Turmbau zu Keutschach mit "grauslicher Optik"

  • Der Holzturm soll 80 Meter hoch werden.
    foto: klaura & kaden

    Der Holzturm soll 80 Meter hoch werden.

Rot-grüne Gemeinderäte bringen Aufsichtsbeschwerde gegen Neubau am Pyramidenkogel ein

Klagenfurt - Im Oktober soll die alte Aussichtsplattform auf dem Pyramidenkogel gesprengt werden und dem größten Holzturm der Welt weichen. Der Widerstand der Bevölkerung in der mehrheitlich blau-schwarz regierten Gemeinde Keutschach war - der Standard berichtete - massiv.

Jetzt gibt es einen neuerlichen Anlauf von Rot und Grün, das "größenwahnsinnige Projekt" doch noch zu Fall zu bringen. Denn bei der Gemeinde-Beschlussfassung vom 27. 7. 2012 wurde eine Folgekostenanalyse dem Gemeinderat von FPK-Bürgermeister Gerhard Oleschko vorenthalten. Auf diesen positiven Gemeinderatsbeschluss hin hat dann auch die Kärntner Gemeindeaufsicht grünes Licht gegeben.

Transparenz bemängelt

Es dränge sich der Schluss auf, dass das Wissen um die Folgekosten zu einem anderen Abstimmungsverhalten geführt hätte, sagt der grüne Gemeinderat Albrecht Grießhammer: "Die Optik ist grauslich", Transparenz habe es bei diesem Projekt nie gegeben. Eine ernsthafte Diskussion über die Sanierung des Aussichtsturms sei ebenfalls nie passiert.

Vielmehr gebe es seltsame Verstrickungen unter den Neubau-Befürwortern. So habe etwa die Holzbauinnung der Kärntner Wirtschaftskammer ein Gutachten in Auftrag gegeben, wonach eine Sanierung mit 8,398.000 Euro sogar teurer als der Neubau wäre. Der Innungsmeister sei "zufällig" der Bruder eines ausführenden Architekten. Der abgespeckte Holzturm soll jetzt acht statt zehn Mio. Euro kosten, finanziert von Land, Zukunftsfonds und Wörthersee-Gemeinden.

Umwidmung für Rumpold

Heftige Vorwürfe gibt es auch gegenüber Ex-ÖVP-Landesrat Achill Rumpold, der im Zuge des Hypo-Birnbacher-Millionenhonorar-Prozesses zurücktreten musste. Rumpold habe erklärt, dass es für eine Sanierung kein Geld vom Land geben werde.

Kurze Zeit später habe der Keutschacher Gemeinderat eine Umwidmung seines Waldgrundstücks in Bauland bewilligt. Rumpold weist jeden Zusammenhang strikt zurück und will klagen. Der Neubaubeschluss sei unter dem SP-Gemeindereferenten Reinhart Rohr gefasst worden.

Drei Zutaten

Für den grünen Landtagsabgeordneten Rolf Holub spiegelt sich in Keutschach das Kärntner System wider: "Erste Zutat, ein blauer Bürgermeister, zweite Zutat, wenn wir etwas bauen, das wir uns nicht leisten können, bauen wir das größte Projekt, das es gibt, und drittens heißt es, erst bauen, dann schauen."

Auf der Strecke bleibe die Gemeinde, warnt SP-Gemeinderätin Maria Struger. Bisher sei man am Pyramidenkogel mit 100 Prozent beteiligt gewesen, beim Neubau nur mehr mit 49 Prozent. Die Pflichten und Kosten blieben aber zur Gänze bei der Gemeinde - vor allem im Fall einer Pleite. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 31.8.2012)

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