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400 Euro Schadenersatz bekam Frau T., weil Sie von einer Zahnärztin offen diskriminiert wurde.
Für Menschen, die nicht jung und männlich sind - und die nicht schon zu Ausbildungsbeginn erraten haben, was ein paar Jahre später am Arbeitsmarkt an Super-Abschlüssen gerade gefragt sein wird -, ähnelt eine Jobsuche dem Partyspiel "Reise nach Jerusalem". Zu viele BewerberInnen raufen sich um zu wenige attraktive Arbeitsplätze. Der seit Jahrzehnten prognostizierte Arbeitskräftemangel aus demografischen Gründen will sich, abgesehen von Facharbeiter-, IT- sowie mies bezahlten Pflegejobs, nicht und nicht einstellen.
Vielmehr gilt: Kaum versieht man sich's, ist man beim Jobsuchen auch schon wieder draußen; sogar in Österreich, wo im EU-Vergleich arbeitsmarktmäßig immer noch geradezu paradiesische Zustände herrschen. Denn zu den innerökonomischen Gründen (Jobmangel wegen Sparprogrammen, die zwar die Verschuldung reduzieren, aber die Wirtschaft abwürgen) gesellen sich solche, die mit Vorbehalten und Vorurteilen der handelnden Personen zu tun haben.
Etwa mit rassistischen Einstellungen potenzieller ArbeitgeberInnen, die das berufliche Fortkommen von Einwanderern und ihren Nachkommen stark behindern. Tatsächlich helfen auch eine gute Ausbildung und akzentfreies Deutsch nicht immer - wenn der Nachname "nicht stimmt", weil er zum Beispiel türkisch klingt. So, wie es jüngst in einem bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft des Bundes anhängigen Fall geschah, der in seiner Direktheit sogar die dortigen, Kummer gewohnten ReferentInnen erstaunte.
Es begann mit einer Annonce in einer Salzburger Lokalzeitung. Eine Zahnärztin suche eine Zahnarztassistentin, stand darin. Frau T., in der Region wohnend, interessiert das sehr: Die Österreicherin aus türkischer Familie, die seit ihrem dritten Lebensjahr in Österreich lebt, hat eine einschlägige Ausbildung abgeschlossen und mehrere Jahre Berufserfahrung als Zahnarztassistentin gesammelt. Deutsch spricht sie wie die Einheimischen, zu denen sie ja im Grunde auch gehört.
Sie rief unter der angegebenen Nummer an. Die Ärztin zeigte sich höchst angetan: Sie sei dringend auf MitarbeiterInnensuche - ob Frau T. nicht vorbeikommen wolle? "Ja, gern", meinte diese. Dann, so die Ärztin, werde sie sich Termin und Namen notieren. Frau T. nannte den Namen - und auf einmal war alles ganz anders.
Schweigen, dann: "Sind Sie von hier?", fragte die Ärztin. - "Ja, schon." - "Aber ich beschäftige keine Türkinnen." - Frau T., die Nerven wahrend: "Nehmen Sie überhaupt keine Ausländerinnen?" Antwort: "Nein, das nicht, aber Türkinnen keinesfalls."
Nun liegt auf der Hand, dass eine solche Abfuhr dem im Gleichbehandlungsgesetz fixierten Diskriminierungsverbot "wegen ethnischer Herkunft" widerspricht. Und so ergab es sich denn auch: Im Zuge eines Verfahrens vorm Arbeits- und Sozialgericht bekam Frau T. bei einem außergerichtlichen Vergleich 400 Euro Schadenersatz zugesprochen.
Nachdenklich jedoch stimmen die Worte von Dagmar Stranzinger, Mitarbeiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft: "Derart unverblümt und offen wird selten diskriminiert. Seit sich herumgesprochen hat, dass es verboten ist, BewerberInnen wegen ihrer ausländischen Herkunft abzulehnen, geschieht das eben auf versteckte Art", sagt sie.
Dann "passen" plötzlich Ausbildungsweg und Qualifikation nicht mehr - oder es gab eben gerade vor zehn Minuten eine Jobzusage für jemand anderen. Das Problem dürfte in Österreich endemisch sein: Alle Jahre wieder ergeben Bewerbungstests, dass ein Mensch mit "österreichischem" Namen bei gleicher Qualifikation weit öfter zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird als eine Person mit "fremdem" Namen.
Das ist - erstens - deprimierend, weil es zeigt, dass die österreichische Gesellschaft im Umgang mit MigrantInnen seit bald 120 Jahren nicht wirklich viel dazugelernt hatten: Um 1900, als viele TschechInnen nach Ostösterreich kamen - und hier bei den "DeutschösterreicherInnen" verhasst waren -, waren es die Mrkvickas und Prohaskas, denen ihre "falsche" Herkunft wie ein rotes Tuch anhing. Heute sind es die Öztürks, Zenoglus und anderen Menschen aus ferneren Ländern.
Und es ist - zweitens - für MigrantInnen höchst demotivierend, was im Endeffekt der Gesamtwirtschaft schadet. Weil MigrantInnen und ihre NachfahrInnen nach mehreren solchen Erfahrungen vielleicht überhaupt keinen Sinn in Streben nach beruflichem Fortkommen mehr sehen, sondern sich mit minder interessanten und minder bezahlten Jobs begnügen. Daraus folgt: Wahrscheinlich wäre es tatsächlich klüger, Bewerbungen künftig anonymisiert durchzuführen, ohne Angabe von Name, Herkunft und Alter, wie es unlängst die Grünen vorgeschlagen haben. (Irene Brickner, derStandard.at, 3.9.2012)
Hinweis
Brickners Blog erscheint ab kommendem Samstag wieder im Wochenrhythmus.
Für Brickners Blog auf derStandard.at wurde die Journalistin 2010 in der Kategorie Online ausgezeichnet
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Nach welchen Kriterien der Steuerzahler entscheidet, wieviel Steuern er zahlt, soll nur der Steuerzahler entscheiden. Da soll sich der Staat nicht einmischen.
Nach welchen Kriterien der Einbrecher entscheidet, ob er einbricht oder nicht, soll nur er entscheiden. Da soll sich der Staat nicht einmischen.
Brauchens weitere Beispiele unternehmerischer Freiheit?
Das ist der Beweis: Brickner ist Management Quatscher!
...merkt man, welcher "Geist" derzeit dank der FPÖ in Österreich herrscht.
Bei meiner Zahnärztin gibt es eine nette, türkische Assistentin MIT Kopftuch. Sie saugt mir diverse beim Bohren anfallende Reste bestens aus dem Mund.
Und sie spricht Wienerisch mit mir.
...Herren vielerlei Herkunft - die Tage habe ich sogar einen ganz Dunkelhäutigen gesehen - Türken, Serben und Kroaten gibt es neben Österreichern sogar zu Hauf'.
Ich bewundere jeden der "unseren" Dreck und den "unserer" Hunde wegräumt.
Was mich trotzdem interessieren würde: hat die Zahnärztin eine grundsätzliche Aversion - oder ist diese Einstellung das Resultat schlechter Erfahrungen?
Das würde - zumindest mir - bei der Beurteilung dieses Falles helfen.
...den Zahnarzt wird er nur bei Schmerzen in Anspruch genommen haben.
H. C. Produkte werden Sie sicher noch in vielen, von Zahnärzten behandelten Mündern finden.
Aber über Ihren Handelsschüler mit Verbindungskapperl lassen manche Leute eben nichts kommen,gelln'S!
...freundlicherweise den Unterschied zwischen einem Maturanten mit abgebrochenem Jusstudium und einem Handelsschüler,verziert durch ein Verbindungskapperl, aber ohne Matura erklären.
Und bevors gleich kommt, nein ich halte von Faymann und seiner Politik fast nichts,vor seinem Nein zur Regierungsbeteiligung der FPÖ ziehe ich aber den Hut.
würde man dann erkennen, wenn sich mal ein blonder blauäugiger Mann bei Akakiko (deren policy es ist, nur asiatisch aussehende Kellner zu haben) der beim Kebapstand um s Eck bewerben und dann nach Abfuhr die Gleichbehandlungsanwälte auf den Plan zu rufen.
Die Kette "Sushi Circle" zB sucht dringend Mitarbeiter und bietet unabhängig von Hautfarbe oder Augenfalte die Ausbildung auch zum Sushi-Chef an.
http://www.sushi-circle.de/jobs.html
Es muss also keineswegs so sein, dass man des "Flairs" halber nur bestimmte Ethnien anstellt. (Und wo man die Küche nicht sieht, ist's eh bunt gemischt: Ich kannte einen Agypter, der in dem bräunlichen Beisl Wartburg in Graz schwarz als Tellerwäscher gearbeitet hat, und einen "echten"/"weißen"/"arischen" Österreicher, der Tellerwäscher beim Edelasiaten war.)
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