War einmal ein Revoluzzer

  • Michael Fleischhacker.
    foto: apa/georg hochmuth

    Michael Fleischhacker.

Zumindest eine Person machte sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft von Ex- "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker

Zumindest eine Person machte sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft von Ex- "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker, nachdem dieser im "Falter" mit Armin Thurnher "über die Presse und die Welt" dischkuriert hatte. Wieder war es, eine Woche später, im "Falter", wo Tex Rubinowitz die Frage aufwarf, die die Menschheit im Allgemeinen und den Zeichner im Besonderen nach der wechselseitigen Anstrudelung quälte: "Michael Fleischhacker - was jetzt? Zur "Spatzenpost"? Noch ein Falter-Cover? Spatzenpost-Cover?"

Einen darüber leicht hinausgehenden Karrierevorschlag bot Peter Michael Lingens im "Profil" unter dem Titel "Der Abschied des Revolutionärs" mit der Anmutung: "Wäre ich an Oscar Bronners Stelle", ich engagierte Fleischhacker, um auch spannende Leitartikel zu haben". Wobei Lingens entfallen sein dürfte, dass der "Revolutionär" auch vom Standard schon einmal seinen Abschied genommen hat, unter Hinterlassung durchaus "spannender Leitartikel", aber möglicherweise schon damals getrieben von der Vision, "Die Presse" auf jenen Stand zu bringen, die den revolutionären Ansprüchen eines "Profil"-Kolumnisten gerecht wird.

Um gleich zu beruhigen: Diese sind äußerst bescheiden und entsprechen vielleicht dem "Profil", aber bei Weitem nicht dem Anforderungsprofil, das Menschen mit den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts an einem Berufsrevolutionär - Fleischhacker trieb es schließlich professionell - als angemessen betrachten würden. Als ein Che Guevara der Styria wird er nach Lingens' Kriterien wohl nicht durchgehen, fiel dem als revolutionärste Leistung Fleischhackers lediglich auf: "Er hat Historisches geschaffen: Erst unter Fleischhackers Ägide wurde die " Presse" von einer recht guten zu einer auch wirklich unabhängigen Zeitung. Seit Jahren können dort nicht nur brillante Kommentare zum allgemeinen politischen Geschehen, sondern - vor allem aus der Feder Rainer Nowaks - auch zum Niedergang der ÖVP erscheinen." Daran gemessen wäre der Chefredakteur von "News" ein wiedergeborener Lenin - immerhin ließ er vor einem Monat die ÖVP auf dem Cover für so tot erklären wie dieser die Bourgeoisie.

Es soll ja Leute geben, die "Die Presse" schon zu Otto Schulmeisters Zeiten für eine "wirklich unabhängige Zeitung" gehalten haben. Vielleicht war der, auf seine Art, ja auch ein "Revolutionär". Lingens aber kennt nur Fleischhacker. "Ich weiß keinen anderen Chefredakteur, der im vergangenen Jahrzehnt mehr revolutioniert hätte: Aus einer Zeitung, die man eigentlich nur ab fünfzig und als Mitglied der ÖVP und der FPÖ zustimmend lesen konnte, hat Fleischhacker eine gemacht, die ich und meine Kinder, die wir allesamt Wechselwähler sind, am liebsten lesen."

Wie oft wurde schon um die Bewertung von Revolutionen gerungen - warum soll einmal nicht auch die Familie Lingens als Gradmesser für Revolutionäres herhalten, wo einer "Historisches geschaffen" hat? Wenn nur die Kinder nicht verdorben werden! Schließlich ist "Die Presse" unter der Faust des "Revolutionärs von einer bloß wirtschaftsliberalen zu einer auch gesellschaftlich liberalen Zeitung geworden, die etwa die Homo-Ehe längst nicht mehr als Beitrag zum Untergang des Abendlandes wertet."

Es ist nicht Fleischhackers Schuld, dass diese Revolution in der "Presse" erst stattfinden konnte, als sie in anderen Blättern als Selbstverständlichkeit kaum noch wahrgenommen wurde. Was er mit der Adelung durch Lingens anfangen wird, bleibt ungewiss, meinte er doch zu Armin Thurnher im "Falter"-Gespräch: "Wir haben manchmal unseren Versuch überzogen, eine liberale Zeitung neu zu interpretieren". Zum Glück ist das nicht weiter aufgefallen, und was die "fast verächtliche Haltung der Politik gegenüber" betrifft, die dem "Revolutionär" wohl anstehen mag, Thurnher aber als bereuenswürdig erschien: nur kleinbürgerlicher Rückzug! "Ich halte es für einen problematischen Aspekt auch meiner Arbeit der letzten Jahre, dass dieser verächtliche Ton in Kommentierung und Berichterstattung hineingekommen ist. Dafür fühle ich mich mitverantwortlich. Aber das bringt nichts mehr."

Ist er auch nicht der erste "Revolutionär", der sich mit Phrasen aus der Geschichte verdrückt, war 's wieder nicht so schlimm, um gleich bei Thurnher zu beichten. Was wohl aus ihm wird? Ein Trotzki der "Spatzenpost" wohl kaum. Der wollte die permanente Revolution. Er aber verließ die Barrikade vorzeitig. Und zurück bleibt die Familie Lingens. (Günter Traxler, DER STANDARD, 1./2.9.2012)

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Die Gegner vom Fleischhacker arbeiten ja auch mit allen Mitteln ---
911b :(wird veröffentlicht) :
http://derstandard.at/plink/134... id27771520

zu sagen, dass jemand kein faulig müffelnder ist, ist natürlich kein lob,

die selbsternannten bürgerlichen tun sich ja oft ganz schwer mit der abgrenzung zu den bräunlichen,

fleischacker allerdings nicht, und das ist ja, gerade in österreich, schon mal was

"die selbsternannten bürgerlichen tun sich ja oft ganz schwer mit der abgrenzung zu den bräunlichen,"

Die Farbzuordnungen
bedienen dann halt doch oft nur
sehr banale ,auf unmittelbaren Vorteil bedachte ,
Interessen .

Traxler Sie langweilen uns, si tacuisses.....

Hmm, ein Ex-Parteizeitungsschreiberling ...

... der die letzten Jahrzehnte jeder Biegung der SPÖ nachgehechelt wäre, wenn es das Blatt noch gäbe, macht sich über Kollegen lustig. Die werden sich aber kränken ...

Lingens ist einfach nur mehr schwach....
Wie er sich wohl fühlen muß, wenn er einen seiner Nachfolger als schleimigen, schmierigen koksenden Dandy erlebt?

Fleischhacker war mit Sicherheit niemals: Ein Revoluzzer.
Weil: da hätten sie ihm bei presse, styria oder in der diözese so schnell den hahn abgedreht, daß er nicht mal PUPS hätte sagen können.
Einmal mehr ein Beweis für Weltfemdheit dieses Herren und auch ein Beweis für seine Selbstüberschätzung.

P.S. Aus der Branche, weiss (fast) alles. Schweige aus Todesgefahr.

er selbst?

Die Kuh blutet aus der Nase

Fleischhacker war ein vom Geldbürgertum ausgehaltener Schreibfritze, dem dieses sogar durchgehen liess, dass er Politiker mit Hundedreck verglich. Was sagt uns das über den geistigen Zustand der heimischen Bourgeoise und die Flachheit des Falters?

Ich werde die Presse erst dann lesen...

... wenn die Familie Pelinka - sicher ebenso alles Wechselwähler - diese Tageszeitung empfiehlt.

Peter Michael Lingens,...

....ist Opfer seine Vergangenheit und seine Herkunft. Im ständigen Buhlen um Anerkennung in der Gesellschaft und im Schatten der starken Persönlichkeit seiner großartigen Mutter Ella Lingens, schlagen seine Artikel oft kuriose Kapriolen, worauf er sich danach sehr oft auf dem Boden der Realität wiederfindet, um darauf mysteriöse Verursacher seiner Misere zu suchen. Sein Meinung über den abservierten Michael Fleischhaker ist ähnliches Machwerk. Obwohl er diesen eigentlich gar nicht schätzt, fühlt er sich um dessen Rehabilitation berufen. Es wäre gut, wenn Lingens sich seiner Opfer in den Profil-Zeiten besinnt, die nur aufgrund seiner Egomanie über die Klinge springen mußten.

Spitze Federn

Ganz unabhängig vom Inhalt:

Wenn man versucht, eine ganz besonders spitze Feder zu führen, dann kratzt diese meist fürchterlich über´s Papier.

Bei diesem Kommentar ist es ganz ähnlich. Beim Versuch, geistreich zu sein, kamen geistlose Schachtelsätzen und Beistrichreichtum heraus.

fleischhacker ist zwar ein övp-naher konservativer mit teils unsäglichen positionen, aber dennoch kein vergleich mit dem fast schon rechtsradikalen unterberger, der völlig jenseitig ist.

der unterberger ist einfach psychisch gestört

das muss man berücksichtigen

niemand ist unersetzlich. aber wäre es nicht interessanter die hintergründe der nacht der langen messer bei der presse zu beleuchten?

es ist immer leichter andere verächtlich oder lächerlich zu machen

als zu versuchen objektiv, mit tiefgang, ernst und witz eine situation oder einen charakter zu beleuchten. und sich zu ersterem hinreissen zu lassen lässt den Traxler eher im Schatten eines m. jeannee erscheinen. peinlich. traurig. die konkurrenz zwischen den Zeitungen/autoren erreicht das niveau der Politik. daran erkennt man viell. auch die rolle die die medien in der mitgestaltung und am niedergang der politischen landschaft haben. was fuer eine infantile gesellschaft. die grenzen verschwimmen - standard, presse, krone, heute - umso schneller sind wir welt von gestern.

also ich mach mir mehr sorgen um "die presse" als um den fleischhacker!

Also ich mach mir um beide keine Sorgen

angesagte revolutionen finden meistens nicht statt. und wegen dem m. fleischhacker braucht sich niemand sorgen machen der findet schon was, oder jemand findet ihn. z.b. frankieboy...;))

Bitte klärt mich auf, ich habs nach eingehender Recherche auch nicht durchschaut:
Die Presse ist doch eher nicht so links wie der Standard und machte mir zeitweise den Eindruck der ÖVP nahezustehen.
Was ist in der Zwischenzeit passiert?
Was war mit dem Fleischhacker?
Was hat er falsches/richtiges gesagt und über wen?
So und unguter Kampl schaut er ja gar nicht aus.
Danke für Eure Infos.

Es gibt keine unabhängigen Massenmedien.

die presse ist ja kein massenmedium

der

arme hr. fleischhacker

Herrlich und superb wie stets!

Jetzt freilich ein bissl Sorge: Was wird M.F. künftig wirklich machen? - Revoluzzer sind ebenso wie Lampenputzer bekanntlich das schon länger Nicht-Seiende. Und dass der PeMiLi immer noch west, verblüfft zwar, aber wenigstens muss man sich keine Sorgen um seine Verweserei machen.
Dieweil: Alles Glück für R. N. als neuer CR "Die Presse", denn der ist ein guter Mann, und dass deren Eigentümer das ebenso begreifen werden. Hoch an der Zeit war dieser Wechsel jedenfalls - und mein Glückwunsch gilt auch der Redaktion, die jedenfalls mehr hat als so manches andere Printmedium: Ein Statut, das ihre Zustimmung zu diesem Wechsel erforderlich machte. Das fehlt u.a. etwa der "Wiener Zeitung" bis heute, weshalb dort ein Herr Göweil wesen darf.

Das ihnen die Schleimerei nicht selbst peinlich ist wundert mich jedes mal.

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