Seriöse Play-off-Hoffnungen

  • Székesfehérvár: Bisher fünf Saisonen in der EBEL (265 Spiele, 100 Siege), größte Erfolge: Viertelfinale 2010, 2012 | Aktueller Kader
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Székesfehérvár: Bisher fünf Saisonen in der EBEL (265 Spiele, 100 Siege), größte Erfolge: Viertelfinale 2010, 2012 | Aktueller Kader

  • Orli Znojmo: Bisher eine Saison in der EBEL (52 Spiele, 19 Siege), größter Erfolg: Viertelfinale 2012 | Aktueller Kader
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Orli Znojmo: Bisher eine Saison in der EBEL (52 Spiele, 19 Siege), größter Erfolg: Viertelfinale 2012 | Aktueller Kader

  • Graz 99ers: Bisher zwölf Saisonen in der Bundesliga/EBEL (592 Spiele, 250 Siege), größter Erfolg: Semifinale 2004 | Aktueller Kader
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Graz 99ers: Bisher zwölf Saisonen in der Bundesliga/EBEL (592 Spiele, 250 Siege), größter Erfolg: Semifinale 2004 | Aktueller Kader

Drei Teams, ein Ziel: Székesfehérvár, Znojmo und Graz wollen ins Viertelfinale, haben auf dem Weg dorthin aber noch einige Hindernisse vor sich

Während in der am Donnerstag in die neue Saison startenden Eishockey-Liga "drei Nachzügler vor einem schweren Jahr" stehen, können sich Vertreter Ungarns und Tschechiens berechtigte Hoffnungen darauf machen, die im Vorjahr geglückte Qualifikation für die Play-Offs zu wiederholen. Nach höheren Tabellenregionen als zuletzt streben auch die radikal umgebauten Graz 99ers, über lange Jahre die "graue Maus" unter den österreichischen Klubs in der Liga.

Ungarische Seifenopern

So sehr wie noch in seiner fünfjährigen Geschichte in der EBEL prägte Ungarns Serienmeister (zuletzt zehn Championate am Stück) in diesem Sommer die Schlagzeilen. Thema war jedoch weniger die mediale Würdigung des sportlichen Erfolgs der Vorsaison, sondern vielmehr das an eine Seifenoper erinnernde Gezänk rund um die Transfers der beiden im letzten Jahr besten Torschützen im Team, István Sofron und Derek Ryan. Der US-Stürmer, der in seiner ersten Saison in der Liga gleich den längsten Scoring Streak aller Spieler aufstellte (14 Partien in Serie mit Punkten), unterschrieb bei den Ungarn Anfang April einen neuen Vertrag, um drei Monate später einen zweiten beim Ligakonkurrenten in Villach zu signieren. Der sich über Wochen hinziehende Transferstreit wurde letztlich vom Weltverband IIHF zu Gunsten Fehérvárs geschlichtet, kannte jedoch in der Außenwahrnehmung nur Verlierer.

Ein ähnliches Hin und Her erlebte der Klub auch im Fall István Sofron: Der 24jährige Publikumsliebling, 2011/12 ligaweit zweitbester Scorer und bester Torschütze in Even Strength-Situationen, sondierte lange den Markt, kokettierte mit möglichen neuen Arbeitgebern, kehrte aber nach einem erfolglosen Probetraining beim KHL-Neuling Lev Praha doch wieder in seinen laufenden (wenngleich deutlich aufgebesserten) Vertrag bei Székesfehérvár zurück.

Dass derartige Sommertheaterstücke heuer ausgerechnet in Ungarn aufgeführt wurden, überrascht, präsentierte sich der Klub in den Jahren seiner Ligazugehörigkeit doch als wenig skandalträchtiger Verein mit Fokussierung auf bedachte Weiterentwicklung. Seit seiner sportlich katastrophalen aber sehr lehrreichen Premierensaison 2007/08 mit nur sieben Siegen in 42 Spielen haben sich die Roten Teufel kontinuierlich verbessert und sind näher an die gehobene EBEL-Mittelklasse herangerückt. Stetiger Fortschritt, der im Vorjahr durch einen hervorragenden dritten Platz nach dem Grunddurchgang gekrönt wurde.

Während sich einige der im Vorjahr tabellarisch abgeschlagenen Konkurrenten im Sommer durchwegs verstärkt haben, hatte Fehérvár vornehmlich damit zu kämpfen, ein ähnlich schlagkräftiges Team wie zuletzt zusammenzustellen. Vorzeichen, unter denen eine Wiederholung des letztjährigen Erfolgs als recht unwahrscheinlich einzustufen ist. Besonders schwer wiegt für die Ungarn das trotz laufenden Vertrags vollzogene Karriereende von Klubikone Krisztián Palkovics, der 19 Jahre lang für den Klub stürmte und speziell im sozialen Gefüge des Teams eine wichtige Rolle einnahm.
Mit den Verpflichtungen von soliden Offensiv-Imports wie Tyler Metcalfe (28) und Kyle Bailey (25) sowie dem überraschenden Deal mit Frank Banham, dem punktebesten EBEL-Legionär der letzten sieben Jahre, konnten die Abgänge im Angriff aber zumindest sportlich kompensiert werden. Dank der gefährlichsten Einheimischen-Sturmlinie der Liga (Ladányi-Vas-Sofron), einer zweiten Importformation und spielstarken Ergänzungen wie Kovács oder Sikorčin gehört Fehérvárs Offensivabteilung zu den besseren in der Liga.

Gleichzeitig offenbart sich im Kader der Ungarn jedoch ein massives Leistungsgefälle zwischen Offensive und Defensive, das stärker ausgeprägt ist als bei jedem anderen Team. Der Abwehr fehlt es sowohl an spielgestaltenden als auch an torgefährlichen Kräften, im Spiel in der eigenen Zone mangelt es an Beweglichkeit und Speed. Das biblisch anmutende Durchschnittsalter der fünf Top-Verteidiger (36,2 Jahre) und die mit fortschreitendem Saisonverlauf auftretenden Verschleißerscheinungen waren schon beim letztlich enttäuschenden Viertelfinal-Aus gegen Ljubljana im Vorjahr wesentliche Gründe für das Scheitern, auch 2012/13 wird Fehérvár in der Defensive nicht mit Spritzigkeit beeindrucken.

Erfolg oder Misserfolg in der kommenden Spielzeit werden daher stark davon abhängen, wie gut es dem Torhütergespann Munro/Bálizs gelingt, die Unzulänglichkeiten der Vorderleute zu kompensieren. Székesfehérvár stellt ein Team, das vom offensiven Potential her um einen Platz in der oberen Tabellenhälfte mitspielen kann, ob der Schwächen in der Defensive scheint aber auch ein böses Erwachen auf einem Platz außerhalb der Play-Off-Ränge möglich.

Mehr Legionäre für Znojmos zweites Jahr

Lange hat es gedauert, ehe sich der im Vorjahr neu in die EBEL eingestiegene HC Orli Znojmo im neuen Umfeld zurechtfand: Bereits nach acht Runden wurde Trainer Karel Soudek durch seinen Assistenten Martin Stloukal ersetzt, bis das Team dessen Vorstellungen aufs Eis zu bringen vermochte, vergingen weitere Wochen. In der wichtigsten Phase der Saison waren die Tschechen dann aber voll da, überraschten in der Qualifikationsrunde und zogen in die Play-Offs ein. Dass man dort gegen Medveščak Zagreb sieglos blieb, trübte die Zufriedenheit über das im Premierenjahr Erreichte nur wenig, sowohl sportlich als auch organisatorisch (ein Plus von 60,3 Prozent beim Zuschauerschnitt gegenüber der Vorsaison in der zweiten tschechischen Liga) überwogen die positiven Erfahrungen.

In ihrer zweiten Saison möchten die Adler den unter Stloukal eingeschlagenen Weg fortsetzen und den Gegnern vornehmlich ihr eisläuferisch sehr intensives Spiel aufzwingen. Das wird ob der im Ligavergleich unterdurchschnittlichen individuellen Klasse des Teams nicht immer gelingen, sollte aber zumindest attraktive Partien garantieren.

Neben Altstar Radek Haman (42) nicht mehr mit dabei ist Martin Podešva, der in der zweiten Saisonhälfte gemeinsam mit Peter Pucher und Adam Havlík Znojmos gefährlichste Angriffsformation bildete. Leihgabe Podešva kehrte im Sommer in die Extraliga zurück, von wo es auch Angebote für den Top-Torschützen Havlík (17 Saisontreffer) und die starken Defender Martin Pláněk und Lubomír Štach gab. Znojmo konnte den Stamm der Mannschaft jedoch halten und ergänzte ihn mit vier Importspielern. Anders als im Vorjahr, als mit Mike Danton erst Mitte Dezember der erste (und einzige) nordamerikanische Crack verpflichtet wurde, gehen die Tschechen mit dem finnischen Powerforward Kim Strömberg (24) sowie einem kanadischen Trio in die neue Spielzeit. Am meisten verspricht sich Trainer Stloukal dabei von Spielmacher Paul Crowder (27), der sich in der Vorbereitung jedoch eine Knieverletzung zuzog und länger auszufallen droht.

Die Rolle des Publikumslieblings ist in Südmähren bereits fix vergeben: Marek Uram, der schon in den ersten sieben Jahren der letzten Dekade in Znojmo spielte und während dieser Zeit 2002 auch Weltmeister mit der Slowakei wurde, testet nach einer fast zwölfmonatigen Verletzungspause ein letztes Mal, ob sein Körper noch Einsätze auf EBEL-Level erlaubt. Die Pre-Season lieferte diesbezüglich klare Aufschlüsse, gleich fünf Treffer konnte der 37jährige für sich verbuchen. Überboten wurde er dabei ligaweit nur von seinem Teamkollegen Richard Jarůšek (21), dem es in den Testspielen vorzüglich gelang, seine starke physische Präsenz nun auch in Tore umzumünzen. Weitere Kandidaten für den spielerischen Durchbruch im kommenden Jahr sind die neu zum Team gestoßenen Petr Beránek (19) und Drittliniencenter Ondřej Fiala (24).

Gelingt Znojmo ein besserer Start als im Vorjahr, sollte die Mannschaft das eine oder andere Wort bei der Vergabe der acht Play-Off-Plätze mitreden können. Dazu bedarf es jedoch auch einer Leistungssteigerung des jungen Torhüterduos Ondřej Kacetl/Filip Landsman, die im Vorjahr zwar mehrfach ihr Talent unter Beweis stellten, aber Probleme mit der Konstanz erkennen ließen. Gewarnt seien die Tschechen auch durch die Statistik: Alle vier vor ihnen in die Liga gekommenen internationalen Teams hatten in ihrem zweiten EBEL-Jahr mit Problemen zu kämpfen, trotz bereits gesammelter Erfahrungen fuhren sie im Schnitt um 4,5 Prozent weniger Punkte ein als in ihrem jeweiligen Premierenjahr.

Großer Umbau, kleine Veränderung

Obwohl die Graz 99ers im Vorjahr erstmals seit 2008 wieder die Play-Offs verpassten, hielt die Vereinsführung entgegen den Gepflogenheiten der Vergangenheit an Trainer Mario Richer - immerhin der elfte Head Coach seit dem Ligaeinstieg im Jahr 2000 - fest. Dieser krempelte das Team im Sommer zwar nominell stark um (Anm.: elf Neuzugänge), stellte aber erneut eine eher auf physische Präsenz denn auf spielerische Eleganz ausgelegte Mannschaft zusammen.

Verändert haben sich die Steirer vor allem auf ihren Schlüsselpositionen: Drei der etatmäßigen Top-Sechs-Verteidiger wurden ausgetauscht, nur zwei der sechs punktebesten Stürmer aus dem Vorjahr verblieben im Kader. Einzig auf der Torhüterposition wurde nur in der zweiten Reihe (Anm.: Weinhandl nach Wien, Stefaniszin von den Capitals) rochiert, als Nummer eins geht Frédéric Cloutier in die Saison. Der im letzten November verpflichtete Kanadier fand sich in der EBEL rasch zurecht und erreichte die dritthöchte Winning-Percentage aller Torhüter in der Liga.

Im Angriff haben zwar die beiden Topscorer aus dem Vorjahr, Zdeněk Blatný und Brett Lysak, den Klub verlassen, mit Olivier Latendresse konnte jedoch ein vielerorts unterschätzter, für das Spiel der Steirer aber sehr wertvoller Stürmer gehalten werden. Der 26jährige Kanadier bringt jene Skills mit, die manchen seiner physisch orientierten Teamkollegen fehlen, 2011/12 sammelte er die meisten Punkte aller 99ers in Even Strength-Situationen.
Die Centerposition im ersten Block plant man mit dem nach zwei Jahren an die Mur zurückgeholten Greg Day zu besetzen, in Linie zwei soll der ebenso neu verpflichtete Bob Wren (Anm.: 1,54 Scorerpunkte pro EBEL-Karriereeinsatz, Bestwert aller aktiven Spieler in der Liga) das Spiel lenken. Beiden Mittelstürmern ist offensive Spitzenkompetenz nicht abzusprechen, mit 35 bzw. 37 Jahren befinden sie sich jedoch im Herbst ihrer Laufbahn, zumal ihnen eklatante Schwächen im Backchecking zu attestieren sind. Für die Tore sollen Matthias Iberer (27) und der kürzlich unter Vertrag genommene Adam Courchaine (28) sorgen, während Lefebvre, Daoust und Labelle eher der Abteilung Rollenspieler zuzuordnen sind. Am spannendsten scheint im Angriff jedoch die Personalie Zintis Zuševics zu sein: Der erst 18jährige Lette schaffte als Topscorer der letztjährigen U20-Meisterschaft den Sprung in den Profikader, avancierte in der Pre-Season mit drei Treffern gleich zum zweitbesten Torschützen im Team und gilt als das größte Talent, das seit Jahren über das Grazer Eis kurvt.

Die im Vorjahr weitestgehend stabile Defensive (Anm.: nur vier Teams kassierten weniger Gegentrffer pro Spiel) hat mit Sven Klimbacher zwar ihren besten Plus/Minus-Spieler verloren, sollte mit den Neuzugängen von Andy Delmore (35) und Martin Oraze (27) aber in der Vorwärtsbewegung an Schlagkraft gewonnen haben.

Die Transferbewegungen des Sommers haben den 99ers zweifellos mehr Tiefe verliehen, wenngleich sich die vielen Veränderungen in der Vorbereitung in recht starken Leistungsschwankungen niedergeschlagen haben. Die erste Herausforderung für Trainer Richer ist es, in Abwehr und Angriff funktionierende Pärchen zu bilden, danach muss er sich den beiden zentralen Schwächen seiner letztjährigen Mannschaft widmen: Der Undiszipliniertheit, die den Steirern einige Punkte kostete (Anm.: mit 14,5 Prozent der Spielzeit agierte keines der elf Teams länger in Unterzahl), und der deutlichen Unterlegenheit in Situationen bei gleicher Spieleranzahl am Eis, für die ein Torsaldo von -15, der zweitschwächste Wert der Liga hinter Jesenice, zu Buche stand.
Gestützt auf gutes Goaltending und eine stabile Abwehr sollte es Graz in der kommenden Spielzeit wieder ins Viertelfinale schaffen. Dort gilt es dann, gegen das Liebenauer Play-Off-Gespenst anzukämpfen: In zwölf Erstligajahren konnte der Klub noch nie eine Serie in der Post Season für sich entscheiden, in 30 Spielen gelangen nur magere fünf Siege. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 3.September 2012)

EBEL-Saisonvorschau

Teil 1: "Drei Nachzügler vor schwerem Jahr" (31.8.2012)
Teil 3: "Herausforderer aus Kärnten und Kroatien" (4.9.2012)
Teil 4: "Die drei heißesten Titelanwärter" (5.9.2012)

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10 Postings
Schafft es Znaim in die Play-Offs?

Grün für Ja.
Rot für Nein.

Schafft es Graz in die Play-Offs?

Grün für Ja.
Rot für Nein.

ja, weil mir lefevbre und latendresse gefallen.

Schafft es Fehervar in die Play-Offs?

Grün für Ja.
Rot für Nein.

grün ist von mir, warum nicht.

im eishockey gehts oft ziemlich abwechselnd zu. wenn der lockout in der nhl kommt und die ungarn vielleicht aufstocken.....

glaube auch, dass die caps darauf spekulieren und einen star holen.

die dürften in der nhl wirklich nicht mit den verhandlungen weiterkommen.

Da die Caps ja den ehemaligen NHL-Scout Bernd Freimüller nun auf ihrer Ausgabenagenda haben, wird es sicher schon eine Kandidatenliste für etwaige Spieler geben......

würde mich freuen, 1994 kam mike sillinger zum ce wien.

ein perfekter eisläufer und super-stürmer.

für den neutralen EBEL Zuschauer (also mich) ist:

Znojmo + Marek "die Frisur" Uram (http://sportky.topky.sk/cacheImg/... 51995.jpg) = Sympathieträger#1 der EBEL

danke für diesen artikel.

ist einfach auf espn-niveau.

bin ich in ö. nicht gewohnt.

mit dem blog kommt einfach wieder die freude aufs eishockey -danke!

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