Klimt, wie er singt und klingt

Stefan Ender
2. September 2012, 17:59
  • Gustav Klimt als Musical, da weiß man, man ist in Wien. Zu sehen ist das Unterfangen im Künstlerhaus.
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    foto: künstlerhaus wien

    Gustav Klimt als Musical, da weiß man, man ist in Wien. Zu sehen ist das Unterfangen im Künstlerhaus.

"Gustav Klimt - das Musical" ist im Wiener Künstlerhaus zu erleben

Wien - Die Vergangenheit ist in Wien die große, mit prallen Eutern gesegnete Cash-Kuh der Gegenwart - die Vergangenheit in Stein, Ton, Wort und Bild. Wie viele Klimt-Ausstellungen gibt‘s im Klimt-Jahr? Zwei, drei, vier? So ungefähr.

Jetzt gibt es im Künstlerhaus auch noch ein Klimt-Musical. Jössas. Muss das sein? Warum nicht. Denn es ist eigentlich ziemlich gut.

Das Buch bietet in einer gefälligen Szenefolge einen ausgewogenen Mix aus beschwingten, pathetischen, komödiantischen und tragischen Momenten. Man ist dabei, wie "der Gust" sein erstes Geld der lieben Mama offeriert, wie er kaiserliche Auszeichnungen entgegennimmt und wie er nach dem Tod des Bruders beginnt, sich mit reaktionären staatlichen Kommissionen und künstlerischen Weggefährten zu fetzen. Und man sieht den virilen, kraftstrotzenden Klimt naturgemäß auch postkoital.

Musikalisch (Gerald Gratzer) erlebt man eine unterhaltsame Folge von Solonummern, Duetten und Ensembles, in toto erinnert das Tonwerk an zwei Stunden Radio Wien - da ist ja auch für jeden was dabei.

So entspinnt sich, Musik und Dichtkunst Arm in Arm, ein klingender Bilderreigen über die Vita des "männlichsten der Maler" (Hilde Spiel), dessen porträtierte Weiblichkeit "die Blässe der berufsmäßig unverstandenen Frauen" (Karl Kraus) auszeichnete.

Neben Klimt (mit funkelndem Blick: André Bauer) konzentriert sich der genretypisch klischierte, versüßlichte Plot auf Emilie Flöge (mit Constanze-Breitebner-Locken und toller Stimme: Sabine Neibersch), Franz Matsch (superschön glatt-schnöselig: Lucius Wolter), Klimt-Bruder Ernst (hochprofessionell: Georg Prohazka), Klimt-Schwägerin Helene Flöge (sympathisch: Regina Mallinger) und Klimt-Kompagnon Kolo Moser (komödiantisch stark: Harald Tauber). Auch die Figur des Genius (Linda Geider), Klimts kreativer Stimme, unterhält und macht Sinn.

In Summe sind die erstklassigen Darsteller Resultat und Spiegelbild des hohen Niveaus der hiesigen Musical-Ausbildung. Des Weiteren zeichnet sich die Produktion, die 2009 bei den Festspielen Gutenstein Premiere feierte, durch die von Uschi Heinzl geschaffenen zeitgemäß-eleganten Kostüme (Highlight: der Anzug von Franz Matsch zum Ende des ersten Teils) und durch eine gekonnte Regie (Dean Welterlen) aus.

Dass das Ganze ausgerechnet in den dafür leider wenig geeigneten Ausstellungsräumen des Künstlerhauses geschieht, aus dem Klimt im Unfrieden schied, mag eine ironische Grundnote der Aufführungsserie sein. Aber wie meinte schon Hermann Bahr: "Das Künstlerhaus ist eben eine Markthalle, ein Bazar; mögen da die Händler ihre Waren ausbreiten!"

Sie tun es noch bis 7. Oktober. (Stefan Ender, DER STANDARD, 3.9.2012)

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4 Postings

ich hab zwar nur ausschnitte gesehen, aber in denen konnten alle nicht singen...

und ich

freu mich schon auf das Jahr 2013, wenn der Klimt-Spuk für zumindest 5 Jahre ein Ende hat.

..ich habe gehört das es ein elsner-bawag musikal in arbeit ist und geht nach der prämiere nach new york!

das hat sich klimt nicht verdient,

dass er vermusicalt wird!

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