180.000 Jobs in Italien sind gefährdet

Gewerkschaften warnen vor "heißem Herbst". Bei Fiat und beim US-Stahlkonzern Alcoa seien tausende Jobs gefährdet

Rom - Die italienischen Gewerkschaften warnen vor einem "heißen Herbst" in Italien. 180.000 Jobs sind in der Industrie gefährdet. Beim Autobauer Fiat, beim US-Stahlkonzern Alcoa sowie beim Billigflieger Wind Jet seien tausende Jobs gefährdet, warnen die Gewerkschaften, die in den nächsten Wochen mit einer Welle von Streiks und Protesten rechnen. Am Mittwoch startet die Regierung Monti eine Konsultationsrunde mit den Sozialpartnern, um ein Paket zur Förderung der Beschäftigung zu entwerfen.

Besorgniserregend ist die Lage der 1.300 Mitarbeiter eines von Fiat stillgelegten Produktionswerks in Termini Imerese auf Sizilien, warnen die Arbeitnehmerorganisationen. Pläne des süditalienischen Autobauers DR Motors, die Fiat-Fabrik zu übernehmen, scheiterten. Die Zukunft der seit Jahresbeginn stillgelegten Produktionsstätte ist ungewiss. Die Gewerkschaften befürchten, dass Fiat wegen des starken Nachfragenrückgangs auf dem europäischen Automarkt auch noch eine weitere Fabrik in Italien schließen könnte.

Gewerkschaften unter Druck

Auch die schwere Krise der Wirtschaft auf Sardinien setzt die Gewerkschaften unter Druck. Hunderte Arbeitnehmer eines Produktionswerks des amerikanischen Stahlwerks Alcoa, das ab kommender Woche geschlossen wird, demonstrierten am Freitag vor dem Industrieministerium in Rom. Im Ministerium führten Vize-Infrastrukturminister Claudio De Vincenti und der Präsident der Region Sardinien Ugo Cappellacci ein Treffen mit den Managern der Schweizer Gesellschaft Glencore, die Interesse für die Übernahme des sardischen Alcoa-Produktionswerks signalisiert hat. Glencore bestätigte zwar sein Interesse, die Manager des Konzerns forderten jedoch eine weitere Woche Zeit, um die finanzielle Lage des Produktionswerks noch genauer zu überprüfen. Alcoa beschäftigt 540 Personen, weitere 250 sind in der Zuliefererindustrie tätig.

Von der Schließung bedroht ist auch ein Kohlebergwerk auf Sardinien. Rund 40 Bergleute protestieren seit Anfang dieser Woche unter der Erde und ausgestattet mit 400 Kilogramm Sprengstoff gegen die Schließung des einzigen Kohlebergwerks Italiens. Sie wollen erreichen, dass die Regierung in Rom 200 Millionen Euro für den Bergbausektor freigibt. Mit dem Geld soll das Bergwerk Carbosulcis in eine unterirdische Lagerstätte für das Treibhausgas Kohlendioxid umgebaut werden. Die Kumpel hatten erklärt, sie seien "zu allem bereit", um ihre Arbeitsplätze zu behalten.

Probleme in der Luftfahrtbranche

Auch Italiens Luftfahrtbranche ist in Schwierigkeiten. Dem italienischen Billigflieger Wind Jet droht wegen massiver finanzieller Schwierigkeiten die Einstellung des Flugbetriebs. 850 Arbeitnehmer von Wind Jet sind bereits auf Kurzarbeit. Insgesamt beschäftigt die krisengeschüttelte Fluggesellschaft 2300 Mitarbeiter. (APA, 2.9.2012)

Share if you care