"Ein Gott braucht keine Ironie"

Interview | Bert Rebhandl
31. August 2012, 17:29
  • "Die ganze Energiewende ist ein wahnsinnig komisches Thema": Harald Schmidt ist vor dem Neustart am 4. September auf Sky Atlantic HD voller Tatendrang.
    foto: sky

    "Die ganze Energiewende ist ein wahnsinnig komisches Thema": Harald Schmidt ist vor dem Neustart am 4. September auf Sky Atlantic HD voller Tatendrang.

Late-Night-Talker Harald Schmidt über die Sinnlosigkeit der Quote, seine Liebe zu rumänischem Nihilismus und schönen Frauen

STANDARD: Herr Schmidt, erklären Sie bitte einem technisch durchschnittlich kompetenten Konsumenten, was er alles benötigt, um Ihre neue Show auf Sky sehen zu können.

Schmidt: Sie brauchen einen Receiver, dann rufen Sie eine Servicenummer an, und innerhalb einer halben Stunde läuft das Programm.

STANDARD: Fehlt noch eine Kleinigkeit. Was ist denn unabdingbar, damit der Receiver funktioniert?

Schmidt: Für mich die Fernbedienung. Oder meinen Sie diese Karte? Wie heißt die noch einmal? Ich glaube Smartcard.

STANDARD: Das müsste Ihnen eigentlich gefallen: Kein Schmidt ohne Smartcard. Hintergrund der Frage ist aber natürlich das, worüber die Medienwelt gerade spricht: Sind Sie mit Ihrer Late Night Show auf Sky nun endgültig im Abseits gelandet, oder in der Avantgarde des Fernsehens?

Schmidt: Natürlich in der Avantgarde.

STANDARD: Darauf haben Sie doch seit Jahren hingearbeitet.

Schmidt: Ich glaube, dass ich nicht wusste, dass ich eine Strategie habe, das ich unbewusst aber seit Jahren eine praktiziere, und das ist das Ergebnis.

STANDARD: Ist das eigentlich noch Fernsehen? Sie laufen auch auf Sky Go und Sky Anytime.

Schmidt: Nein, denn das habe ich gelernt: (förmlich) Wir bei Sky sind kein Sender, sondern eine Entertainmentplattform. Hier wird nicht ausgestrahlt, hier werden Inhalte zur Verfügung gestellt.

STANDARD: Im Vergleich zu internationalen Pay-TV-Angeboten fällt das deutschsprachige Sky dadurch auf, dass nahezu das gesamte Programm eingekauft wird. Bilden Sie das „missing link" zu künftigen Eigenproduktionen?

Schmidt: Das wäre schon zu viel der Ehre, aber es war bei den Gesprächen mit Sky für mich ganz klar rauszuhören, dass die Zukunft den Eigenproduktionen gehören soll.

STANDARD: Sie laufen nun auf Sky Atlantic HD inmitten bekannter amerikanischer Serien? Kennen Sie sich da aus? Ist Ihnen Don Draper ein Begriff?

Schmidt: Nein, der nicht. Tony Soprano, das ist ja klar. Ich mag Boardwalk Empire: ein Schauspieler wie Steve Buscemi in einer Produktion von Martin Scorsese. Oder auch die neu angelaufene Serie Newsroom. Das sind Sachen, die ich mir privat anschauen würde. Dass wir in dieses Umfeld sehr viel besser passen als woandershin, ist eindeutig.

STANDARD: Einen vorübergehenden Verlust an Außenwirkung nehmen Sie in Kauf?

Schmidt: Wie denn anders? Das ist so, als würden Sie jemand wie Cioran, der in der Dachkammer geschrieben hat, fragen, ob er nicht einen Bestseller schreiben möchte.

STANDARD: Sie nehmen einen rumänischen Nihilisten im Pariser Exil als Vorbild für Ihre "splendid public isolation"?

Schmidt: Das gefällt mir wahnsinnig gut. Und ganz wichtig: Cioran war ja keineswegs, wie von Leuten geglaubt wird, ein großer Finsterling. Das waren sie alle nicht, das war auch Beckett und Ernst Jünger nicht. Je düsterer das Werk, desto heiterer der Alltag.

STANDARD: In Ihrer ersten Show am 4. September wird die Pianistin Hélène Grimaud zu Gast sein.

Schmidt: Nichts liebt der rumänische Nihilist mehr als schöne Frauen. Und wenn das noch Weltklassemusikerinnen sind, dann sind wir mitten in Paris.

STANDARD: Sie sind nun schon eine Weile dabei. Was hat sich denn so verändert im Lauf der Jahre?

Schmidt: Es ist sehr viel kleinteiliger geworden, alles ist sehr viel weniger leicht einzuordnen. Das Tempo hat sich wahnsinnig erhöht durch das Internet. Vermutlich wird meine Generation an Moderatoren die letzte sein, die es noch schafft, ein Markenzeichen zu werden. Einen Helmut Kohl unter den Moderatoren wird es nicht mehr geben.

STANDARD: Sie wären der Helmut Kohl Ihres Metiers?

Schmidt: Vermutlich wird das Stefan Raab sein.

STANDARD: Sie behaupten immer wieder, Quoten wären Ihnen egal. Wann war denn das letzte Mal, dass das gelogen war?

Schmidt: Ich kann mich nicht erinnen. Bei Verstehen Sie Spaß, da war das noch wichtig, aber da war bei der dritten Ausgabe klar: Es geht rapide abwärts. Bei Schmidteinander hatten wir niemals Quote. Bei Sat1 hieß es: Wir halten das durch, das ist ein Imagefaktor. Dann wurde es plötzlich Kult. Bei der ARD hatten wir die 1,3 Millionen, die auf diesem Sendeplatz drin sind. Wenn ich mich nach der großen Quote strecken würde, etwas Sinnloseres kann man sich gar nicht vorstellen.

STANDARD: Gab es bei der Rückkehr zur ARD so etwas wie einen kulturellen Anspruch Ihrerseits? Einen Versuch, das umkämpfte öffentlich-rechtliche Fernsehen zu stärken?

Schmidt: Nein. Ich hatte damals einen Grundfehler: Ich dachte, die Zuschauer, die Tagesthemen schauen, wollen diese Themen danach auch noch in der Late Night. Aber nach den Tagesthemen laufen drei Trailer in der Größenordnung Armenisches Frauenhaus spielt rückwärts Theater, danach kam noch das Wetter, und dann war auch der letzte Zuschauer eingeschlafen. Dann kamen wir. Ich habe mich nie beklagt.

STANDARD: Neulich haben Sie einem breiten Publikum in Stuttgart den Don Giovanni erklärt. Ist das Hochkultur oder Allgemeinbildung?

Schmidt: Es gibt noch wahnsinnig viele Leute, die in klassische Konzerte gehen. Ob das Hochkultur ist, weiß ich nicht.

STANDARD: Der Don Giovanni schließt an Ihre bildungsbürgerlichen Show-Einlagen an. Was war für die das Motiv?

Schmidt: Erstmal ging es darum, für mich selber die Inhalte klar zu machen. Worum geht es eigentlich im Hamlet? Und dann ging es darum, ein Publikum, das ansonsten „scripted reality" sieht, damit zu quälen, sich Begriffe wie Dramaturgie oder Overtüre anzueignen.

STANDARD: Wie gehen Sie denn nun an die Sendung heran? Ironie hat ja heute einen schweren Stand, sie ist, wenn man so will, ihren eigenen Erfolgen zum Opfer gefallen.

Schmidt: Ich halte es inzwischen mit Ernst Jünger: Ein Gott braucht keine Ironie.

STANDARD: Sie selbst also auch nicht mehr? Den Gott beziehen Sie auf sich selbst?

Schmidt: Auf wen sonst? Ironie ist mittlerweile ein absolutes Schimpfwort. Heute zählen Wahrhaftigkeit, Lässigkeit, Entschleunigung. Meine Haltung hat sich nicht geändert. Wir warten jetzt einfach die nächsten 500 Jahre ab, bis der Ironiebedarf wieder steigt.

STANDARD: In diesen 500 Jahren lassen Sie die Dummheit mit sich selbst allein. Was ist denn dann noch komisch?

Schmidt: Den Begriff Dummheit benütze ich gar nicht, denn obwohl ich sehr arrogant bin, möchte ich doch nicht überheblich sein. Ich mache mir einfach so meine Gedanken. Die ganze Energiewende ist ein wahnsinnig komisches Thema, das wird mir aber in der breiten Meinung als Zynismus ausgelegt. Meine Lieblingsgruppen sind Naturfreunde aus dem Schwarzwald, die sich vor laufender Kamera anschreien, wer über die Wasserstände sprechen darf. Und so hangele ich mich durch das Jahr.

STANDARD: Was macht der Nihilist nach dem Interview? Nichts?

Schmidt: Nach dem Interview geht der Nihilist ins Bistro, trinkt einen Kaffee und schreibt ein bisschen was für die Schublade. (Bert Rebhandl, DER STANDARD, 1./2.9.2012/Langfassung)

Harald Schmidt (55) gelangte zu Ruhm und Ehre als Late-Night-Talker. Sat.1 servierte ihn zuletzt wegen Quotenschwäche ungnädig ab. Die neuen Shows laufen ab 4. September von Dienstag bis Donnerstag um 22.15 Uhr auf Sky Hits HD, um 23 Uhr auf Sky Atlantic HD.

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ziemlich mies seine gestrigen quoten

http://www.digitalfernsehen.de/TV-Quoten... 544.0.html

Dafür dass die Sendung auf dem überall empfangbaren Sky Hits lief und zudem für alle Abonnenten freigeschaltet ist, dürften die Quoten für Sky und Schmidt entäuschend sein. Zudem sollte Sky sich mal genau anschauen, dass 50% der handverlesenen Zuschauer nach dem fetten Werbeblock auch noch abgehauen sind.

Lediglich 20 000 Sky-Abonnenten erwiesen der "Harald Schmidt Show" zum Einstand ihre Aufwartung, was Sky Hits eine Sehbeteiligung von gerade einmal 0,1 Prozent einbrachte
den zweiten Teil verfolgten nur noch 10 000 Zuschauer. Sky gab derweil eine Netto-Reichweite von 60 000 Schmidt-Fans aus, die mindestens eine Minute dabei waren.

narzistischer gockel, braucht kein mensch!

Wie das meiste im TV vollkommen uninteressant und reine Zeitverschwendung.

ich fand schmidt in seinen ard-jahren zwar nicht grottenschlecht, aber meistens seltsam gehemmt. es wirkte, als hätte er sich nach seiner pause zu viel druck auferlegt - in seiner großartigen phase auf sat1 (ca. 1999-2003) war er aber immer dann gut, wenn er mit dünnem material und anbetungswürdiger wurschtigkeit prächtige sendungen aus dem schieren nichts entstehen ließ. nach seiner rückkehr war schmidt rätselhaft überhastet, schien den rhythmus nicht mehr zu finden und machte den fehler, auf co-komiker zu setzen, statt im kontrast zu einem sympathischen durchschnittstypen wie andrack umso heller zu strahlen. im letzten sat1-jahr gab es wieder mehr gute momente - ich drücke den sky-kunden die daumen, dass sich dieser trend fortsetzt!

Ein Gott braucht keine Ironie

und was hätte ein gott mit schmidt zu tun?

harald schmidt mit manuel andrack

das war ein spass. auf ard dann und wann gesehen. sky ist via upc viel zu teuer. inkl gis knapp 1200 euro im jahr

ich zahle für sky

32 im monat & und die gis spare ich mir... dafür alles in originalversion... lohnt sich für mich

harald schmidt kann leuten wie leno, lettermann und co. nicht mal ein leeres glas wasser reichen.
sensationell wie man ohne jegliches talent im dt. sprachraum damit hausieren gehen kann und sogar geld damit verdient und show um show bekommt.
die herrschaften sollen sich mal eine jimmy fallon show anschauen, damit sie wissen was man als konsument verlangen könnte....

grün für "ein leeres glas wasser"...

und was macht ein leno (der inbegriff der unwitzigkeit) genau besser? klar, interessantere gäste hat er, aber sonst?
die, mit denen sich schmidt (auch vom stil her) messen lassen muss, sind ferguson, o'brien und konsorten, und da schneidet er mäßig ab.

leno ? :DDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDD

Sky = Premiere

Ich kann mich noch sehr sehr gut an die Kündigung meines Premiere-Abos erinnern. Die Herrschaften haben mich so unendlich schikaniert, dass ich lieber auf "Dirty Harry" verzichten werde als jemals wieder auf die Abotrickser reinzufallen!

Infiefwern hat Sky Sie schikaniert, wenn ich fragen darf?

da ich

unfreiwillig den haberer finanzieren muss überlege ich, mein abo zu kündigen

von allen piefkes ist er der absolut unsympathischte.

das ist zwar eine leistung, aber keine, die ich mit meinem geld belohnen will.

Mir geht es umgekehrt

Ich muss jede Menge scheiß "Äktschn-Knaller" bezahlen, deren Inhalt sich auf eine Menge Explosionen und einen Haufen Leichen beschränkt, um einen Kleinod zu erhalten :-/

Aber: MUSS, weil lohnt :-)

Ich hätt ihn auch gern noch weiter gesehen, aber da es bei sky kein pay per view angebot im internet gibt, ist mir die anschaffung von upc+sky wegen einer sendung einfach zu teuer

sich als gläubiger katholik an cioran ergötzen: das ist arroganz.

geniale antworten von h. schmidt - besonders diese:

Cioran war ja keineswegs, wie von Leuten geglaubt wird, ein großer Finsterling. Das waren sie alle nicht, das war auch Beckett und Ernst Jünger nicht. Je düsterer das Werk, desto heiterer der Alltag.

sehr treffend.

außerdem finde ich absolut nicht, dass cioran ein nihilist war, auch wenn man ihm das gerne unterstellt.
da frage ich mich, ob der interviewer je cioran gelesen hat.

weder cioran noch beckett, die übrigens miteinander befreundet waren, waren heiter. cioran war humorvoll, litt aber an depressionen. als seine frau ihn eines tages aufforderte, endlich etwas gegen seine depressionen zu tun, entgegnete er ihr, so die mär: "nicht doch, meine liebe, wir leben davon".

so viel zu ihrer bemerkung - zitat aus: "die zeit" juni - 2010

Wer ihn besser kannte, berichtete allerdings von ausgesprochen guter Laune, Humor und sanfter Heiterkeit, die ihn ausmachten.

das mag schon sein. sein spätwerk ist deutlich gelassener als sein frühes. und wer lacht beim lesen mancher seiner überspitzungen nicht? sie mögen darin heiterkeit erkennen, aus guten gründen. tatsache bleibt aber, dass er lange zeit seines lebens depressiv war. was nicht dagegen spricht, in seinen werken humor zu finden.

...was auch nicht heißen muss, dass er in seinen

schwermütigen phasen (was noch lange keine klinische depression gewesen sein muss) auch phasen von leichtigkeit hatte, diese unterschiedlichen phasen kennen wohl die meisten tiefgründigen denker/dichter/ja menschen halt.
wie sollte er also keine dunklen phasen kennen ?

woher wollen sie es wissen ? auslegungssache - so wie wir das jetzt beide unterschiedlich auslegen, mögen es auch jene getan haben, die von ihm berichteten.

ich würde meinen, dass diese äußerung ein ausdruck von

heiterkeit ist.

haben sie denn die leute gekannt, oder übernehmen sie, was andere über sie sagten/diese interpretierten ?

ich z.b. halte leute, die in geselliger runde sitzen und viel lachen (in oft wein- oder jointgeschwängerter atmosphäre) nicht per se für heiter ...meistens langweilt mich das eher.

wohingegen menschen mit einem trockenen humor -wie cioran - mich sehr amüsieren.

ist wohl immer eine frage, was man unter "heiterkeit" versteht.

h. schmidt sieht das vielleicht ähnlich ;-)

schade, dass er so katholisch ist. sonst wär er wirklich gut.

Gott sei Dank

...ist er katholisch. Damit fällt er so PC-Spassbremsen wie Dir wenigstens auf den Wecker.

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