Drei Tore belassen Hütteldorf in Europa

  • Alar (li.), Boyd (re.) und ...
    foto: apa/ neubauer

    Alar (li.), Boyd (re.) und ...

  • ... Hofmann (unten) sorgten für Zählbares.
    foto: apa/ hochmuth

    ... Hofmann (unten) sorgten für Zählbares.

  • Jubel, Trubel, Heiterkeit im Hanappi.
    foto: apa/ hochmuth

    Jubel, Trubel, Heiterkeit im Hanappi.

  • Rapid wirkt als einziger Vertreter Österreichs im internationalen Geschäft mit.
    foto: apa/ herbert p. oczeret

    Rapid wirkt als einziger Vertreter Österreichs im internationalen Geschäft mit.

Rapid hat PAOK Saloniki 3:0 geschlagen und ist mit einem Gesamtscore von 4:2 in die Gruppenphase der Europa League aufgestiegen - Alar, Boyd und Hofmann erzielten die Treffer - Die befürchteten Ausschreitungen blieben aus, auch die Vernunft hat gesiegt

Wien - Zum Sportlichen: Rapid hat es tatsächlich geschafft, das 1:2 aus dem Hinspiel gegen PAOK Saloniki zu drehen, in etwas sehr Positives umzuwandeln. Nämlich in den Aufstieg in die Gruppenphase der Europa League. Ein 3:0 am Donnerstagabend im Hanappi-Stadion hat gereicht, die Tore erzielten Deni Alar, Terrence Boyd und Steffen Hofmann.

"Das ist sehr befriedigend und wichtig für die junge Mannschaft", sagte Kapitän Hofmann. "Das ist absolut geil", sagte Boyd. Trainer Peter Schöttel war "stolz, dass die Mannschaft dem Druck standgehalten hat".

Schöttel nahm zwei Veränderungen vor, Stürmer Boyd und Christopher Trimmel rückten in die Startformation. Trimmel werkte rechts in der Viererkette, das zeugte von Mut zur Offensive. Es entwickelte sich ein sehr intensives Fußballspiel, 25 Minuten lang gab es keine Chancen auf beiden Seiten, dann wurde PAOK gefährlich. Robert schoss scharf, Rapids Goalie Lukas Königshofer wehrte ab, der anschließende Corner war kein Schmutz, Boyd rettete auf der Linie.

Und dann kam die 31. Minute: Ausschuss Königshofer, Guido Burgstaller tankt sich durch Saloniki, seine präzise Flanke köpfelt Alar ins Tor. Jubel. Rapid wirkte, nona, befreit und weiterhin kompakt, PAOK geriet unter Druck. 48. Minute: Freistoß Alar, Boyd köpfelt das 2:0. Noch mehr Jubel. 56. Minute: Athanasiadis vergibt nach Mario Sonnleitners Patzer kläglich. Erleichterung. Mit ein bisserl Glück und noch mehr Können wurde der Vorsprung verwaltet. Und in der Nachspielzeit ausgebaut. Der großartige Hofmann traf noch aus der eigenen Hälfte ins leere Tor (93.).

Es herrschte aber schon auch eine grausliche Atmosphäre. Stunden vor Anpfiff kreiste ein Hubschrauber über dem Stadion. Die Rapid-Funktionäre und -Angestellten waren nervös, hatten den "Hoffentlich geht es gut"-Einheitsblick aufgesetzt. Präsident Rudolf Edlinger kam sehr früh, er saß lange mutterseelenallein auf der Ehrentribüne, beobachtete die eintrudelnden Fans. Da war diese Angst vor dem leeren Becher, der im Falle eines Fluges auf das Spielfeld gravierende Folgen gehabt hätte. Der Ausschluss aus dem Europacup wurde von der Uefa angedroht, als wären die 75.000 Euro Geldstrafe und das Geisterspiel nach den Ausschreitungen von Thessaloniki nicht schlimm genug.

Fans gaben Karten zurück

Dutzende Fans hatten ihre Karten übrigens zurückgegeben, sie wollten sich den Unsinn nicht antun, daheim kann man sich nämlich sicherer und unkomplizierter fürchten. Sie bekamen das Geld rückerstattet. Knapp 1000 Polizisten waren im Einsatz, sie jammerten nicht, Job ist Job. 1000 Beamte für ein Match, das 16.000 Menschen besuchten. Wobei die Mehrzahl der Zuschauer natürlich keine verhaltensauffälligen Chaoten waren, der Prozentsatz an Idioten wurde statistisch nicht erfasst.

Das "Willkommen in Wien" haben sich die 750 Fans von PAOK anders vorgestellt. Schon bei der Fahrt vom Flughafen Bratislava in die Bundeshauptstadt wurden Donnerstagmittag Busse angehalten und die Insassen von der Polizei auf pyrotechnische Gegenstände kontrolliert.

Es waren auch griechische Beamte im Einsatz, um Zwischenfälle zu verhindern. Versucht wurde, die griechischen Anhänger schon bei der Anfahrt ins Stadion von Rapid-Fans zu trennen. Das gelang im Prinzip. Am Schwedenplatz wurde ein bengalisches Feuer gezündet, in der U-Bahn explodierte ein Böller. Vor dem Stadion entdeckte eine Horde Rapidler sechs Griechen (waren Irrläufer), es entstand eine Prügelei, ein Grieche flüchtete in Not in den Ü-Wagen des ORF. Im Stadion appellierte Clubservice-Leiter und Platzsprecher Andreas Marek "an die Vernunft". Auf der Westtribüne hatten sie ein meterlanges Transparent aufgehängt. "Egal was auch passiert, wir stehen immer zu dir", stand darauf geschrieben. Sie meinten Rapid, nicht Marek. Und es kehrte Vernunft ein. Kein Böller, keine Rakete, nicht einmal ein leerer Becher. Nur Stimmung und Gesänge. Es gibt also noch Hoffnung. In Hütteldorf und auf der Welt.

Rapid steht zum dritten Mal nach 2009 und 2010 in der Gruppenphase. Die wird am Freitag (13 Uhr, ORF Sport Plus) in Monaco ausgelost. 1,3 Millionen Euro Startgeld sind fix, jeder Sieg ist 200.000 Euro wert, jedes Remis 100.000. Los geht es am 20. September. Das erste Heimspiel muss allerdings strafweise im leeren Happel-Stadion abgewickelt werden. Wenigstens hat die Polizei frei. (Christian Hackl, DER STANDARD, 31.8.2012)

Europa League, Play-off-Rückspiel:

SK Rapid Wien - PAOK Saloniki 3:0 (1:0)

Hanappi-Stadion, 16.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Carlos Clos Gomes (ESP). Hinspiel 1:2, Rapid mit Gesamtscore von 4:2 in der Europa-League-Gruppenphase

Tore:
1:0 (31.) Alar
2:0 (48.) Boyd
3:0 (93.) Hofmann

Rapid: Königshofer - Trimmel (85. Schrammel), Sonnleitner, Gerson, Katzer - Heikkinen (69. Prager), Ildiz - Hofmann, Alar, Burgstaller - Boyd

PAOK: Glykos - Etto, Khumalo, Matheus, Lino - Georgiadis, Kace (70. Pelkas), Garcia, Robert (46. Fotakis) - Giannou (46. Lawrence), Athanasiadis

Gelbe Karten: Burgstaller bzw. Kace, Athanasiadis

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