Abdullah: "US-Truppen waren 2001 in Afghanistan willkommen"

Ehemaliger Außenminister kreidet Westen "vertane Chance" in Afghanistan an - Möglicher Präsidentschaftskandidat kritisiert Amtsinhaber Karzai

Kabul - Der frühere afghanische Außenminister Abdullah Abdullah hat die Afghanistan-Mission der westlichen Staaten als "vertane Chance" bezeichnet. "Die Leute wollten Veränderung, und wir brauchten ein festes Engagement für den Wiederaufbau und die Entwicklung des Landes", sagte Abdullah der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf die Zeit nach dem Einmarsch der US-geführten Truppen Ende 2001. Doch der Westen habe diese Chance verspielt.

Die USA hätten sich unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush rasch wieder von Afghanistan ab- und dem Irak zugewandt, kritisierte Abdullah. Dabei sei der "Augenblick günstig" gewesen. "Als die Amerikaner in Afghanistan eintrafen, wurden sie mit offenen Armen empfangen", sagt er. Heute sei es "hundertmal so schwierig", die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen.

Ob er bei der afghanischen Präsidentschaftswahl 2014 wieder antritt, weiß Abdullah noch nicht genau. "Mehr als die Hälfte meines Herzens sagt mir, dass ich Kandidat sein muss." Gemäß der Verfassung darf Präsident Karzai kein drittes Mandat anstreben - aber Abdullah fürchtet, dass der "Nicht-Demokrat", wie er Karzai nennt, den Prozess zur Überwindung der Krise behindern werde. Der Oppositionschef stößt sich daran, dass Karzai in seinen Friedensappellen die islamistischen Taliban inzwischen regelmäßig "Brüder" nenne.

Sein Hauptinteresse gelte jetzt "freien und fairen Wahlen", sagt Abdullah AFP in seiner Residenz in Kabul. 2009 trat der heute 51-Jährige bei der Präsidentschaftswahl gegen Karzai an, zog sich dann aber aus Protest gegen massiven Wahlbetrug und befürchteter neuer Stimmenfälschungen aus der Stichwahl zurück. Mit einer Tadschikin als Mutter ist Abdullah Angehöriger der größten ethnischen Minderheit seines Landes. Sein Vater ist Paschtune, weshalb dem früheren Augenchirurg im Fall seiner Kandidatur auch bei der Bevölkerungsmehrheit zahlreiche Stimmen sicher wären. (APA, 31.8.2012)

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