Mitt Romney hält eine Wahlkampfrede in Moll

Frank Herrmann aus Tampa, 31. August 2012, 17:34

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner versuchte vor allem die von Obama Enttäuschten anzusprechen. Politische Substanz kam in der 40-minütigen Ansprache indes kaum vor

Der hagere Mann lächelt verlegen, als wäre es ihm peinlich, zur Attacke blasen zu müssen, als tue er nur seine polemische Pflicht. "Präsident Obama hat versprochen, den Anstieg der Ozeane zu bremsen und den Planeten zu heilen", erinnert er an die überschäumende Rhetorik des Jahres 2008. "Mein Versprechen ist, Ihnen und Ihrer Familie zu helfen."

Damit hat Mitt Romney den Kern seiner Botschaft in zwei kurze Sätze gepackt. Sitzt er erst im Weißen Haus, wird alles um eine Nummer bescheidener ausfallen. Dann regiert ein Mann der Tat, nicht großer Worte. Einer, der weiß, wie Amerika tickt, anders als Barack Obama, der nach Romneys Skizze das Land nicht versteht, weil er über den Wolken schwebt. Bei alledem klingt der Republikaner wie ein neutraler Beobachter, der es angeblich selber bedauert, dass der Hoffnungsträger erfolglos blieb.

Frontalangriffe, weiß Romney, kommen bei schwankenden Wählern nicht an, dazu ist Obama als Person zu beliebt. Also umschmeichelt er die Ernüchterten. Es sei doch typisch für Amerikaner, optimistisch an eine bessere Zukunft zu glauben; deshalb hätten sie ja so verführerisch geklungen, die Versprechen von Hoffnung und Wandel. Doch die Euphorie sei umgeschlagen in Enttäuschung und Spaltung. "Sie wissen, etwas stimmt nicht mit dem Job, den er macht, wenn Sie sich nie mehr besser fühlten als an dem Tag, an dem Sie für ihn stimmten." Seit Hope und Change gehe es nur noch bergab.

Seit der Großen Depression der 1930er-Jahre, sagt er, habe noch jeder US-Staatschef nach seinen ersten vier Amtsjahren zufrieden zurückblicken und seinen Landsleuten sagen können, es gehe ihnen heute besser als vier Jahre zuvor. "Mit Ausnahme von Jimmy Carter. Und mit Ausnahme dieses Präsidenten." Kein Zufall, dass der Name Carter fällt. Denn auf ihn folgte Ronald Reagan, ein Konservativer, der von einem neuen Morgen in Amerika sprach und die Selbstzweifel besiegte. Romney sieht sich in der Reagan-Rolle, ohne dass er es so direkt sagt.

Frauen und Hispanics

Überhaupt, er hält eine Rede in Moll, weniger kämpferisch, als es der konservativen Basis lieb wäre. Vorausgegangen ist der dreistündige Versuch, hinter der glatten Fassade des millionenschweren Geschäftsmannes den Menschen Mitt zu zeigen. Ted und Pat Oparowski, Mormonen aus Boston, erzählen von ihrem 14 Jahre alten Sohn David, um den sich Romney anrührend kümmerte, bevor der Bub an Krebs starb. Mitt selber erinnert an seinen Vater George, der aus Mexiko fliehen musste, kein College besuchen konnte, es dennoch bis zum Gouverneur Michigans brachte und nebenbei seiner Gattin Lenore jeden Morgen eine Rose auf den Nachttisch stellte. Mit seiner eigenen Familiengeschichte buhlt Romney um zwei Wählergruppen, die bislang nicht warm werden mit ihm. Um Frauen, die in der Grand Old Party eine altmodische Männerpartei sehen. Und um die Hispanics, die er in den Vorwahldebatten mit der gefühllosen Bemerkung brüskierte, illegale Einwanderer sollten sich am besten selbst deportieren.


Überschattet wird das alles von Clint Eastwood, dessen bizarre Einlage die Miene Ann Romneys auf der Tribüne versteinern lässt. Auf der Bühne führt Eastwood einen eigenwilligen Dialog mit einem leeren Stuhl, dem abwesenden Präsidenten. "Was soll ich Herrn Romney sagen?" "Ach, das kann ich nicht. Das kann er sich doch nicht antun." Irgendwann lässt der gealterte Westernheld einen Finger über die Kehle fahren, womit er sein Fazit untermalt: "Wenn jemand seine Arbeit nicht tut, dann muss man ihn gehen lassen." Obamas Team reagierte mit einem Foto. Die Lehne des Amtssessels im Oval Office, dazu eine Zeile: "Dieser Stuhl ist besetzt."

Die Substanz dagegen kommt eindeutig zu kurz, ein außenpolitisches Programm wird nicht einmal in groben Zügen umrissen, der kostspielige Militäreinsatz in Afghanistan spielt überhaupt keine Rolle. Dafür schwenkt Romney von seiner Schmuserhetorik zu scharfer Polemik, indem er Obama etwa vorwirft, mit Israel einen Verbündeten "vor den Bus zu stoßen". In überraschend kurzen Passagen zur Wirtschaftspolitik - überraschend, weil der Geschäftsmann gern den detailkundigen Problemlöser gibt - formuliert er ein ehrgeiziges Ziel. Bis 2016 gedenkt er zwölf Millionen Arbeitsplätze zu schaffen, falls ihn die Wähler ins Weiße Haus delegieren. Wie er das anstellen will, lässt er offen. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 1.9.2012)

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für die, die's noch nicht gesehn haben: Jon Stewart nimmt die Tampa-Geschichte in 8 Minuten komplett auseinander

http://www.upworthy.com/jon-stewa... es?c=ucfb1
legendär!

Mister Stronach loves Mitt Romney

Alte reiche Säcke unter sich

"to let him go" heisst nicht "gehen lassen" sondern kündigen. die übersetzungsfehler, die hier ständig unterlaufen, sind schon ein bisschen frappant.

zwischen gehen lassen und

gegangen worden is aber eh nicht mehr viel... *g*

statusbericht aus dem süden der usa.... und dann blöd auf europa schimpfen. lächerlich. sogar den griechen gehts vermutlich besser

http://www.zeit.de/2012/35/U... n-Oklahoma

Heute hat Mr. Romney

bei seinem Aufenthalt in Ohio Gelegenheit, die Entscheidung von Bundesrichter Peter Economus zu studieren, der gestern den gezielten, republikanischen Angriffen auf die Wahlordnung einen klaren Riegel vorgeschoben hat.

www.dispatch.com/content/d... ruling.pdf

Seit wann betrifft Klimawandel nicht amerik. Familien?

Also sprach Mitt Romney am Parteitag in Florida, just zu dem Zeitpunkt, als Hurrican Isaac Florida streifte und über New Orleans hinwegfegte. Populistischer gehts nicht mehr. "Gehts meiner Familie gut, gehts uns allen gut".
Mit(t) Romney als Präsident gehen die USA baden.

obama hat viel versprochen

und wenig gehalten, kein wunder, wurde er doch dauernd blockiert von den traurigen verlierern die die wahren interessen des einfachen mannes nicht im sinn haben. in zeiten wie diesen müssen die partei-interessen hintanstehen sonst klappt es nirgendwo

Der nichtexistente "Gott" sei gnädig, mit diesem Land. Einen Mormonen-Bischof...

Es wird immer humoristischer...

Obama vs Romney: Eine Nudel - ein Teig!

Obama hat viel versprochen und wenig gehalten.
Romney verspricht viel und wird ebenfalls wenig davon umsetzen koennen.
Die USA haben eine riesiges Arbeitslosen-Problem und ein noch gigantischeres Schulden-Problem.

Wahr ist auch, dass viele Leute Obama nie wegen seiner Hautfarbe waehlen wuerden, und dass Romney von vielen Amerikanern alleine wegen seiner Religion unwaehlbar ist. Rassismus und Bigotterie sind auch in den USA daheim.

Egal wer Praesident wird (Obama hat dafuer die besseren Karten): die naechsten 4 Jahre werden fuer die USA brettelhart. Jeder redet heute von der Euro-Krise. Ein Laercherl im Vergleich zu dem was noch bevorsteht. 1200 Milliarden USD Schulden pro Jahr ist der NACKTE WAHNSINN, egal wer Praesident ist.

Vom ständigen Wiederholen werden Unwahrheiten nicht wahr. Obama hat mehr gehalten, als ihm je zuzutrauen war. Seine respektable Statistik hier: http://www.politifact.com/truth-o-m... /obameter/

37% seiner Versprechen gehalten? Wie beeindruckend! LOL!

Wählt mich, dann beende ich den Krieg im Irak!
Leider nicht!

Wählt mich, dann revidiere ich die Bush-Tax-Cuts fuer die Reichen.
Fehlanzeige!

Wählt mich, dann schliesse ich das Guantanamo Bay Gefängnis, wo Leute ohne Gerichtsverfahren festgehalten werden.
Nix damit!

Wählt mich, dann geht es der Wirtschaft besser und die Arbeitslosigkeit sinkt.
Ha Ha!

Wählt mich, und ich werde in strategische Infrastruktur-Projekte investieren, was ebenfalls Arbeitsplätze schafft.
Kein bisschen!

Wählt mich, und ich werde den Banken auf die Finger schauen.
Im Obama Kabinett haben mehr Banker Einfluss auf die Regierung als jemals zuvor.

Hope and Change!
Klang gut. Die Hoffnung ist verraucht und geändert hat sich wenig.

Das ist die Bilanz aus US-Sicht!

Anscheinend wirkt der Mix aus Lügen und Metaphern, aus denen die konservative Propaganda besteht

Ihre Naivität ist ja amüsierend. Wenn Sie den Unterschied zwischen Wahlkampf und beinharter Regierungspolitk eingekeilt zwischen Lobbyisten und einer grenzdebilen Oppositionspartei nicht nachvollziehen können, dann sprechen ich Ihnen eindeutig ab seine Amtszeit beurteilen zu können. Anscheinend haben Sie auch keine Ahnung von Obamas Stimulus, der laut Mehrheit der Studien signifikante Effekte auf das BIP hatte. Ich erinnere daran, dass Romney im Wahlkampf 2008 den größten Stimulus aller Kanditaten in seinem Programm hatte. So schlecht kann die Idee also nicht gewesen sein. Was die Bilanz aus konservativer Sicht ist, ist komplett irrelevant wenn man den Fortschritt für die USA betrachten möchte.

Vielleicht war ich naiv, als ich mich vor 4 Jahren ...

fuer Obama ins Zeug schmiss. Wird nicht mehr passieren! Ich brauch keine Propaganda, ich leb in den USA. Obama ist ein Berufspolitiker mit einem ausserordentlichen rethorischen Talent. Und das war's auch schon.

Die Demokraten kontrollierten 2 ganze Jahre den Senat, das Repraesentantenhaus und das Weisse Haus. Das ist aehnlich, als haette die SPOe bei uns die absolute Mehrheit.

Diese Fuelle an Macht wurde durch idiotische Fehlentscheidungen Obamas verschwendet. Ein unverzeihlicher Fehler.

Romney interessiert mich nicht. Mein Punkt: 2013 und 2014 werden ganz schwarze Jahre fuer die US-Economy. Egal wer Praesident ist.

In dem Fall kann ich Ihre Enttäuschung in gewisser Weise nachvollziehen, aber ich würde das nicht der Person Obama sondern den Umständen zuschieben.

Es war klar, dass Obamas idealistische und rhetorisch wunderbar dargebrachte Botschaften nicht umgesetzt werden können. Auch wenn beide Häuser von den Dems kontrolliert werden.

Ich gebe Ihnen Recht, der Wirtschaft und damit verbunden aber vor allem der arbeitenden Mittelschicht wird es sehr schlecht gehen in den nächsten Jahren.

Ich sehe aus ökonomischer Sicht, welches mein ursprüngliches Metier ist, es daher absolut als das sinnbefreit den Mittelstand Steuersenkungen für Wohlhabende zahlen zu lassen wie es Romneys (Ryans-) Plan ist.

Fortsetzung

Der Steuermultiplikator für die Einkommen, welcher durch Steuersenkungen entsteht ist zu niedrig, trifft zu wenige, die falschen und ist daher ineffizient beim verursachen nennenswerter Effekte auf die Wirtschaft. Insbesondere in einem Niedrigsteuerland wie den USA.

Die GOP bietet außer diesem "Konzept", welches in Wahrheit keines ist, nichts nennenswertes um das Land voran zu bringen. Ganz im Gegenteil.

Ich hoffe ja, dass Sie nicht dem Irrtum unterliegen, dass es egal wäre wer diese Wahlen gewinnt. Vieles ist trotz aller widrigen Umstände möglich.

Verlieren Sie in dieser Hinsicht bitte nicht Ihren Optimismus. Zweifelsfrei muss der einmal groß gewesen sein.

Am besten is ja sowieso der anfang:

"A Party too patriotic for facts.
A Candidate, too succesesful for taxes" ahaha

danke für den link :-)

Obama hat in seiner Amtszeit sicher viele seiner Wähler von 2008 enttäuscht.

Das sind aber eher Linke, die an jemandem wie Romney "nicht einmal anstreifen" wollen.

Deren Stimmen wird keiner der beiden "Großpartei-Kandidaten" bekommen, vermute ich.

Seit wann ist Österreich ein amerikanischer Bundesstaat?

OK ich gebe es zu, ich bin politisch nicht mehr up to date. Mir scheint etwas Entscheidendes entgangen zu sein.

Kann mir jemand sagen, wann Österreich ein Bundesstaat der USA wurde? Wann und wo kann ich meinen Präsidenten wählen?

Ohne Sarkasmus: WEN SCHERT's, verdammt noch mal?

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