Deutschen droht im Alter der Gang zum Sozialamt

3. September 2012, 08:40

Das Armutsrisiko von deutschen Pensionisten ist größer als gedacht, Millionen Durchschnittsverdienern droht der Absturz in die Grundsicherung

Berlin - Das Armutsrisiko von Pensionisten in Deutschland ist noch größer als gedacht: Millionen Durchschnittsverdienern droht nach neuen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums der Absturz in die Grundsicherung, wenn sie ab 2030 in den Ruhestand gehen. Alle, die heute weniger als 2500 Euro brutto verdienten und keine private Vorsorge betrieben, müssten dann "mit dem Tag des Renteneintritts den Gang zum Sozialamt antreten", warnte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in einem Schreiben an ihre parteiinternen Kritiker.

Die Ministerin wirbt in dem Brief noch einmal für ihr Modell einer Zuschussrente, mit dem Minirenten von Geringverdienern bis auf 850 Euro aufgestockt werden sollen. Das große Problem ist die beschlossene Absenkung des Rentenniveaus bis 2030 von derzeit 51 Prozent auf 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns.

Deshalb bekämen vom Jahr 2030 an selbst Arbeitnehmer, die heute 2500 Euro brutto im Monat verdienten und 35 Jahre Vollzeit gearbeitet hätten, nur eine gesetzliche Rente in Höhe der Grundsicherung von 688 Euro. "Es steht nicht mehr und nicht weniger als die Legitimität des Rentensystems für die junge Generation auf dem Spiel", heißt es in dem Schreiben an die Junge Gruppe in der Unionsfraktion.

Abgelehnt

Die jüngen Unionsabgeordneten lehnen die Pläne jedoch weiter ab - ebenso wie die FDP, die Sozialverbände, die Opposition und der DGB. CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn und Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder verlangten am Sonntag, stattdessen über eine steuerfinanzierte Grundrente zu diskutieren. "Die Jüngeren erwarten trotz hoher Beiträge nicht mehr viel von der gesetzlichen Rente", sagte Spahn "Spiegel Online". FDP-Chef Philipp Rösler bekräftigte in der "Welt am Sonntag, dafür sei kein Geld in der Rentenkasse.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth warf von der Leyen vor, mit ihrem Modell einer Zuschussrente die Ursachen für Altersarmut nicht entschieden genug anzugehen. "Die Hürden sind sehr, sehr hoch. Es wird sehr viel vorausgesetzt an Arbeitszeit", sagte Roth im ARD-Sommerinterview. "Wir wollen eine Garantierente, denn tatsächlich ist Altersarmut ein Riesenproblem."

Der Deutsche Gewerkschaftsbund verlangte, auf die von den Bürgern ohnehin nicht gewollte Senkung des Rentenbeitrags zu verzichten und die Überschüsse in der Rentenkasse zu einer Demografie-Reserve auszubauen. In einer Emnid-Erhebung für das Magazin "Focus" sprachen sich nur 29 Prozent dafür aus, die Rentenbeiträge zu senken. Der Sozialverband Deutschland plädierte für einen Rentenzuschuss und kritisierte, dass beim Modell von der Leyens die Hürden viel zu hoch seien.

Das sieht vor, die Renten jener Geringverdiener aufzustocken, die jahrzehntelang in die Rentenkasse eingezahlt und - nach 2019 - auch zusätzlich privat fürs Alter vorgesorgt haben. In ihrem Brief weist von der Leyen darauf hin, dass 40 Prozent der Geringverdiener - insgesamt 1,8 Millionen - keine private Altersvorsorge betreiben. "Viele realisieren nicht, dass auch sie von Altersarmut bedroht sind, und dass sie zwingend eine zusätzliche Altersvorsorge brauchen, um der Armutsfalle im Rentenalter zu entkommen."


Armutsrisiko

Grund für das steigende Armutsrisiko sind die beschlossenen Rentenreformen. In der SPD werden bereits Forderungen laut, auf die Absenkung zu verzichten und das Rentenniveau auf dem aktuellen Stand einzufrieren.

Laut "Spiegel" haben sich der schleswig-holsteinische SPD-Chef Ralf Stegner und sein Bremer Kollege Andreas Bovenschulte hinter einen entsprechenden Vorstoß des Berliner SPD-Landesverbandes gestellt. Von der Leyen lehnt die Forderung strikt ab, weil sie eine Überlastung des Rentensystems fürchtet.

Eine Entscheidung über die Zuschussrente soll in der nächsten Sitzung des Koalitionsausschusses voraussichtlich Mitte Oktober fallen. Um ihre Kritiker zu überzeugen, hat von der Leyen die Junge Gruppe der Unionsfraktion nun für Mittwoch in ihr Ministerium eingeladen. (APA, 3.9.2012)

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Rentner Gang zum Sozialamt

Interessant wäre wie sich die Rentenansprüche in Deutschland errechnen.

Selbst schuld wenn man mit Dumpingloehnen Europa niederkonkurriert

und sich dann auf die Schulter klopft und meint: "Wir Deutschen sind so toll, wir wirtschaften so gut, wir sind so sparsam, wir sind das Vorbild fuer Europa."

Wenn man keine ordentlichen Loehne zahlt um die Exportwirtschaft zu subventionieren und die Rentenbeitrage reduziert, fehlt das Geld natuerlich in der Rente: http://www.jjahnke.net/index_fil... /13450.gif

Riester und Ruerup, die Obervolksverarsch...er.
Problem seit 2008 bekannt - Monitor deckte auf: http://www.youtube.com/watch?v=9u7lZHNVbEk

ist wahrscheinlich an zynismus nicht zu überbieten

40% der geringverdiener betreiben keine private altersvorsorge....weil eben ein geringverdiener nur ein geringes einkommen hat. ist die von der leier echt so blöd?

europa im 21. jahrhundert:

die jungen bekommen keine arbeit mehr.
die alten bekommen keine pension mehr.

super system, ich muss schon sagen.
der wechsel zum unkontrollierten kapitalismus, den unsere polit- und medieneliten uns täglich vorgebetet haben, hat es echt gebracht.

danke liebe politiker, danke liebe journalisten!

Bedanken sollten sie sich bei denen, die ein wirkliches und ureigenes Interesse am ausufernden Kapitalismus hatten und haben:

den Reichen und Superreichen dieser Welt!

Dass Politiker und Journalisten denen mehr oder weniger nachrennen, ist zwar auch nicht viel besser, aber nicht annähernd so verwerflich, insbesondere werden manche ja geradezu gezwungen - Geld ist eben Macht und die Mächtigen missbrauchen ihre Macht nur all zu oft.

ohne Verlierer gibt's eben keine Gewinner; das ist nicht nur im Sport so.

solltest du den wunsch haben

nach deiner danksagung dieses system nachhaltig zu vertiefen wähle bitte frank stronach und seine spießgesellInnen

ZUKUNFT?

Pennsion gut für Mustafa und Ali. Herr Gruba und Nemetschek arbeiten bis tot umfallen. Schenes Estareich.

DIE RENTE IST SICHER

Sagte das nicht mal so ein FDP Politkaspar vor etlichen Jahren...welcher auch noch sang...Hoch auf dem Gelben Wagen....
Politiker sind einfach deppen und die meisten leben abseits des lebens vom Normalbürger.

Das war ein anderer in einer anderen Partei

der den Spruch berühmt machte.
js

Die totale Ungerechtigkeit ist ja wohl, dass der Schnitt vom Nettolohn erhoben wird.

Zuerst schöpfen sie dir ~40% Steuern ab, und auf den Rest bekommst du dann die Pension berechnet,
bei welcher es dann auch wieder Brutto und Netto gibt.

Ist das in Österreich auch so?

Gerade erkundigt. In Österreich wird der Schnitt des Bruttogehalts herangezogen.

whoa, 2.500 brutto klingt wenig - tatsächlich verdienen in Österreich über 50% der Arbeitnehmer das oder weniger. (Statistik Austria). Und - wie soll jemand mit 2.500 brutto (ca. 1600 netto) groß eine - risikobehaftete- Privatvorsorge betreiben?

Geht doch locker:

Kein Auto, keine öffentl. Verkehrsmittel, sondern mit Rad oder zu Fuß unterwegs sein
Keine Wohnung, unter den Brücke lebt sich's vor allem im Winter eh viel schöner
Essen und trinken nur soviel, dass man/frau sich noch ausreichend ausbeuten lassen kann
Kleidung nur soviel und soweit es für die Arbeitsdienste nötig ist
keine Freizeit, die was kostet
Krankenbehandlung nur, wenn sie von der GKK bezahlt wird, Selbstbehalte bei Medis porblematisch, dann lieber verzichten und auf Spontanremission hoffen
Kleidung waschen, natürlich ohne Reinigungsmittel etc
dann bleibt auch was für die Vorsorge, die sie aber dann sicher nicht mehr erleben werden
aber die anderen Sachen werfen die Reichen ja auch weg, wenn sie sie nicht mehr brauchen!

Ich hab damals vor 10 Jahren eine private Zusatzversicherung abgeschlossen und mich neulich nach dem Stand der Dinge informiert. Das man von den Gebühren hergebudert wird, war mir irgendwie klar, aber nicht wie extrem.

Jedenfalls heute sagen sie es einem. Es waren einmal 16% der Gesamtsumme "Kommission" nur für die Versicherung(Generali). Irre. Da das ein Fonds-gebundes Produkt ist, kassiert der aber auch nochmal. 1% fix pro Jahr. Und 4% Ausgabeaufschlag. Da die aber 5x den Fonds wechseln, zahlt man insgesamt 5*4% - clever gemacht, oder? Zusätzlich gibt es nicht weiter definierte Kosten für die Kapitalgarantie. Will ich es auflösen, zahl ich obendrauf noch mal 11% V-Steuer. Hat sich echt auszahlt. Danke Generali.

Steigert doch gleich das Wohlbefinden unter den Flügel des Löwen.;)

der kapitalismus wird uns alle reich machen.

Falsch

Jeder kann Millionär werden, aber nicht alle - wie beim Lotto
:-)

"Alle" nicht, sonst wuerde er ja "Sozialismus" heissen.

der sozialismus wollte uns nicht alle "reich" machen sondern uns alle "gleich" machen.
wenigstens davon könnten Sie schon gehört haben...

Warum duerfen Sie ironisch sein und ich nicht ?

dürfen Sie ja eh...es hält Sie ja niemand auf...

Uns auch.
Darum liebe Leute, genießt das Leben beizeiten wenn Ihr noch jung und fidel seid! Arbeitet nicht allzu viel, denn die Beiträge die Ihr einzahlt seht Ihr nie wieder!

Aha, die private Pensionsvorsorge in Form von Banken und Versicherungen müssen wieder Angst schüren um damit Geld abschöpfen zu können.

Wer soviel Angst vor der Pension hat, kann ja selber auch vorsorgen. Aber ohne Banken und Versicherungen.

z.B. Zusatzpension in Form von physischen Goldbarren im Tresor ansparen. Da verdient keine Bank und Versicherung daran. Dann ist dieser Zauber der "Privaten Vorsorge" und dem Schlechtmachen des staatlichen Pensionssystem wie im Artikel sehr schnell vorbei. (=da keine Geschäftemacherei mehr mit der Angst um die Pension möglich ist)

Goldblase

Meine Güte, die Warnungen haben ich schon bei 800$ gelesen, mittlerweile sind wir bei 1685$.
Das Gold wieder einmal sinken wird, ist ja auch klar.
Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit der Zeitpunkt sein, an dem man Gold verkaufen und Aktien kaufen sollte.
Gold bringt keine Zinsen und arbeitet nicht; Sparbuch bringt auch keine Realzinsen, Aktienmärkte performen auch nicht wirklich seit 2000 - so gesehen war Gold keine schlechte Wahl.

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