Flucht aus der alten Anleihenwelt

30. August 2012, 15:18
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Bonds sind nicht mehr, was sie einmal waren. Das zeigen neue Lipper-Daten zu Anleihenfonds in Europa

Die Anleihenwelt war einmal einfach. Staatsanleihen waren sicher und brachten vor der Krise gut und gerne vier Prozent Rendite - risikolos, versteht sich. Und wer neben der Sicherheit noch ein wenig mehr Ertrag wollte, konnte sich in einem Pool aus Schwellenländer- und Unternehmensanleihen tummeln.

Doch das war einmal, zeigen Daten von Lipper zu europäischen Anleihenfonds, die derstandard.at vorliegen. Denn Anleger reagieren auf die Renditedürre in den entwickelten Märkten mit deutlichen Abflüssen. Europäische Anleihen hat es angesichts der Schuldenkrise am schlimmsten erwischt. Ihr Anteil an dem gesamten Fondsvermögen, das in Europa in Anleihen investiert ist, ist um mehr als die Hälfte gefallen, von 38 auf 18 Prozent (siehe Grafik). 180 Milliarden Euro sind aus den Strategien abgeflossen, während Bond-Fonds insgesamt in Europa von 1,2 auf 1,5 Billionen Euro angewachsen sind.

Die Gewinner der Krise sind hingegen Unternehmensanleihen und Bonds aus Schwellenländern. Also allesamt Anlageklassen, die eine höhere Rendite als Staatsanleihen versprechen. Zwischen 2007 und 2012 sind 165 Milliarden Euro zusätzlich in Investmentfonds veranlagt worden, 94 Milliarden in Schwellenländeranleihen und Fonds, die speziell auf asiatische Währungen setzen. Mit diesem Trend sind die Fondsinvestoren nicht alleine, auch deutsche Versicherer setzen verstärkt auf höher verzinste Papiere, allen voran "Ramschanleihen", also Bonds mit geringer Bonität (Bloomberg).

Dieser Trend ist ein Spiegelbild der Entwicklung an den Emissionsmärkten. Daten von Dealogic zeigen, dass im laufenden August so viele Unternehmensanleihen begeben wurden wie noch nie. 120 Milliarden Dollar waren es bisher, mehr als doppelt so viel wie in einem durchschnittlichen Jahr.

Trügerische Ruhe?

Dass Investoren so sehr auf Unternehmensanleihen stehen, bedeutet aber auch eines. Ihr Risikoappetit ist noch nicht gestillt. Morningstar-Analyst Dave Sekera warnt daher vor einer "trügerischen Ruhe". So hätte es in der Eurokrise eigentlich "keine Fortschritte in der Sache" gegeben, dennoch würden die Investoren Risikopapiere in ihr Portfolio packen. Wenn dann wieder eine holprige Marktphase wie 2011 kommt, könnten sie ebenso schnell wieder verkaufen und die Preise von Hochzinsanleihen oder Schwellenländer-Bonds ordentlich belasten.

Davor fürchtet sich offenbar auch Pimco, einer der größten Anleihenfondsanbieter der Welt. Das Haus hat die Position in den riskantesten Anleihenklassen deutlich zurückgefahren und Bonds verkauft. Die Bewertungen seien bereits zu teuer, weil viele Anleger der hohen Rendite wegen in die Assetklasse der Hochzinsanleihen investieren. "Wir wollen nicht gierig sein", begründete der Kreditchef von Pimco den Schritt. (Lukas Sustala, derStandard.at, 30.8.2012)

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