Studienplatzfinanzierung: 6.300 bis 29.500 Euro pro Studierendem

Medienbericht: Ministerium hält Bericht unter Verschluss - Einführung ab 2016 angedacht

Anstatt der globalen Leistungsvereinbarungen zwischen dem Wissenschaftsministerium und den heimischen Universitäten soll in Zukunft eine Studienplatzfinanzierung das Budget der Unis bestimmen. Dabei soll den Universitäten für jeden Studierenden ein gewisser Betrag überwiesen werden.

Der Plan, eine Studienplatzfinanzierung einzuführen, ist schon länger bekannt. Das diesbezügliche Modell ist seit Dezember fertig, wird aber unter Verschluss gehalten. Eine Arbeitsgruppe aus Ministeriumsbeamten und Uni-Rektoren erarbeitete den Bericht, aus dem die "Presse" nun zitiert. Für die Aufteilung der Finanzmittel sollen die Studierenden - soviel war bisher schon bekannt - in sieben Gruppen eingeteilt werden:

1. Buchwissenschaften (also Fächer wie Jus und Geisteswissenschaften)
2. betreuungsintensivere Sozial- und Geisteswissenschaften (zum Beispiel Fremdsprachen) sowie naturwissenschaftliche Fächer mit geringerem Betreuungsbedarf
3. betreuungsintensive naturwissenschaftliche Fächer
4. Human- und Zahnmedizin
5. Veterinärmedizin
6. Bildende und gestaltende Künste
7. Musikunis

Bis zu 29.500 Euro pro Studierenden

Je nach Betreuungsintensivität werden die Kosten in drei Phasen angepasst. In der ersten Phase soll es 3.800 bis 27.000 Euro pro Studienplatz und Jahr geben. In der zweiten Phase sollen 4.800 bis 27.500 Euro eingeplant werden. Im Vollausbau sollen die Unis zwischen 6.300 und 29.500 Euro erhalten. Dazwischen gibt es freilich große Unterschiede: Für Humanmediziner werden 24.000 Euro veranschlagt, für Studierende der Musik-Unis 28.500, für betreuungsintensive Sozial- und Geisteswissenschaften hingegen nur 8.800 Euro pro Studienplatz.

Das angestrebte Modell hat jedoch einen Haken: Für die erste Ausbaustufe rechnet das Ministerium mit 330 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr. Für die Umsetzung sind im Vollausbau rund 1,2 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr notwendig. 

Vollausbau bis 2022

Das Ministeriumspapier geht darüber hinaus von Zugangsregeln aus, die mit den Unis ausgemacht werden sollen. Derzeit gibt es nicht genügend Kapazitäten, um die angestrebte Betreuungsrelation zu erreichen. Deswegen soll es den Unis auch möglich sein, Beschränkungen einzuführen.

Das Papier beinhaltet auch konkrete Betreuungsrelationen der einzelnen Unis. An den Medizinunis sollen auf einen Habilitierten 15 Studenten kommen, in den Naturwissenschaften 25 und den Technikfächern 35 Studierenden. In der überwiegenden Zahl der Studienrichtungen sollen auf einen Professor 40 Studierende kommen. Im Bereich der Musik und der darstellenden Kunst soll das Betreuungsverhältnis eins zu zehn betragen. Laut dem letzten Universitätsbericht kommen auf 122 Studierende ein Professor.

Das Modell soll ab 2016 zur Anwendung kommen und schrittweise in der Leistungsvereinbarungsperiode 2022 bis 2024 den Vollausbaustatus erreichen. Elemente der Studienplatzfinanzierung sollen auch in die Verhandlungen zur Leistungsvereinbarungsperiode 2013 bis 2015 einfließen, die im Herbst stattfinden. (red, derStandard.at, 3.9.2012)

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