Romneys Waffe gegen Obamas Lässigkeit

30. August 2012, 18:51

Mitt Romneys Vize soll die junge Generation für die US-Republikaner begeistern

Bei seiner Lieblingsband Rage Against the Machine kommt Paul Ryan dagegen nicht gut an.

 

Paul Ryan redet gern über Musik. Es ist ein Bürsten gegen den Strich, rebellischer, als man es erwarten würde von einem Konservativen, der bereits im Alter von 28 Jahren im Parlament saß. Wenn er an Fitnessgeräten schwitzt, hört er am liebsten Rage Against the Machine, gesellschaftskritische Lieder einer Rockgruppe, die auf andere Republikaner eher wie ein rotes Tuch wirken. Jedenfalls erzählt er es so, schmunzelnd darauf bedacht, die Generation unter 30 zu erreichen, eine Generation, die 2008 mit deutlicher Mehrheit Barack Obama wählte.

Immer klarer schält sich heraus, welche Rolle Mitt Romney dem Vater dreier Kinder zugedacht hat, als er ihn zu seinem Vize kürte. Der 42-Jährige soll in einem Milieu punkten, in dem Romney - steinreich, vom Habitus her eher der Typ Freizeitgolfspieler aus dem exklusiven Country-Club - erkennbar Probleme hat. Er soll Obama hart attackieren, sehr direkt, aber möglichst lässig im Ton, wie man eben so spricht in Kleinstädten wie Janesville, Wisconsin, von wo Ryan stammt. In der Nacht zum Donnerstag hat er es vorexerziert, mit einer der Schlüsselreden beim Konvent der Republikaner.

"College-Absolventen", so Ryan, "sollten nicht noch als Endzwanziger in ihren Kinderzimmern schlafen müssen, auf verblichene Obama-Poster starren und sich fragen, wann sie endlich ausziehen können und in ihrem Leben aus den Startlöchern kommen". Der Präsident, wettert der Haushaltsexperte, habe fünf Billionen Dollar Schulden angehäuft und versuche, dies den Republikanern in die Schuhe zu schieben. Erfolge habe Obama nicht vorzuweisen, weshalb er nur noch auf Negativspots setze. "Damit wirft er nur Geld zum Fenster hinaus, aber darin hat er ja ziemlich viel Erfahrung", sagt Ryan und grinst.

Es sind Sätze, die der Saal mit stehenden Ovationen feiert. Ein US-Parteikongress gleicht sowieso eher einer robusten Show. In den Pausen lässt eine Rockgruppe die Bassgitarren dröhnen, man tanzt und freut sich auf die nächste Breitseite gegen die Demokraten, nach konservativem Zerrbild die Partei der Rotweintrinker, Salatliebhaber und Rechtsanwälte. In diesem Ambiente liefert Ryan das, was man von ihm erwartet. Er elektrisiert. Auch indem er einfache Geschichten erzählt.

Eine handelt von Betty, seiner Mutter. Die war 50, als ihr Mann an einem Herzinfarkt starb. Statt zu resignieren, schrieb sie sich an einem College in der Stadt Madison ein und gründete irgendwann ein eigenes Geschäft, spezialisiert aufs Dekorieren von Wohnungen. "Ja, Mom, das hast du dir selbst aufgebaut!", ruft Ryan und wischt sich eine Träne aus dem Auge. Der Hintergrund: Der Präsident hatte vor Wochen darauf verwiesen, dass kein erfolgreicher Unternehmer sein Business allein aufbaut, sondern sich immer auch auf Leistungen des Gemeinwesens stützt, zum Beispiel auf die Infrastruktur.

Manchmal nimmt er es mit den Fakten nicht so genau, der neue Held der Republikaner. Um die Wirtschaftsmisere à la Obama auf den Punkt zu bringen, schildert er die tristen Hallen einer früheren General-Motors-Fabrik in Janesville. Doch das Werk schloss im letzten Amtsmonat George W. Bushs seine Pforten. Empört spricht Obamas Riege am Tag dar auf von Tatsachenverdrehung.

Auch Ryans Lieblingsband hat, nicht völlig überraschend, Widerspruch angemeldet. Der Mann sei eigentlich "die Verkörperung der Maschine, gegen die wir ansingen", schreibt Tom Morello, der Gitarrist von Rage Against the Machine, im Musikmagazin Rolling Stone. Ja, zornig sei Ryan auch, aber sein Zorn richte sich eher gegen Immigranten, Schwule, Arme und Umweltbewegte. "Ich frage mich, welches unserer Lieder sein liebstes ist?", fragt Morello sarkastisch. "Vielleicht das, in dem wir den Völkermord an den Indianern verdammen?" (Frank Herrmann aus Tampa /DER STANDARD, 31.8.2012)

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22 Postings
Zur ABwechslung einmal eine lupenreine Verschwörungstheorie vom FS3: Dieser Paul Ryan wurde nur deshalb als Beiwagerl für den Obama No.2 mit der magischen Unterwäsche abgestellt, weil die Reps (und natürlich auch die Dems) Ron Paul loswerden wollten…

…Deshalb mußte ein Nobody -speziell nur für die Wahlkampf- her, der garantiert zu Namensverwechslung bei den Ungebildsten der Uninformierten führt. Deshalb auch der seltsame Auszucker mitten in Ron Pauls Fahrwasser, als Paul Ryan das Ding mit dem Goldstandard verkündete:
http://derstandard.at/plink/134... 5/27650854

Darum ist auch anzunehmen, daß Ryan in der Versunkung verschwinden wird, nachdem irgendeiner der beiden "Obamneys" im Nov.gewonnen haben wird.



Köstliches dazu v.Chr.Hauenstein i.d."KRONE-BUNT" v.Sonntag auf S.5 als Bildunterschrift z.einem Bild Romney u.Ryan: "…Bei seinem Vize-Kandidaten Ron Paul[sic!] (oben) ist das anders: Er ist ein knallharte Konservativer, steht für radikale Sozialkürzungen…"

Jeden Tag ein neuer Versuch der Republikaner. Das ist keine Philosophie, das ist bekiffte Unterhaltung. Nur Schwachsinn. Ein Haufen Proleten mit einem Haufen Geld, idiotisch, sowas.

Ryan und die Wahrheit

Marathon unter 3 Stunden?

http://m.newyorker.com/online/bl... athon.html

Ryan begeistert nur die Hardcore- Rep's,

sonst eher niemanden.

Wer seine Rede gesehen hat, muss sich doch wundern, dass in Zeiten, in denen die Medienwirksamkeit eines Auftritts wissenschaftlich gut untersucht ist und Kandidaten wochenlang auf solche Reden hintrainiert werden, ein solcher Auftritt noch vorkommen kann.

Im Duktus eines besserwisserischen Oberstrebers angebliche Verfehlungen Obamas mit sich vor Eifer überschlagender Stimme vorzutragen ist einfach schlecht. Und dann diese Handgesten, oh mein Gott!

Auf jeden nicht Hardcore- Rep wirkt diese Rede wie ein Brechmittel. Dem Mann fehlt aber auch jeder Ansatz von Charme.

Ok, nicht jeder ist ein Reagan (von Obama's güldener Zunge ganz zu schweigen), aber sowas?

Üben die denn gar nicht?

Also, Obama ist doch auch extrem oberlehrerhaft in seinem Auftreten. Es wird allerdings nicht darauf ankommen, wie jemand spricht, sondern was er sagt:

Und da liegt Ryan im Zeitgeist komplett richtig, wenn er auf Jobs und Wachstum setzt. Das ist es, was die Amerikaner interessiert, und nicht die demokratischen 'soft issues' wie Frauenemanzipation, Klimawandel und Armenfürsorge.

Obama ist immerhin Uni-Prof.

Nein, ist er NICHT.

Er war ein Teilzeit-lecturer und es wäre auch gar nicht möglich, weil seine juristische akademische Ausbildung nicht ausreicht. O. hat lediglich einen "doctor juris", das entspricht, wenn überhaupt, unserem bachelor. Das ist der absolut niedrigste akadem. Grad in Rechtswissenschaft, den man in den USA erreichen kann. Auch in PoWi hat er nur einen bachelor.

Ryan hat einen master in PoWi kombiniert mit Wirtschaft.

Oh, hello Mrs. Ryan! Nix gegen Ihren Sohn, aber:
Obama hat sein J.D von Harvard & nicht von Klagenfurt; und
2. Ist er ein Senior Lecturer. Das entspricht vielleicht nicht den hehren, mittelalterlichen Austro-Titeln. Aber da er 12 Jahre lang Verfassungsrecht an der Uni unterrichtet hat, ist zumindest sein Recht, "oberlehrerhaft" aufzutrten, mehr als ausreichend dokumentiert.

Dann machen Sie sich mal schlau, was in den USA der Unterschied zwischen einem "senior lecturer" und einem Prof. ist.

Was hat jetzt die Uni Klagenfurt irgendwie damit zu tun?

Uns O.'s 12 Jahre Verfassungsrecht-Unterricht betrifft, so war der beschränkt auf das 14th amendment.

Übrigens: der "doctor iuris" war zeitweise wegen Bedeutungslosigkeit abgeschafft. Man kann zwar damit nach der Zulassungsprüfung als Anwalt arbeiten, aber fast jeder Anwalt in den USA hat das Äquivalent zum unserem Master.
Frage: wieso sind eigentlich alle seine Studienunterlagen unter Verschluß? Hahn irgendwer?

Genau!

Ja genau! Und wo ist die ECHTE Geburtsurkunde?

Ich entschuldige mich hiermit dafür, dass Wort "Prof" zu locker verwendet zu haben. Ihre Überreaktion ist aber ein Phänomen. Dr. Freud (er war doch wohl "Dr."?) würde vermuten, Sie wurden bei der Stellenvergabe zugunsten eines Minderqualifizierten übergangen.

"doctor iuris" hat überhaupt nichts mit einem Dr./Ph.D bei uns zu tun.

Ihr Hinweis auf Freud und seinen Doktortitel geht ins Leere.

Mich interessieren Geburtsurkunden nicht.

Übrigens stammt dieses Gerücht noch von der Hillary Clinton Kampagne.

Was mich aber interessiert sind die akademischen Arbeiten, die seltsamerweise alle unter Verschluß sind. Man kann nur hoffen, dass sie besser sind als die bachelor-Arbeit seiner Frau, die bestenfalls der Arbeit eines Erstsemesters entspricht. Affirmative action in action.

Ins Leere: finde ich nicht ;-)
Sie legen viel Wert auf die Einhaltung akademischer Standards und das respektiere ich. Nur Ihr Obama-Bashing verstehe ich nicht.

Wahlkampf auf amerikanisch

für mich ist da immer Kindesmissbrauch mit dabei, wenn die ganze Familie so in der Öffentlichkeit posiert

Ich habe den Eindruck

dass die Amerikaner am liebsten Paul Ryan als Praesidentschaftskandidat sehen wollen und den farblosen Mitt Romney fuer Die Vizepraesidentenstelle ...

Fast richtig

Aber beschränken Sie Ihre Aussage auf die Republikaner.

Ich habe mich zunächst über die Auswahl Ryan's gewundert. Aber er soll wohl vor allem die Basis, die mit Romney ihre Probleme hatte (man denke nur an die quälenden Vorwahlen) mit dem Kandidaten versöhnen.

Zumindest das hat offenbar funktioniert. Ob Ryan allerdings außerhalb der Hardcore-Fraktion Wähler anziehen wird, bleibt eher zu bezweifeln.

Aber beschränken Sie Ihre Aussage auf die Republikaner.

Ja, so habe ich das gemeint - die Basis will Ryan. Vielleicht funktionert das in 2016.

2016 kennt den keiner mehr.

So ein soziopathischer Yuppie wäre in Mitteleuropa höchstens Piratenparteiwähler

Aber mit Sicherheit nicht Präsidentschaftskanditat

Naja, Ryan ist ein Affe, aber er hat 10x mehr drauf als zB Strache.

Ich denke für jemanden wie den wäre das Konzept "Piratenpartei" viel zu komplex. So wie wohl auch für Dich, Herr KandiTat.

aso?!

berlusconi, haider, le pen...

sie alle kamen hohen aemtern nicht nur sehr sehr nahe...

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