Spotify: "Sehen uns als Alternative zur Piraterie"

Interview
  • Gerrit Meier: "60 bis 70 Prozent von unseren Einnahmen gehen an die Musikindustrie"
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    Gerrit Meier: "60 bis 70 Prozent von unseren Einnahmen gehen an die Musikindustrie"

Vertriebschef Gerrit Meier über die Lässigkeit, Musik legal zu erwerben

"Als wir 2008 in Schweden begonnen haben, war praktisch kaum noch ein legaler Markt vorhanden", erzählt Spotify-Vertriebschef Gerrit Meier. Im Interview spricht er über das Geschäftsmodell des Streamingdienstes, das Musikgeschäft und illegale Downloads. Das Gespräch führten Karin Tzschentke und Markus Sulzbacher.

STANDARD: Musik-Online und -Streamingdienste gibt es viele. Wie definieren Sie sich selbst?

Meier: Wir sehen uns als Alternative zu illegalen Downloads. Als wir 2008 in Schweden begonnen haben, war praktisch kaum noch ein legaler Markt vorhanden. Der Angriff der Piraterie ist unser erklärtes Ziel. Mittlerweile sind wir in 15 Ländern aktiv. Wir wollen, dass auch Leute, die noch nie auf legale Weise ein Musikstück erworben haben merken, dass es eigentlich lässiger ist, sofort erhältliche Musik auf legale Weise aus dem Internet zu beziehen.

STANDARD:Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?

Meier: Wir zahlen per Stream aus, das heißt jedes Mal, wenn man ein Lied spielt, wird ausgeschüttet. Wenn man zum Beispiel einen Download startet, kostet dieser etwa einen Euro. Das ist das Maximum, was dieser Künstler dann verdienen kann. Bei uns verdient der Künstler bei jedem Stream mehr und mehr.

STANDARD: Es häufen sich aber die Klagen und Berichte von Künstlern, dass die über Spotify lukrierten Einnahmen selbst Kirchenmäuse zum Weinen bringen.

Meier: Wir schließen nicht mit den Künstlern, sondern den Labels und Verwertungsgesellschaften unsere Verträge. 60 bis 70 Prozent von unseren Einnahmen gehen an die Musikindustrie. Was die an die Künstler weiterreicht, darauf haben wir keinen Einfluss.

STANDARD: Das klassische Musikgeschäft mit seinen CD-Verkäufen leidet bereits unter Downloads, mit Streaming nimmt Online-Musikhören noch direkter. Ein weiterer Sargnagel für CDs?

Meier: Es geht nicht darum, was stirbt oder gewinnt. Sondern, was die Musikfans wollen. Es ist ein Unterschied, ob ich 20 CD im Rucksack mit mir herumtrage, oder ob ich, ohne nur ein einziges Musikstück herunterladen zu müssen, Zugriff auf 18 Millionen Titel wie bei Spotify habe. Doch wie das Radio wird es CDs noch lange, lange Zeit geben.

STANDARD: Denken Sie darüber nach, auch andere digitale Inhalte wie Bücher oder Videos anzubieten? 

Meier: Derzeit sicher nicht. Wir legen unseren Fokus auf das, was wir gut können, und das ist Musik. Unsere Expansionspläne sind momentan eher geographisch ausgerichtet. Wie etwa Portugal und Italien in Europa oder Kanada und Mexiko in Amerika.

STANDARD: Auf der IFA in Berlin hat die Deutsche Telekom eine Partnerschaft mit Spotify bekannt gegeben. Die österreichische Mobilfunk-Tochter T-Mobile kooperiert hingegen mit Ihrem französischen Konkurrenten Deezer.

Meier: Das ist eine lokale Entscheidung. Für uns ist Deutschland als immer noch weltweit drittgrößtes Musikland jedenfalls sehr wichtig. Wir können damit zeigen, dass so ein großer Konzern uns traut. (Karin Tzschentke und Markus Sulzbacher, Langfassung, derStandard.at, 31.08.2012)

Gerrit Meier (41) ist Vertriebschef des schwedischen Musik-Streamingdienstes Spotify. Davor war der in New York lebende Deutsche für das Digitalgeschäft bei Clear Channel Radio in den USA zuständig. 2011 setzte die Plattform rund 188 Millionen Euro um.

Nachlese

Deutsche Telekom startet Kooperation mit Spotify

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Spotify

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K.A. wie das bei Spotify ist, aber Deezer gefällt mir sehr gut, weil sie abseits des Mainstreams wirklich auch gute Sachen haben. Deezer + Sonos = Heaven. :-)

Außer Beatles, Led Zepelin und Frank Zappa kann man so gut wie alles auf Spotify hören. Ich find´s genial. Ach ja, Metallica gibt´s auch nicht, aber wer braucht die schon ;)

Also pro Song hören zahlen? bzw. die Songs in Geiselhaft solange man das Abo unterhält?

Tja wers braucht, sind vielleicht das gleiche Publikum, das sich nach einer Kerzlspende im Steffl auch gut fühlen.

Den Künstlern kann ich nur empfehlen sich vom Verwerten bei Konserverabspielung geistig zu verabschieden. Da verdienen nur die anderen.

Verkauf die Rechte einmal um einen peversen Betrag und vergesst die Dauereinnahmen. Dann könnt ihr ruhig schlafen und die Nutzer auch.

Und was den Vertrieb angeht - wo bleibt da die freie Marktwirtschaft? Achja, das gilt ja nur für die anderen.

sorry aber das geht nicht, viel zu wenig weit gedacht.
wenn ich meinen ganzen song verkaufen würde...

1. wem? und was soll der dann damit?
dann hätte ja nur der den song...
2. wenn gecovert oder geremixed wird und jemand damit geld verdient hätte ich dann gar nix davon? --- find ich etwas unfair
3. songs werden in radios, als filmmusik, webefilmen usw. verwendet... davon würd ich dann auch kein geld sehen?

und 4. ist der entscheidende punkt:
als komponist und texter sind die tantiemen, das einzige wo etwas geld mit musik herreinkommt. wenn sie jetzt noch meinen ich kann mich von diesen einnahmen auch noch verabschieden dann kann ich eigentlich aufhören und wir hätten einen AMS bezieher mehr.

Wenn Sie Musiker sind, könnten Sie ja das Experiment wagen, sofern Sie nicht schon Leib und Seele verkauft haben.

Stellen Sie Ihre Songs jeweils zur Hälfte auf eine Crowd-Fundig Plattform und legen einen Betrag fest ab dem Sie den ganzen Teil veröffentlichen.

Wenn Sie gut sind, werden Sie vielleicht genug Spenden bekommen um damit leben zu können, allerdings erwarten Sie nicht, daß es für die nächsten 3 Generationen reichen würde, das Glück haben Ihre Hörer auch recht selten.

wieso ich? ich bin komponist und texter... ich performe nicht alle meine songs selbst als künstler!
bitte verwechseln sie nicht label, verlage und die akm.

mit ist klar, daß das für viele die sich nicht genau auskennen schwer zu durchschauen ist. 3 generationen? sorry aber das argument ist auch sehr billig. ich bekomme ja nur solange tantiemen wie der song auch für irgendwas verwendet wird.wenn nicht bekomm ich auch absolut nichts. nicht jeder musiker ist ein superstar, und nicht jeder will einer werden.

und selbst wenn ich das machen würde hätte das absolut KEINEN einfluss auf meine tantiemen

wenn ich das richtig sehe sind sie Musiker oder Texter ?

finden sie dass der Anteil , den sie an TantiemenZahlungen bekommen hoch genug ist ?

diese frage kann ich pauschal nicht beantworten. ich bekomme für unterschiedliche einsatzgebiete des songs auch unterschiedlich viel tantiemen. wenn der song in einem kleinen keller gespielt wird, wo wenig leute reinpassen und der veranstalter vielleicht auch noch als verein die AKM gebühren bezahlt, bekomm ich sehr wenig. wenn ein song auf auf Ö3 gespielt wird dann bekommt man recht viel dafür.

ausserdem kommt es auch darauf an wieviel da dritte mit drin hängen. also wieviel % meiner tantiemen ich labels, varlagen oder gar produzenten abtrete. die AKM wo ich angemeldet sein muss um die tantiemen zu bekommen behält sich 12 - 14% als spesen. und entgegen der allgemeinen annahme ist die AKM eine non profit organisation. man glaubt es kaum :)

heißt jetzt aber nicht, daß ich alles gut finde was die AKM macht. vorallem die GEMA in deutschland überspannt den bogen meiner meinung nach viel zu hart.

können sie mir einen Ungefähren Rahmen nennen ?

Eben das wäre interessant zu wissen

wieviel % der Tantiemen Musiker
Labels, Varlagen oder gar Produzenten abtreten

Das ist sicher von Musiker zu Musiker verschieden, vermutlich auch von Song zu Song. Aber es wäre wirklich interessant zu wissen, da man als Außenstehender kaum einen Einblick in die (mutmaßlichen) "Knebelverträge" von Musikern und Komponisten hat.

das ist einfach nur verhandlungssache und kommt auf die verträge an. mit einem major verlag hab ich für einen song einen 60% zu 40% deal mit einem anderen unbekannteren 80% 20%. kommt immer drauf an. der produzent bekommt im normalfall den %satz fürs arrangement(falls er das macht). der ist sehr sehr niedrig aber wieviel genau weiß ich jetzt nicht auswendig: findet man aber hier unter abrechnungsregeln: http://www.akm.at/Mitgliede... egelwerke/

dadurch daß es so viele verschiedene labels inkl. unterschiedlicher leistungen gibt kann ich beim besten willen keine pauschalangabe machen. verträge die über starmania, Ö3 soundcheck und co-labels laufen sind idr. branchenunüblich und wenns noch so ist wie früher eine frechheit :)

nochetwas dazu: früher haben die label vertriebe in tantiemen so gut wie nicht eingegriffen, weil sie ihr geschäft über die tonträgerverkäufe gemacht haben. das funktioniert heute aus wohl bekannten gründen nicht mehr. deswegen haben sich leider soganannte 360 deals durchgesetzt. dh das label schneidet überall zu einem ausgemachten %satz mit. unter anderem bei tantiemen, live auftritten,merch und co.

Danke für die Antwort und den Link

wenn sie schreiben 60:40 oder 80:20
sind sie jeweils die höhere oder die niedrigere Zahl ?

das sind verlage, da hab ich die höhere zahl. bei labels kanns auch gut und gern mal andersrum sein :D

ja, Sie haben mit Ihren Argumenten ja Recht, da Sie den Status Quo beschreiben.

Worauf ich eigentlich hinauswollte, ist die Überlegung, was die Überlassung einer Komposition/Textes an die Allgemeinheit bringt, wenn dieser durch Spenden also über Crowdfunding, finanziert wird.

Was natürlich im Gegenzug eine einmalige Einnahme bedeuten würde.

Das können nur Sie für sich selbst abschätzen. Wie gesagt, es ist nur ein Gedankenexperiment.

natürlich kann ich als komponist UND interpret auch einen song unter einer CC lizenz veröffentlichen. steht mir ja frei und macht in manchen fällen durchaus sinn. ich bezweifel aber, daß so viele leute gut genug noten lesen können um nur eine komposition durch crowd-funding zu finanzieren.
wenn ich die komposition nur dem künstler verkaufen würde muss ja erst recht wieder der interpret dafür blechen. das ist ja eigentlich das was keiner will oder?

das machten idr. heute die meisten musiker.
selbstvermarktung hat aber nichts mit tantiemen zu tun

Null

Meine Songs sind auf Spotifiy. Die verantwortliche Verwertungsgesellschaft Austro-Mechana hat mich nie gefragt, ob ich das möchte, kassiert aber offenbar irgendetwas von Spotify. Wie viel die Austro-Mechana pro Song erhält, wurde nie verlautbart und ist offenbar geheim. Wahrscheinlich weil es peinlich wenig ist.

Der einzige Betrag, den ich kenne, ist die Null.

Ich habe bis jetzt keinen einzigen Cent erhalten.

Für mich als Interpreten und Autor ist Spotify eigenlich nichts anderes als legalisierte Piraterie.

Echt traurig zu hören! Ein sehr guter Grund mehr, dass Spotify von mir nie einen Cent sehen wird.

in der akm abrechnung war unter sonstiges heuer etwas mehr als die jahre zuvor, ka ob das was damit zu tun hat. etwas mehr transparenz wär in dieser sache für komponisten und studiomusiker schon sehr wünschenswert.
vorallem ungefragt einfach damit konfrontiert werden find ich jetzt weniger berauschend. find den post vom gröbchen ganz in ordnung. es wird halt gerade evaluiert ob und wie sich das in zukunft weiterentwickelt. zum jetzigen zeitpunkt sieht es aber so aus als würden die künstler mal wieder durch die finger schauen.

"... jedes Mal, wenn man ein Lied spielt, wird ausgeschüttet."

Diese bildliche Wortwahl muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: So kleine Münzen wurden noch nicht erfunden, dass da irgendetwas "ausgeschüttet" werden könnte.

Ehrlicher wäre eine Selbsteinschätzung der Marke: "Mit Spotify verdienen die Künstler auch nicht mehr, aber den Usern und uns kanns egal sein, weil wir den Segen der Verwertungsgesellschaften haben."

Habe eoeben die Nutzungsbedingungen gelesen.
Danke, bleibe bei meinen CDs.

Anmeldung nur per FACEBOOK.

Keine Alternative.

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