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vergrößern 800x455Die unerschrockene Maria Hofstätter tut Buße: Szene aus Ulrich Seidls neuestem Werk.
Beim Filmfestival in Venedig wurde Seidls "Paradies: Glaube" zur Uraufführung gebracht.
Das Verleihen von Preisen gehört auf Filmfestivals zum Tagesgeschäft. Die Preise tragen nicht selten den Namen ihres Stifters im Titel, um den es dann bei der Würdigung der Verdienste des Geehrten auch ein bisschen geht. Und die Zeremonien wirken nicht selten ein wenig desorganisiert.
So wie jene am Donnerstagnachmittag, als der Premio Persol an Michael Cimino ging. Berührend war der Auftritt des mit dem großartigen Geschichtspanorama "Heaven's Gate" 1980 ebenso großartig gescheiterten US-Regisseurs trotzdem. Seine knappe selbstironische Feststellung, wonach es kein Spaß sei, berühmt-berüchtigt zu sein, hat auch 33 Jahre nach dieser Erfahrung einen wahrhaft bitteren Klang.
Im Wettbewerb, wo die Trophäen natürlich erst zum Festivalfinale ausgehändigt werden, hatte Ulrich Seidls "Paradies: Glaube" Uraufführung. Der Film ist das Mittelstück einer Trilogie, die von der Liebessehnsucht dreier Frauen erzählt.
Der aktuellen Protagonistin, Anna Maria, ist man im ersten Teil bereits kurz begegnet, nun lernt man sie näher kennen: als eine Frau, die sich ganz ihrer Religiosität, ihrer Liebe zu Jesus und zur Gottesmutter Maria verschrieben hat. Schon in den ersten Minuten wird das Level ihrer Hingabe definiert. Vor dem Kreuz an der Wand ihres abgedunkelten Arbeitszimmers schlüpft Anna, verkörpert von Maria Hofstätter, aus Oberteil und BH und unterzieht sich einer Selbstgeißelung. Später wird sie sich beim Beten durch die Zimmer ihres Hauses die Knie wundrutschen, einen Bußgürtel anlegen oder auch mit Heimorgelbegleitung Kirchenlieder üben.
Penibel saubere Räume
Bei diesen Handlungen sieht man sie in den für den Regisseur charakteristischen Tableaus, eingepasst in spartanisch ausgestattete, penibel gereinigte Räume, deren einziger Schmuck Kreuze und andere Devotionalien sind. Das nach außen abgeschottet wirkende Haus ist der Hauptschauplatz des Films. Dort kommt es, nach der überraschenden Rückkehr von Annas querschnittgelähmtem Ehemann aus Ägypten, zu einem alltäglichen Kleinkrieg und zu Szenen, die mit den Körpern und den Räumen (inklusive Treppenlift) immer wieder nahezu wortlose Performances aufführen und variieren und dabei verblüffend absurde Qualität erreichen. Anna, von Beruf Röntgenassistentin, tritt zu Beginn des Films ihren Sommerurlaub an. Ihre Tage verbringt sie in der Folge auch mit kleinen Exkursionen in die Niederungen der Metropole. Mit einer Marienfigur im Gepäck versucht sie, verlorene Seelen zu retten, und begegnet dabei manch bekehrungsresistentem Gegenüber.
Einmal trifft sie nachts in einem Park auf eine Swingergruppe in Aktion und muss ihre Mission für dieses Mal aufgeben. Das funktioniert dann allerdings weniger als Beschreibung einer weiteren Facette der Figur. Vielmehr wirkt es fast wie ein Autorenstatement, ein Querverweis. Nicht nur wegen der Präsenz der unerschrockenen Maria Hofstätter, die in Venedig schon 2001 mit Hundstage vertreten war. Das kleinbürgerliche Milieu und die Auseinandersetzung mit dem Katholizismus haben den Regisseur ebenfalls lange beschäftigt, seinen Dokumentarfilm "Jesus, Du weißt" nennt er selbst als Ausgangspunkt.
Applaus für die Katze
Ein Stück weit scheinen diese Rückgebundenheit und diese Vorgeschichte "Paradies: Glaube" auch jene Energie abzugraben, die am ersten Paradies-Film, "Liebe", zu bemerken war. Der in Italien schon erwartete Skandal um eine verhältnismäßig dezente Masturbationsszene mit Kruzifix hat sich bei den ersten Vorführungen vor Akkreditierten übrigens nicht entzündet. Dafür gab es nicht nur für Katze Rolli Szenenapplaus. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 1./2.9.2012)
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....darf man auch getrost, Maria Hofstätter ein besonderes Lob für ihre darstellerischen Leistungen zollen. Wenngleich auch Tatsache ist, dass in Ulrich Seidls Filmen entweder nur Laien oder aber auf ihren Typ festgelegt und Verwachsene Protagonisten an Ausdruckskraft gewinnen können.
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