensstudien

"In den kommenden fünf Jahren können wir nun dank der ERC-Fördermittel mit den gemeinsam aufgezogenen und gehaltenen Wölfen und Hunden des Wolf Science Center ein neues Modellsystem für Verhaltensstudien etablieren. Mit Hilfe dieser Tiere wollen wir die ersten umfassenden Untersuchungen zu emotional eingebetteten kognitiven Mechanismen machen, die das Kooperationsverhalten zu steuern scheinen." Abhängig von der Bereitstellung nationaler Fördergelder könnten die selben Versuche wie am Wolf Science Center auch mit Haushunden am neu eröffneten "Clever Dog Lab" durchgeführt werden.

Range erwartet, mit ihrer Arbeit auch zum Verständnis der Mechanismen der Kooperation bei Primaten und auch beim Menschen beitragen zu können. Die gebürtige Deutsche hat ihr Biologie-Studium an der Universität Bayreuth und ihre Doktorarbeit an der University of Pennsylvania in Philadelphia (USA) absolviert. 2007 hat sie gemeinsam mit Ludwig Huber und Zsofia Viranyi das "Clever Dog Lab" im Umfeld der Uni Wien gegründet und 2008 mit Zsofia Viranyi und Kurt Kotrschal das Wolf Science Center. (APA, 3.9.2012)

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5 Postings
Was heißt "Sie ist karenziert"??

Die arbeitet doch so ziemlich jeden Tag auf der Uni.

kindliche Neugierde..

Im GEO vom Juli steht ein wirklich interessanter Artikel über ihre Arbeit..

gratulation!

ich freu mich schon auf viele interessante ergebnisse.

und auf den hund, der mir in der pension gesellschaft leisten wird.

Ich finde es gut, wenn ausländische Forscher in Österreich erfolgreich sind. Mehr Brain Gain kann nicht schaden.

Herzliche Gratulation,
Ein österreichischer Wissenschaftler im Ausland

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