Hofübergabe im freiheitlichen Hause Scheuch

  • FPK-"Landesvater" Gerhard Dörfler mit seinem neuen Parteichef Kurt Scheuch: Auf dem FPK-Parteitag in Villach passte kein Blatt zwischen die beiden.
    foto: apa/eggenberger

    FPK-"Landesvater" Gerhard Dörfler mit seinem neuen Parteichef Kurt Scheuch: Auf dem FPK-Parteitag in Villach passte kein Blatt zwischen die beiden.

Kurt Scheuch mit 97,3 Prozent zum FPK-Chef gewählt - Dörfler wehrt sich gegen neue Vorwürfe

Villach - "Jetzt erst recht - Hand in Hand fürs Kärntnerland": Mit 97,3 Prozent oder 362 von 372 Delegiertenstimmen wurde Kurt Scheuch vom FPK-Parteitag im Villacher Congress Center zum neuen Parteichef gewählt. Kurt folgt damit "offiziell" seinem erstinstanzlich (nicht rechtskräftig) verurteilten Bruder Uwe nach, der alle seine politischen Funktionen zurücklegen musste.

Die innerfamiliäre FPK-Hofübergabe, musikalisch umrahmt von der Filmmusik aus Fluch der Karibik, wurde auch dadurch verdeutlicht, dass Uwe als einfaches Parteimitglied die Wahl für seinen Bruder leiten durfte - von tosendem Applaus begleitet. Der bedachte seinen Bruder mit Jörg Haiders Worten "Geh du voran!". Uwe Scheuch sah sich zwar im "politischen Vorruhestand", schloss aber ein Comeback nicht aus.

Die Kärntner Freiheitlichen präsentierten sich - die Reihen dicht geschlossen - wie eh und je. Die schmissig-moderne Haider-Inszenierung wich allerdings wieder einer betont erdig-trachtigen.

"Wir sind unbesiegbar!"

Der neue FPK-Chef griff auch wieder tief in die Mottenkiste verstaubter Rhetorik: Das Schicksal habe der FPK eine Aufgabe mit tieferem Sinn gegeben. "Wir sind unbesiegbar!", rief Kurt Scheuch, bisher als Mann fürs Grobe bekannt, in die brodelnde Menge, um sogleich die wahren Feinde zu attackieren: die Medien, die die Freiheitlichen für "vogelfrei" erklärt hätten, und die Korruptionsstaatsanwaltschaft, deren Leiter Walter Geyer als ehemaliger Grün-Politiker einseitig ermittle.

Der "Kleinen Zeitung" unterstellte Scheuch, für ein Stronach-Interview Geld erhalten zu haben. Die designierte Kärntner Chefredakteurin Eva Weissenberger wies das zurück. Die Opposition aus SPÖ, ÖVP und Grünen bezeichnete Scheuch als LEP, als linke Einheitspartei, deren einziges Programm es sei, die FPK zu verjagen. Doch man werde "wie ein gallisches Dorf dem Römischen Reich Widerstand leisten".

Zuvor hatte sich Landeshauptmann Gerhard Dörfler gegen neue Korruptionsvorwürfe bei Straßenbauprojekten zur Wehr gesetzt. Demnach habe Dörfler von Firmen, die bei Baulosen zum Zug kommen wollten, "Sponsoring" verlangt. Dörfler stellte in Abrede, dass seine Partei dabei mitgeschnitten habe: "Ihr könnts ruhig schlafen, da ist nichts dran." Man versuche nur, ihn anzupatzen.

Baufirmen "vorselektiert"

"Profil" erhärtet in seiner aktuellen Ausgabe allerdings die Vorwürfe. Dörfler soll die Baufirmen "vorselektiert" haben. Offenbar sollten nur jene Firmen berücksichtigt werden, die sich bereits mit "Sponsoring" profiliert hätten. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 3.9.2012)

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