Sprengstoff

Blog | Bert Rebhandl, 3. September 2012, 12:11

Kontroverse israelische Werbespots

Der britische Komiker John Cleese musste sich kürzlich einiges an Spott und Unverständnis anhören, als er zum vierten Mal vor den Traualtar trat. So richtig ins Fettnäpfchen trat er allerdings jetzt mit einem Auftritt als Schauspieler. In einer israelischen Werbung spielt er einen General, von dem ein Einsatzbefehl erwartet wird. Statt eine klare Aussage zu treffen, genehmigt sich dieser hochdekorierte Militär eine Kostprobe von einer Schokohaselnusscreme der Firma Hasachar Haole, und sagt dann: Sabaza eguzim. Das ist der Produktname, wird aber als "let's get nuts" übersetzt. Das reicht, um sein Gegenüber zum roten Telefon greifen zu lassen, und den Angriff zu befehlen.

Die Szene wird durch ein Insert zu Beginn in Tel Aviv lokalisiert, ist im übrigen aber neutral gehalten: Dass es um den schon seit langer Zeit diskutierten Schlag gegen den Iran geht, ist eine Sache der Implikation. Jeder andere Angriff wäre im Vergleich dazu geringfügig oder undenkbar, bedürfte also zusätzlichen Nachdenkens - hier geht es aber eindeutig um die unmittelbare Assoziation, also um das "Spiel mit dem Feuer".

Auffällig und überraschend ist die Befehlskette, die hier angedeutet wird. Die Figur, die Cleese spielt, wird als General Rodgers angesprochen, wäre also vermutlich als ein Vertreter der amerikanischen Schutzmacht zu sehen (darauf deutet auch sein schwarzer Nebenmann, der andernfalls für "diversity" in der israelischen Armee stehen würde). Und zu wem gehört eigentlich der Zivilist mit dem roten Telefon, der die klassischen israelischen Argumente hören lässt? "We have the right to defend ourselves."

Die Kommentare, die auf dem globalen Portal YouTube zu diesem Werbespot hinterlassen wurden, zeigen die ganze Bandbreite der möglichen Reaktionen auf diesen anzüglichen Werbespot.

Die Macher des Spots mit John Cleese müssen dabei ganz bewusst eine Strategie aufgegriffen haben, die in Israel erst kürzlich zur Anwendung kam: nämlich Produktaufmerksamkeit vor dem Hintergrund der nahöstlichen Krisenpotentiale zu schaffen. In einem vor einem halben Jahr veröffentlichten Spot für ein Tablet des koreanischen Herstellers Samsung kommen israelische Agenten in Frauenkleidung in die heilige iranische Stadt Isfahan, wo schon ein Verbindungsmann auf sie wartet, der aber - wie die Spezialkräfte im Tschador auch - nicht allzu ernsthaft bei der Sache ist. Er zeigt ihnen seinen neuen Tablet-Computer (mit dem beworbenen Abo), und mitten hinein in das frivole Geschwätz ist im Hintergrund eine riesige Explosion zu sehen. Sie wurde allem Anschein nach versehenlich ausgelöst.

In der Diskussion über diese beiden Spots haben beide Seiten durchaus ihre Argumente. Die einen können beanspruchen, dass die spielerische Fiktionalisierung gerade dazu angetan ist, den eigentlichen Fall unwahrscheinlicher zu machen, indem sie ihn voran der Lächerlichkeit preisgibt. Die anderen können darin aber das selbstironische Spiel einer regionalen Supermacht sehen, die noch in ihrer Produktkultur die Überlegenheit über die bedrohlichen Nachbarn zelebriert.

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19 Postings
Sollte er mal in Arabistan oder im Iran probieren.

Diverse Bannflüche und Morddrohungen wären ihm sicher.

satire darf alles

nur nicht den mohammed verunglimpfen...

das traut sich fast niemand, der heut noch lebt...

aber schön, auch mal einer Meinung mit ihnen sein zu können, nach der letzten Postingschlacht.

;)

janz ruhig....

sie werden doch nicht industrie/marketing mit regierungen gleichsetzen?
weiters wurde schon immer über jedes ernste thema gewitzelt, auch so gehen menschen mit unangenehmen themen um.

bitte, hier handelt es sich aber um israel!

bitte noch einen itchy und scratchy cartoon zu dieser thematik!

Ich hoffe, dass jene auch lachen werden, wenn das AMS die neuen "Arbeit macht frei" Spots vorstellen wird...

freuen wir uns doch, dass es in Israel offenbar sehr viele Menschen gibt, denen dieser subversive Humor gefällt, sonst würde nicht in der Art geworben.
Demgegenüber gefällt den Österreichern: Geiz ist geil. Das ist wirklich grauslich und absolut humorlos

"Die Figur, die Cleese spielt, wird als General Rodgers angesprochen, wäre also vermutlich als ein Vertreter der amerikanischen Schutzmacht zu sehen "

Genug der Interpretation. Da am Kragenaufschlag von Cleese "US" zu lesen ist, spielt er sicher einen amerikanischen General...

Samsung dreht einen spot - und unter welchem heading läuft's? "Israels abartige werbung..."
Same old shit.

Berlusconi hat die Kulturnation Italien mit seinen Sendern

verblödet. Und in Israel scheint ähnliches zu passieren. Naja, und unsere KroneHeuteÖsterreich.. Puls 4...nur soviel noch: in Israel gibt es genug mit dem Niveau von Kronenzeitung-Lesern...ich kenn selber welche.

Von der politischen Seite her nachvollziehbar.

Korrupte Populisten, die nur durch Volksverdummung und radikale Wählerschichten an der Macht bleiben können.

Total lustig

Ich weiss nicht was Ihr habt, Ihr Weicheier

haha, ist das lustig

wieder mal ein krieg mit zigtausend toten, ich lach mich kaputt, das wird ein spass...

nicht zuviel hineininterpretieren

mit humor lässt es sich halt in einer solchen situation besser leben.

Ich find's auch lustig...

...nur würde man's auch lustig finden, würde der Spot irgendeinen persischen Militär zeigen und einen Angriff auf Israel suggerieren? Jede Wette, daß man da wieder den fehlenden Beweis hochhält, was "man" mit Israel so alles vorhat? Objektiv betrachtet ist's seltsam, daß man so selektiv Sachen lustig findet und sich empört, wenn der Gag zB auf Kosten Israels ginge... Wieso ist das so?

beim durchlesen fand ich die idee witzig (unabhängig vom politischen aspekt) ... aber die umsetzung ist sehr schwach ... dramaturgie, musik ... da wäre deutlich mehr drin gewesen :)

Ging mir auch so.
Aber es ist irgendwie trotzdem typisch Cleese. Sich über Dinge lustig machen, die nicht witzig sind. Man denke nur an die Witze die er bei der Beerdigung von Chapman gerissen hat:
http://www.youtube.com/watch?v=Bm2XPkqENaw
Chapman hätte es geliebt.

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