Guatemalas Ex-Polizeichef in der Schweiz verhaftet

31. August 2012, 21:09

"Wichtige Verdachtsmomente" gegen Sperisen - Mutmaßlicher Komplize in österreichischer Haft

Genf - In der Affäre um außergerichtliche Hinrichtungen durch die guatemaltekische Polizei sind nun auch die Schweizer Justizbehörden aktiv geworden. In Genf ist am Freitag der frühere Polizeichef Guatemalas, Erwin Sperisen verhaftet worden. Der schweizerisch-guatemaltekische Doppelstaatsbürger soll Drahtzieher der Hinrichtungen gewesen sein. Ein angeblicher Komplize von Sperisen, Alberto Figueroa, sitzt derzeit in Oberösterreich in Haft.

In dem Fall geht es um die Tötung von mindestens zehn Häftlingen in den Jahren 2005 und 2006. Drei Häftlinge seien auf der Flucht erschossen, sieben weitere "außergerichtlich hingerichtet" worden. Hintergrund sollen Medienberichten zufolge einträgliche Drogengeschäfte gewesen sein. Mit Sperisen und dem früheren Vizechef der guatemaltekischen Kriminalpolizei, Figueroa, sind auch Ex-Innenminister Carlos Vielmann und Ex-Gefängnisdirektor Alejandro Giammattei in Guatemala angeklagt worden.

Sperisen und Figueroa hatten sich im Jahr 2007 nach Europa abgesetzt, beide werden nicht ausgeliefert. Sperisen ist durch seine Schweizer Staatsbürgerschaft vor einer Auslieferung geschützt, während das Oberlandesgericht Linz im Fall Figueroas eine Auslieferung wegen der Menschenrechtslage in Guatemala ablehnte. Der Ex-Polizeichef könne dort kein faires Verfahren erwarten, weswegen er in Österreich angeklagt werde. Wegen des umfangreichen Akts, der noch übersetzt und gesichtet werden muss, ist unklar, wann gegen Figueroa Anklage erhoben wird.

Die Genfer Staatsanwaltschaft teilte nach der Durchsicht der guatemaltekischen Unterlagen mit, dass es "wichtige Verdachtsmomente" gegen Sperisen gebe. Der 42-Jährige streitet die Vorwürfe ab. Staatsanwalt Yves Bertossa will ihn noch am Freitagabend erstmals vernehmen. Sperisen hatte sich als Opfer einer Diffamierungskampagne im Zusammenhang mit seiner Aktion gegen Drogenhändler bezeichnet. (APA, 31.8.2012)

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4 Postings
kein wunder das sich diese Herren in Europa

abgesetzt haben.

Doch wenn es so sein sollte, dass Sperisen sich tatsächlich

wegen seiner Aktionen gegen die Drogenbosse unbeliebt gemacht hat? Die 10 Morde könnten also auch von denen ausgeführt worden sein.

Doch was wissen wir?

Die Unschuldsvermutung gibt es nicht, um den Täter zu schützen - sie dient dem Recht und der Gerechtigkeit und beugt der Lynchjustiz vor.

Der Auslieferungsantrag von Sperisen (und seinem Kollegen in Österreich) beruht auf Berichten der CICIG, das ist die UN-unterstützte Kommission gegen Straflosigkeit. Einer der wenigen Lichtblicke, um Korrution und Gewalt in Justizsystem in Guatemala wenigst ein bisschen zu reduzieren.
http://www.bbc.co.uk/news/worl... a-19445049

außergerichtliche Hinrichtungen

Sowas wie "außergerichtliche Hinrichtungen" gibts nicht... muß es wohl Mord sein... oder?

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