"Ende unabhängiger Medien in Ukraine"

Nina Jeglinski aus Kiew, 2. September 2012, 19:06

"Stoppen Sie die Zerstörung der Medienfreiheit in der Ukraine": Mit diesem Aufruf wenden sich die Mitarbeiter des unabhängigen Fernsehsenders TVi an die Teilnehmer des Weltkongresses der Zeitungen, der dieser Tage in der ukrainischen Hauptstadt Kiew tagt

Mittwoch droht TVi die faktische Abschaltung. Zusammen mit Kanal 5 gilt der Kiewer Sender als einzige unabhängige Fernsehquelle des Landes. Kabelbetreiber Wolja nimmt TVi aus dem Basispaket. Für den Sender kommt das einer Abschaltung gleich. Er verliert so zwei Drittel seiner Zuschauer.

Der Kabelbetreiber ist mit der "Verlagerung von TVi einer Aufforderung des Nationalen Komitees für Radio und TV der Ukraine nachgekommen", sagt Wolga-Manager Sergej Boiko. Nun läuft TVi zusammen mit mehr als 400 internationalen Sendern, monatlicher Preis: acht Euro. In einem Land mit einem Durchschnittseinkommen von 280 Euro. Schon zuvor stoppte das Komitee die Ausstrahlung von TVi in 60 Städten.

Der Fall TVi ist das bisher letzte Kapitel im Kampf der wenigen unabhängigen Medien der Ukraine vor den Parlamentswahlen am 29. Oktober. Die Vorbereitungen werden von internationalen Beobachtern bereits jetzt als "in weiten Teilen unfrei und undemokratisch" kritisiert. TVi hat in seinen Sendungen immer wieder über Unregelmäßigkeiten berichtet. So zum Beispiel über Bedrohungen parteiloser Kandidaten. Außerdem kandidieren TVi-Chef Nicolas Knjaschizki und der Reporter Konstantin Usow, der mit seinen Berichten über die Situation in ukrainischen Gefängnissen für viel Aufsehen gesorgt hat, für Mandate im Parlament. Knjaschizki steht auf Listenplatz elf der Vereinten Opposition, dem Bündnis der inhaftierten früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko.

Mitte September droht gegen TVi ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eröffnet zu werden. "Damit will man den Sender auch finanziell in die Knie zwingen", sagt Knjaschizki der "Ukrainska Prawda". Chefredakteur Vitali Portnikow schreibt in seinem Blog: "Der Druck ist beispiellos und zielt auf das Ende unabhängiger Medien und Berichterstattung in der Ukraine." (Nina Jeglinski, DER STANDARD, 3.9.2012)

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14 Postings

inwiefern gelten fernsehsender, die mitgliedern der timoschenko partei gehören, als "unabhängig"?
glaubt die redakteurin, dass wir leser nicht wissen, was das wort "unabhängig" bedeutet oder ist eh schon alles wurscht?

kabelbetreiber Volia ist übrigens ein zu 100% privates unternehmen und entscheidet wie beispielsweise UPC in österreich über sein kabelprogramm.

übrigens: in der ukraine gibt es hunderte unabhängige medien. allerdings muss man dazu (wie in österreich) ins internet ausweichen.

Gehört der Fernsehsender tatsächlich dem TV-Direktor und dem einen Journalisten? Oder ist es umgekehrt - der Fernsehsender verfügt über einen TV-Direktor und einen Journalisten, die beide selbst (was ihnen zusteht) kandidieren. Die Frage ist, ob der Fernsehsender zu irgendeiner Gruppe gehört und von dort signifikante Unterstützung bekommt. Zur regierungsabhängigen Mediagroup gehört der Sendeer jedenfalls nicht.

die besitzverhältnisse habe ich gepostet. in 7-8 stunden können sie es dann lesen :)

kanal 5 gehört petro poroshenko, einem ukrainischen oligarchen, der in timoschenkos kabinett zuletzt aussenminister war (!), was ja ziemlich "unabhängig" klingt :) heute ist er janukowitschs minister für handel. er arrangiert sich mit jedem.

TVi gehört den russischen oligarchen wladimir gusinski und konstantin kagalowski.
vor allem gusinski hat ja schon eine "karriere" als medienmacher hinter sich und unter jelzin eindrucksvoll unter beweis gestellt, was für ein demokratisch gesinnter, menschenrechtsbewegter mensch er ist ;)
aber das kann jeder selber googeln.

und natürlich steht es dem tv direktor und journalisten zu, zu kandidieren. nur macht das aus ihren medien dann eben keine unabhängigen mehr.

Zumindest dürften diese beiden Medien (im Gegensatz zu den anderen relevanten) von der jetzigen Regierung unabhängig sein, was ihre Probleme mit den Behörden erklären dürfte ...

Keine Ahnung, wer hier postet,

Tatsache ist nin mal, dass es weder in Russland, Weißrussland und in der Ukraine nur noch in Teilen freie Medien gibt. Hört Euch mal die Arbeitsbedingungen von ukr. Journalisten an, da kommt Freude auf:
http://www.pravda.com.ua/rus/news/... 3/6971929/
oder
http://www.pravda.com.ua/rus/photo... 3/6971956/

versuchen Sie mal auf einer pressekonferenz von herrn obama mit protestplakaten vor ihm zu demostrieren. ich bin sicher, seine bodyguards werden exakt so handeln wie die bodyguards des ukrainischen präsidenten.

es gibt viel, viel bessere beispiele dafür, wie die janukowitsch partei die arbeit von medien behindert.
googeln Sie noch ein wenig, aber kommen Sie nicht mit solchen lächerlichkeiten daher :)

Ja, wer für unsere Hl. Julia kandidiert, ist unabhängig und gut, ja fast schon selig! Es dankt die Hl. Julia Gebetsliga für diesen Beitrag im Auftrag der EU-Medien-Gleichschaltungszentrale!

Danke auch für den Hinweis, dass die Wahlen sowieso unfrei, manipuliert und undemokratisch sein werden - aber nur, wenn wir sie nicht gewinnen: Die gottgebenedeite EU und die Hl. Julia schütze uns davor!
Amen!

...OMG reden sie einen Schrott daher

OMG (wessen Aberglaubens auch immer), in ihrem Beitrag brillieren sie ja mit Fakten und durch Wissen... :-) Beneidenswert...

...

ich bin Humanist ... würde ich nicht sagen, daß sie Schrott daherreden, müßte ich sie ernst nehmen, und das will ich eigentlich nicht ... da es einfach Schrott ist, was sie schreiben.... und ich freue mich auf den Tag, an dem es das System Janukowitsch in der Luft zerreist..... und Demokratie, freie Medien und freie Abgeordnete in diesem schönen Land ihr Dasein fristen.... und verbrecherische Oligarchen, deren leider zuhauf vorhanden sind ..... im Gefägnis sitzen.

Interessant. Drei Diktaturen vor den Toren Europas. Aber niemand interessiert sich dafür. Alle posten lieber bei den Kärntner Lokal-eFFen den Gebrüdern Karamasov äh Scheuch.

Nach Russland ist offenbar auch die Ukraine dabei, eine Diktatur zu werden. Weißrussland hat das Ziel schon erreicht, ist jedoch vergleichsweise ungefährlich. Am gefährlichsten sind die Russen, dort sind die Medien genauso in Kontrolle von Herrn Puti - des obersten KGB Chefs der das Land lenkt und leitet.

das könnte in Österreich nicht passieren

unbeugsam kämpft der Falter in einer Welt der pressegeförderten, Reuters-gleichgeschaltenen, regierungsinseratgefütterten Korruptmedien um seine einsame, kleine journalistische Unabhängigkeit---

Perfekte Beschreibung!

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