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Wien - Die österreichische Luftfahrt-Zulieferindustrie, die nach zwei mageren Jahren ihren Umsatz 2011 um ein Viertel auf 920 Mio. Euro gesteigert hat, wird heuer neuerlich deutlich wachsen. "Es melden alle durchaus positive Auftragseingänge", sagte der Generalsekretär des Interessenverbandes AAI (Austrian Aeronautics Industries Group), Franz Hrachowitz, am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien. Hrachowitz rechnet heuer mit einem Umsatzplus von 10 bis 12 Prozent. "Die Milliarde sollte zu knacken sein", bekräftigte AAI-Präsident Walter Stephan, Chef des Branchen-Schwergewichts FACC.
Rechnet man Service und Wartung dazu, hat die heimische Branche im Vorjahr mit rund 5.150 Beschäftigten 1,125 Mrd. Euro umgesetzt. Davon stammten nur 5 Prozent aus Österreich, 51 Prozent aus Lieferungen in andere EU-Länder, 19 Prozent aus den USA, 7 Prozent aus anderen Teilen Amerikas (vor allem Kanada und Brasilien) und 12 Prozent aus Asien. Mittel- und längerfristig habe man das Ziel, bis zum Ende dieses Jahrzehnts 2 Mrd. Euro Umsatz zu erzielen, sagte Hrachowitz, "aber da muss natürlich sehr viel sehr positiv laufen".
Der oberösterreichische Flugzeugteile-Zulieferer FACC, der seit 2009 der staatlichen chinesischen FACC International gehört, will alleine bis 2016 eine Milliarde Dollar Umsatz erreichen, kündigte CEO Walter Stephan an. Im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 (ab März) habe man bisher 590 Mio. Dollar Umsatz gemacht, sagte Stephan. FACC beschäftigt 2.000 Mitarbeiter, davon 1.850 Österreicher. Darüber hinaus habe man ein Engineering-Büro mit 94 Leuten in Bratislava sowie einige kleinere Unternehmen in Montreal, Seattle und Shanghai.
Stephan hält die Branchen-Umsatzprognose für das laufende Jahr trotz der massiven Auftragsstornierungen in jüngster Zeit, z.B. durch die australische Fluglinie Quantas, für durchaus realistisch. "2012 ist schon in den Büchern", so der AAI-Präsident, "2013 sehe ich derzeit auch noch positiv, weil wir haben relativ hohes Vertrauen in die Prognosen unserer Kunden, und die sehen alle für 2012 und 2013 sehr positiv aus". Es gebe nach wie vor Überbuchungen, und die von Quantas stornierten Boeing 787 im Wert von 8,5 Mrd. Dollar hätten bereits einen neuen Käufer. Die Zeit danach sehe man etwas skeptisch, abhängig von der weiteren Entwicklung der Euro-Krise. Andererseits sei die Flugzeugflotte in Amerika überaltert und müsse erneuert werden, gab Hrachowitz zu bedenken.
Die Wachstumsmärkte der Branche liegen aber eindeutig in Asien. Stephan: "Jeder fünfte Flieger von Airbus und Boeing wird heute nach China geliefert." Dort würden die Wachstumsraten derzeit bei 12 bis 13 Prozent liegen und dürften sich auf 8 oder 9 Prozent reduzieren.
Probleme hat die Luftfahrt-Zulieferindustrie in Österreich mit der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter. "Wir nehmen Mitarbeiter schon sehr international auf, weil in Österreich zu wenig Fachkräfte vorhanden sind und auch zu wenig ausgebildet werden." Man müsse diese Fachkräfte deshalb zum Teil teuer aus England, den USA und Kanada zukaufen", sagte FACC-Chef Stephan.
Für Forschung und Entwicklung hat die Branche 2011 rund 116 Mio. Euro ausgegeben, davon kamen rund 10 Mio. Euro aus dem Förderprogramm "Take off" des Verkehrsministeriums (BMVIT). Dieses Programm müsse nach Möglichkeit beibehalten uns ausgebaut werden, wünscht sich Hrachowitz. FACC alleine will heuer an die 100 Mio. Euro für F&E ausgeben, nach 60 bis 70 Mio. Euro im Vorjahr.
Bei öffentlichen Beschaffungen in Österreich sollten die Besteller gegenüber den Lieferanten "den deutlichen Wunsch" äußern, zumindest ein Teil der Produktion soll in Österreich erfolgen. Aber "wir nehmen nicht an, dass es große Beschaffungen geben wird in den nächsten Jahren, wiewohl ich glaube, dass wir durchaus mehr Hubschrauber brauchen würden in Österreich, um die Aufgaben des Katastrophenschutzes besser wahrnehmen zu können".
Neu ins Leben gerufen hat die AAI eine Drohnen-Arbeitsgruppe, die vor allem viele noch offene formalrechtliche Fragen klären soll, die sich aus dem Einsatz solcher unbemannter Fluggeräte ergeben. Nutznießer dieser Drohnen-Initiative seien vor allem der Kleinflugzeug-Hersteller Diamond Aircraft und die Firma Schiebel, aber auch etliche kleinere Produzenten. (APA, 30.8.2012)
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