Bioenergie keine nachhaltige Lösung

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Wissenschafter zeigen sich kritisch gegenüber dem Ausbau von Energie aus Biomasse. Bioenergie kann keinen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten

Wien - Bioenergie kann keinen wesentlichen Beitrag zur Energiewende und der Reduktion von Treibhausgasen leisten. Zu diesem Schluss kommen mehr als 20 Wissenschafter in einem Bericht der deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Sie sei im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden. Man solle Bioenergie daher nicht weiter ausbauen und sich auf Formen beschränken, die nicht mit Nahrungsmitteln konkurrieren und "eine substanziell bessere Treibhausgas-Bilanz vorweisen können, als die fossile Energie, die sie ersetzen".

Bioenergie stammt aus nicht-fossiler Biomasse von Pflanzen und Algen. Sie entsteht, wenn man Biomasse direkt verbrennt oder daraus hergestellte Treibstoffe wie Biogas, Biodiesel oder Bioethanol. Ein Hauptmotiv für die Verwendung von Bioenergie sei es, die CO2-Emissionen zu reduzieren und den Klimawandel zu mildern, schreiben die Wissenschafter, darunter der Österreicher Helmut Haberl vom Wiener Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, in der Stellungnahme.

Konzentration auf Erneuerbares notwendig

Von den alternativen Energietechniken trägt die Bioenergie aber am wenigsten zur Treibhausgas-Reduktion bei, und der Preis je eingesparter Tonne CO2 sei der höchste. Daher solle man sich auf andere erneuerbare Energiequellen konzentrieren, und Sonnenenergie über Solarzellen, Sonnenkollektoren und Windenergie nutzen. Den weiteren Ausbau der Bioenergie halten die Wissenschafter für nicht erstrebenswert. Deutschland sollte darauf drängen, das EU-2020 Konzept zu überdenken, wonach zehn Prozent des Treibstoffes für Transportzwecke aus Biomasse stammen sollen.

Das größte Potenzial für Bioenergie könnte man erschließen, indem man die Nahrungsmittel- und Energieproduktion kombiniert. So könnten etwa Mist und Gülle aus der Tierhaltung, Lebensmittelabfälle und pflanzliche Reststoffe zur Energiegewinnung verwendet werden. Die Herstellung von Biotreibstoffen aus Zucker, Stärke und Pflanzenölen sei nicht zu empfehlen, denn sie würde mit der Herstellung von Nahrungsmitteln konkurrieren. In China sei etwa die Produktion von Ethanol und Butanol aus essbaren Pflanzen bereits verboten. Auch erwarten die Wissenschafter, dass bei der Verbrennung von Biokraftstoffen deutlich mehr giftige Abgasen entstehen, die man mit neu entwickelten Katalysatoren entgiften müsste.

Zukunft Wasserstoff

Pflanzliche Biomasse sei als Energiequelle nicht unbeschränkt verfügbar. In den meisten EU-Ländern sei man bereits auf Importe angewiesen. Eine Intensivierung der Landwirtschaft könnte nicht mit dem Bedarf mithalten und würde mit "erheblichen ökologischen Risiken einhergehen", schreiben die Wissenschafter. So würden Düngung, Landbearbeitung und Nutztierhaltung direkt und indirekt zur Emission von Treibhausgasen führen. Auch die Weltmeere seien kaum geeignet, in größerem Maßstab als Quelle für Bioenergie zu dienen, denn sie beherbergen zu wenig Pflanzenmasse. Während Landpflanzen insgesamt etwa 650 Milliarden Tonnen Kohlenstoff binden, seien es bei Meeresalgen bloß drei Milliarden Tonnen.

Ein wichtiger Energieträger könnte in Zukunft Wasserstoff sein, der durch Spaltung von Wasser mithilfe von Sonnenlicht hergestellt wird, denn beides sei nahezu unbegrenzt verfügbar, so die Wissenschafter. Bei seiner Verwendung zur Herstellung von Wärme oder Elektrizität würde lediglich Wasser entstehen. Allerdings wird er derzeit nicht nachhaltig produziert, über 90 Prozent stammen aus fossilen Quellen. Ob Wasserstoff in Zukunft mit natürlicher oder künstlicher Photosynthese im notwendigen Maßstab umweltfreundlich hergestellt werden kann, sei offen und ein vielversprechendes Forschungsgebiet. (APA, 31.8.2012)

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