Landeshauptleute konnten Polizeidirektoren durchsetzen

31. August 2012, 19:08
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Nicht alle Personalentscheidungen für neue Landespolizeidirektoren gingen reibungslos über die Bühne

Wien - Mit dem jüngsten Schritt der Polizeireform verdoppelt sich die Anzahl von Frauen in der höchsten Führungsebene von eins auf zwei. Die neue Kärntner Landespolizeidiektorin Michaela Kohlweiß ist überhaupt die erste Frau ganz oben in einer polizei lichen Landeshierarchie. Kollegin Michaela Kardeis bleibt Präsidentenstellvertreterin in Wien.

Wie berichtet, werden mit der Polizeireform bisher 31 Behörden auf neun - eine Landespolizei direktion pro Bundesland - reduziert. Die Chefin und Chefs erhalten jeweils zwei Stellvertreter, einen für Strategie, einen für Budget- und Rechtsangelegenheiten. Das Innenministerium inszenierte die Vergabe der 27 Dekrete am Freitag in den Redoutensälen der Wiener Hofburg, moderiert von ORF-Journalist Peter Resetarits.

Der Einzige

Als einziger Landeshauptmann nahm Markus Wallner aus Vorarlberg an der Festveranstaltung teil. Was verwunderte - und auch nicht. Denn etliche Personalentscheidungen tragen die klare Handschrift der jeweiligen Landeshauptleute, ohne deren Sanktus kein Landespolizeidirektor bestellt werden kann. Aber nur Markus Wallner musste nicht mit Bund (Ministerium), Parteien und Personalvertretern verhandeln, weil sich in Vorarlberg lediglich der bisherige Sicherheitsdirektor (auch diese Funktion wird abgeschafft) Hans-Peter Ludescher an der Jobausschreibung beteiligt hatte.

Die Überraschung

Die größte Überraschung gab es im Burgenland, wo nicht der bisherige Polizeichef Erhard Aminger das Rennen machte, sondern Hans Peter Doskozil direkt aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Niessl (SP) auf den Polizeidirektorsposten wechselte. Einer seiner Stellvertreter, Christian Stella, wird künftig im Kabinett von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (VP) abgehen.

Das ehemalige Palais Dietrichstein-Modena in der Wiener Herrengasse ist überhaupt ein fruchtbarer Boden für spätere Landeskarrieren. Auch der Neue in Tirol, Helmut Tomac, hat im Kabinett eines früheren Innenministers gedient - erraten, es war Günther Platter (VP), der heutige Landesvater von Tirol.

Der Umstrittene

Am meisten umstritten war die Bestellung von Andreas Pilsl zum Landespolizeidirektor (LPD) von Oberösterreich. Nicht nur weil im Land ob der Enns viele Jahre Sicherheitsdirektor Alois Lißl eine One-Man-Show ablieferte und deswegen als Favorit ins Rennen gegangen war (und jetzt Vize-LPD wird), sondern auch deswegen, weil Pilsl der einzige Nichtjurist unter den neuen Chefs ist. Die FPÖ hat deswegen eine parlamentarische Anfrage angekündigt.

Das Innenministerium wertete hingegen gerade den Nichtjuristen als Pluspunkt, weil das den Traum "Vom Streifenpolizisten zum General" symbolisiert. Pilsl kann immerhin zwei FH-Abschlüsse (Polizeiliche Führung, Strategisches Sicherheitsmanagement) vorweisen und erfüllt damit die in der Ausschreibung verlangte akademische Ausbildung. Er hat ebenfalls Kabinettserfahrung - unter Ernst Strasser (VP) - gesammelt. Eher unangenehm dürfte ihm in Erinnerung sein, dass sein Name damals in der sogenannten Mail-Affäre vom Ex-Bundeskriminalamtsdirektor Herwig Haidinger genannt worden war.

In der Steiermark, in Salzburg, Niederösterreich und Wien wechseln die Gesichter der Chefs nicht: Josef Klamminger, Josef Ruf, Franz Prucher und Gerhard Pürstl bleiben ganz oben. Wobei Wien, wo es wegen der entsprechenden Behördenstruktur gar keine Neuausschreibung gab, wieder ein bisschen anders ist: Pürstls künftiger Titel ist Landespolizeipräsident, bisher war er Polizeipräsident, alle anderen sind Landespolizeidirektoren.

In Kärnten gab es übrigens bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) soll schließlich die Frauenpower durchgesetzt haben. (Michael Simoner, DER STANDARD, 1.9.2012)

  • Am Freitag wurden Landespolizeidirektoren offiziell bestätigt.

    Am Freitag wurden Landespolizeidirektoren offiziell bestätigt.

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    Die neuen Landespolizeidirektoren nach Bundesländern.

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