Lob und Proteste bei Adorno-Preis-Verleihung an Judith Butler

12. September 2012, 15:16

US-amerikanische Philosophin blieb in ihrer Dankesrede allgemein

Frankfurt - Begleitet von Protesten proisraelischer Organisationen, hat die Philosophin und Literaturwissenschaftlerin Judith Butler am Dienstagabend in Frankfurt den mit 50.000 Euro dotierten, alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt vergebenen Adorno-Preis entgegengenommen.

Die 56-jährige US-Amerikanerin wurde als maßgebliche Denkerin unserer Zeit und politisch engagierte Intellektuelle gewürdigt. Ihre Schriften hätten "einen wohl kaum zu überschätzenden Einfluss", sagte der Kulturdezernent der Stadt Frankfurt, Felix Semmelroth, der für das Kuratorium sprach: "Ich bin überzeugt, dass selbst diejenigen, die sich an Butlers Thesen reiben, nicht umhin können, einzugestehen, dass sie als Philosophin und 'public intellectual' eine Wirkung entfaltet, die weit über den universitären Raum hinausreicht".

Dankesrede anhand von Adorno-Zitat

Butler war wegen kritischer Äußerungen über Israel zuvor heftig angegriffen worden. In ihrer mit Spannung erwarteten Dankesrede in der Paulskirche ging sie darauf aber nicht ein.  Butler widmete sich in ihrer Rede einem Zitat des Philosophen Theodor W. Adorno. Sie nahm seinen berühmten Satz "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" zum Anlass, sich Gedanken zu machen über die Bedingungen gesellschaftlichen Engagements im Allgemeinen. Dabei kam sie zu dem Schluss, dass "wir uns allen Formen von Gewalt entgegen stellen (müssen), die Leben zerstören und unlebbar machen".

"Sie hat etwas bewegt", hieß es in der Laudatio der Butler-Forscherin Eva Geulen über Butlers "weit gespanntes und breit gefächertes Werk". Vor allem den Feminismus habe sie "geradezu aufgewühlt". "Judith Butlers Werk ist stets intensiv verstrickt mit der aktuellen Sache", sagte Geulen: "Ihr Werk ist öffentlich und infolgedessen notwendigerweise kontrovers. Vielleicht ist sie die letzte Intellektuelle eines aussterbenden Typs, aber vielleicht ist sie auch die erste einer neuen Generation öffentlicher Intellektueller: nicht das hofierte Gewissen einer Nation, sondern kosmopolitisch, umstritten und streitbar."

Vor der Paulskirche hatten pro-israelische Aktivisten gegen die Ehrung Butlers protestiert. Mehrere Dutzend Teilnehmer hielten Schilder mit Aufschriften wie "Kein Adorno-Preis für Judith Butler" oder "Kein Israelhass im Namen Adornos" hoch. Von Polizeikräften getrennt riefen auf der anderen Seite des Zugangs Unterstützer Butlers Slogans für Palästina und hielten Plakate mit "Thank you Judith" hoch.  (APA, 12.9.2012)

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10 Postings
es ist jämmerlich

wie jede kritik an der politik israels als antisemitismus abgetan wird.

Was hat sie an israel-kritischem von sich gegeben? (ach wie böööse, hilfe) Warum keine Info dazu? Suppe dünn?

Dass auch hochgscheite Philosophinnen mit ihren

... Äußerungen (sie hat definitiv die Hamas der Linken zugerechnet) ausgesprochen naiv sein können, stimmt tröstlich.

Das Gleichsetzen von Kritik an Israel mit Antisemitismus ist kontraproduktiv nd menschenverachtend.

Das Gleichsetzen von Hamas mit der Internationalen lässt Marx und Co allerdings auch im Grab rotieren...

Leute wie Arendt, Judt & Butler haben es natürlich schwer in einer Welt, die von den Broders bestimmt wird...

"Jehova! Jehova!"

So kommt mir das vor, wenn Ihr wisst, was ich meine..

sowohl semitismus als auch antisemitismus sind relikte des rassistischen zeitalters der menschheit und blockieren die humanistische evolution.

Was ist Semitismus?

Ach, wirklich?

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