Spieler verlässt 1. FC Köln wegen Hooligan-Drohung

4. September 2012, 13:14

Verteidiger Pezzoni bat um Vertragsauflösung - Trainer Stanislawski: "Grenze überschritten"

Köln - Wohin geht der 1. FC Köln? Neben der sportlichen Talfahrt des Traditionsklubs in die zweite Liga, wo man nach drei Runden ebenfalls schon wieder auf einem Abstiegsplatz steht, werden auch die Fan-Probleme immer bedrohlicher. Wie Trainer Holger Stanislawski nun bekannt gab, hat Verteidiger Kevin Pezzoni sich nach Drohungen eigener Anhänger dazu entschieden, nie mehr für die Kölner anzutreten. Seiner Bitte um Auflösung des Vertrags wurde entsprochen.

"Da hat eine Gruppe von Menschen dem Spieler Pezzoni in dieser Woche vor dessen Privatwohnung aufgelauert, ihn angepöbelt und ihn massiv bedroht", sagte Stanislawski: "Sie haben Zettel an sein Auto geklebt und ihm klar gemacht, dass sie ihm weh tun wollen. Damit haben diese Leute eine Grenze überschritten." Wenn zu körperlicher Gewalt aufgerufen werde, sagte Stanislawski, könne man "nicht mehr unbeschwert Fußball spielen. Einige Worte, die da gefallen sind, möchte ich nicht wiederholen. Es ist ein Zustand, der sich über längere Zeit aufgebaut hat."

Pezzoni wurde auch im Internet bedroht: User riefen auf einer Facebook-Gruppe dazu auf, den Spieler "aufzumischen". Der 23-Jährige war bereits Anfang des Jahres in einen Zwischenfall verwickelt gewesen: Während der Karnevalstage brach ihm ein Angreifer die Nase. Er absolvierte insgesamt 80 Bundesliga- und 10 Zweitligaspiele für den 1. FC Köln.

"Hoffe, er findet wieder Spass am Fußball"

Stanislawski, der aus seiner Zeit beim FC St. Pauli einen ganz anderen Umgang der Fans mit Spielern gewohnt war, zeigte sich tief getroffen. "Wir haben die beste Lösung für Kevin gesucht. Das war der Abschied. Dabei ging es nicht um finanzielle Dinge. Da muss man Menschlichkeit zeigen. Ich hoffe, er findet wieder Spaß am Fußball."

Pezzonis Teamkollege Christian Eichner erklärte, die gesamte Mannschaft stehe "unter Schock". Er selbst berichtete, er habe im Mai nach dem Abstieg das Stadion aus Sicherheitsgründen im Kofferraum des Autos seiner Eltern verlassen. Als Reaktion wurde ein offener Brief verfasst, in dem es heißt: "Wenn wir als Spieler und als Mannschaft unsere Leistung nicht bringen, nehmen wir die Kritik der Medien und der Fans an. Doch wir lassen als Mannschaft nicht zu, dass einzelne Spieler von einzelnen Chaoten gedemütigt und persönlich angegangen werden."

Verhaltene Kritik am Krisenmanagement der Kölner äußerte Dortmund-Trainer Jürgen Klopp. Der Verein hätte kämpferischer auftreten und sich vor den Spieler stellen müssen: "Ich glaube nicht, dass Kevin den Vertrag auflösen wollte. Ich denke, der Verein war auch daran interessiert, dass das Ganze beendet wird." 

"Neue Eskalationsstufe"

Der Präsident der deutschen Bundesliga, Reinhard Rauball, sieht den deutschen Profi-Fußball nach der Vertragsauflösung des massiv bedrohten Abwehrspielers Kevin Pezzoni beim Zweitligisten 1. FC Köln mit einer "neuen Stufe der Eskalation" konfrontiert.

"Das ist unter keinen Umständen akzeptabel. Jetzt muss endgültig für jedermann klar sein, dass es ab einem bestimmten Punkt keinerlei Toleranz mehr geben kann. Und das ist, sobald Gewalt in welcher Form auch immer im Spiel ist", sagte Rauball der deutschen Zeitung "Welt am Sonntag". Er sei allerdings sicher, dass die Verantwortlichen der Kölner "alle nötigen Konsequenzen" aus dem Fall ziehen werden.

Gleichzeitig glaubt Rauball, durch den Vorfall auch in Sicherheits-Diskussionen mit den Innenministern - etwa beim umstrittenen Thema der Stehplatzverbote in den Bundesligastadien - in eine ungünstige Position zu geraten. "Wir, Vereine und Verbände, kämpfen schon an allen Fronten mit diesen Themen. Die Vereine stehen sehr stark unter dem Druck der Innenminister, und ich weiß nicht, wie lange wir dem Druck standhalten können, wenn wir derartige Dinge, die uns dann vorgehalten werden, immer wieder haben", sagte Rauball am Sonntag. (sid/red, 1.9. 2012)

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Und schon gehen sie auf den nächsten Spieler los!

dazu kann man nur folgendes sagen:

http://m.youtube.com/#/watch?v... noR5J50h-A

(hoffe der link funkt)

0 Toleranz! - 100 Konsequenz!

In solchen Fällen wie im Fall Pezzoni (gegen solche verbrecherische Fans) gehört das Gesetz zu 101% ausgereizt. - Ausforschung der Täter und Anzeige wegen öffentl.Aufforderung/Aufruf zu einer Straftat und Gefährl.Drohung, und unbedingt die Höchststrafe verhängen!!!
Nur mit derart drastischen Mitteln (Höchststrafe) kann man mMn diesen Vollkoffern effizient begegnen. - Extreme Situationen erfordern leider extreme Massnahmen! - Stadionverbote können da nur eine kleine Draufgabe sein.
0 Toleranz - 100 Konsequenz ist angesagt. - Und das möglichst bald, damit das nicht Mode macht!

Und dabei dachten so viele hier im

Forum, dass es nur bei Rapid Hooligans gibt.

Weiss jemand den Grund für die Anfeindungen? Aus dem Artikel geht das nicht hervor.

Danke

oeffentlich geauesserte oder jedenfalls nicht bestrittene abwanderungswuensche

im winter

raten sie mal? nicht, weil er zu gut gespielt hat.

und es ist nicht möglich, diese leute auszuforschen?

der täterkreis kann kein allzu großer sein.

mir kommt vor, dass in solchen fällen nicht mit allen möglichkeiten ermittelt wird. warum auch immer. dabei sollte gerade gegen solche leute mit entschlossenheit vorgegangen werden.

Ermittlungen...

Natürlich ist es möglich diese Leute auszuforschen (Video im/vorm Stadion, Polizeil.Kontaktbeamte, Internet). Aber wahrscheinlich werden solche Fälle von der Obrigkeit (und somit auch von der Polizei) nicht ernst genug genommen. - Motto: Diese FB-idioten sollen sich die Schädeln einhauen, od so ähnlich.
MMn darf es nicht sooo weit kommen, dass dieser Pöbel am längeren Ast sitzt ("gewinnt")! Also: Sehr schnell und sehr konsequent gegensteuern!

wirklich ...

gerade, wenn sie im internet dazu auffordern sollte das nicht schwierig sein ...

rob ray hätte es auf seine art gelöst.

http://www.youtube.com/watch?v=Vp7ApYx6Qbc

es ist ja schon grenzwertig sich mit einem fußballspieler anzulegen (siehe ajax) aber mit einem eishockeyspieler face to face? ^^

Hahaha, der Kommentar darunter ist herrlich: "Gave him? so many rights, he was begging for a left."

der kommentar ist genial, aber der link gefällt mir auch:)

http://www.youtube.com/watch?v=XXwavC3gfoc

Solche Zustände gibts ja noch nicht mal in der österr. Bundesliga.. und das will was heißen.

das stimmt nciht ganz, wurde nich mal ein rapidler der zur austria wechselte auf offener strasse angegriffen?
wie hieß der typ noch?

und gegen stöger gab´s von fak fanseite morddrohungen, als er zu rapid wechselte. haben auch viele vergessen (oder tun so, als ob).
ratajczyk war dafür bekannt, mal ein bier zuviel zu erwischen, was da genau war, weiss wohl keiner.

Da war doch auch einiges los, als Ivanschitz zu Salzburg ging, oder? Da blieb es auch nicht nur bei Beschimpfungen, iirc.

ratajckyk ... aber da gibt es auch verschieden versionen, ob nicht er zuerst zugeschlagen hat ...

Werden hier veröffentlichte und bereits bewertete Postings gelöscht??

Ja, das kann schon mal passieren.

deine gehörn sowieso alle gelöscht.

Ja, ist üblich im Standard. Zum Teil gerechtfertigt, da sie eindeutige Beleidigungen enthalten, zum Teil nicht nachvollziehbar...

Das Projekt "deutscher Fussball" ist gescheitert.

Zum Glück bleiben uns Du und der österreichische Fußball. Viele Grüße, Dein Willi

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