Graben und kochen

Das steilste Festival mitten in den Bergen: Der Walserherbst 2012 lockt mit dem Thema "Wasser" und vielfältigen Veranstaltungen

Bregenz - Alle zwei Jahre erwacht das sonst eher ruhige und abgelegene Große Walsertal in Vorarlberg an allen Ecken und Enden zu quirligem Leben und wird zum kulturellen Treffpunkt. Dahinter steckt die mittlerweile fünfte Auflage des Kulturfestivals Walserherbst, betreut von Dietmar Nigsch. Von 31. August bis 21. September werden dabei vergessene Orte aus der Versenkung geholt und ungewöhnliche Plätze kulturell bespielt. Es wird gegraben, gekocht, "gehadscht", gesungen und geschaut.

Heuer steht der Walserherbst ganz im Zeichen des Elements Wasser und macht das Walsertal kurzerhand zum Wassertal. Dafür wurde nach einjähriger Planung sogar ein eigener Brunnen gebaut. "Lutzschwefelbrunnen" heißt das Projekt nahe dem Dorf Buchboden, das Martin Mackowitz gemeinsam mit der Gruppe "AO&" ins Leben gerufen hat.

Dabei wurde eine der stärksten Schwefelquellen Österreichs neu gefasst, die nun als Trinkbrunnen, Dusche und Tauchbad zur Verfügung steht. Darüber hinaus wird ein weiteres freiliegendes Becken auf 40 Grad durch einen Holzofen erwärmt - eine Reminiszenz und Neuinterpretation der Badekulturen früherer Zeiten. Während des Walserherbsts ist der Lutzschwefelbrunnen täglich geöffnet.

Wanderungen zu Heilquellen, eine literarische Wasserwerkstatt, ein "Hadsch entlang der Wünschelrute", Vorträge und Gespräche, ein Wassertag und die "Vanuatu Water Music" von Komponist Gerold Amann beleuchten außerdem das lebenswichtige Nass von verschiedenen Seiten.

Darüber hinaus wartet der Walserherbst 2012 auch mit zahlreichen trockeneren kulturellen Highlights auf: Eine Garagenzeile in Buchboden wird temporär zur Galerie von Nikolaus Walter, Daniel Domig und Roswitha Mäser. In der Seilbahn Sonntag-Stein wird Theater gespielt. Der amerikanische Weltklassetubist Jon Sass trifft auf die Dialektautorin Martha Domig-Werner und später auf den russischen Starhornisten Arkady Shilkloper.

Das weitgehend stillgelegte Gasthaus Gemsle, früher wichtiger Treffpunkt und Versammlungsort, wird temporär durch Gastköche und musikalische Auftritte revitalisiert. Ein Besuch beim steilsten Festival mitten in den Bergen ist also sehr zu empfehlen. (Raffaela Rudigier, DER STANDARD, 31.8.2012)

31. August bis 21. September

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