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    foto: archiv

Wo spielen in Zukunft die Filme? Streams aus den Archiven

Bis vor kurzer Zeit galt der 8. März 2011 noch als medienhistorisches Datum. Damals machten Warner Bros. ihren Blockbuster "The Dark Knight" auf Facebook zugänglich. Für eine Gebühr von drei Dollar oder die zehnfache Summe von Facebook-Credits konnte man sich den Film "in" Facebook ansehen, und wie es dem damals noch ungebrochenen Hype um das "social network" entsprach, sahen die Kommentatoren für die Zukunft schon eine Ära voraus, in der das Kino vollständig aus dem realen Leben in die Online-Kommunikation aufgehen würde. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß.

Zwar hat Facebook inzwischen die zweithöchsten Klickzahlen bei Videolinks (53 Millionen Unique Video Viewers im Juli 2012, ungefähr ein Drittel der Zahlen des einsamen Marktführers Youtube), aber das bezieht sich in den allermeisten Fällen auf Links zu Inhalten, für die Facebook keine Lizenzgebühren kassieren kann. Im Bereich des sogenannten Transcational VOD ist wenig passiert, das gilt übrigens auch für die Sportübertragungen, mit denen auch experimentiert worden war. Damit ist eine - je nach Geschmack und politischer Einstellung - euphorische oder apokalyptische Annahme vorerst einmal als grundlos erwiesen: dass nämlich die großen Netzwerke, also Facebook und Google+, schon bald zu den prägenden Medienplattformen und nebenbei auch zu einer Art virtueller Multiplexxe werden würden. Die Nutzer wollen für die Filme, die dort bisher angeboten, ganz simpel in der Mehrzahl nicht zahlen.

Es ist nicht ohne Interesse, diese Nachrichten mit einem anderen Trend zusammenzudenken. Denn auf Youtube, das lange Zeit vorwiegend als Clipkanal begriffen wurde, werden inzwischen immer mehr Filme vollständig zugänglich gemacht, und zwar nicht selten in legaler Form (man muss also nicht befürchten, dass der Film beim nächsten Vorbeikommen nicht mehr da ist). Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Das Korean Film Archive hat einen gar nicht kleinen Katalog von 70 einschlägigen Klassikern auf Youtube veröffentlicht, mit zuschaltbaren englischen Untertiteln und in passabler Qualität. Eine Werbespot pro Film ist vorgeschaltet, der Rest ist gewissermaßen öffentlich-rechtliches Fernsehen in einem neuen Medium - der ebenso freigebigen wie gefräßigen Welt von Google.

Ein anderes Beispiel ist noch einschlägiger archivarischer Natur: Das Istituto Luce, die wichtigste italienische Institution zur Bewahrung und Aufbereitung des nationalen filmhistorischen Erbes, hat enorme Archivbestände in einem eigenen Youtube-Kanal zugänglich gemacht (allerdings ohne sie international durch Untertitelung besser vermittelbar zu machen, das wäre schon angesichts der Vielzahl von Filmen kaum denkbar). Man bekommt hier einen Reichtum an historischem Quellenmaterial, der staunen macht, und manchmal auch ans Absurde grenzt. 8.000 Züge, 7.000 Frisuren, so wirbt das Institut für seine Attraktionen, und tatsächlich bekommt man hier in kleinteiliger Form (die meisten Clips sind nur ein bis zwei Minuten lang, wie es eben die Beiträge zu den Wochenschauen auch waren) eine höchst detaillierte Geschichte der italienischen Nachkriegsjahre präsentiert.

Schließlich noch ein drittes Beispiel: Youtube selbst offeriert neuerdings Spielfilme, bisher noch in sehr geringer Zahl, doch schon deutet sich an, dass die Auswahl für ein cinephiles Publikum nicht ohne Interesse sein könnte. Derzeit etwa zugänglich ist John Carpenters SF-Klassiker "Dark Star".

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3 Postings
Es ist Zeit den Exoten zu füttern!

Dark Star

einer meiner Lieblingsfilme!!!

Hammerfilm! Immer wieder gern gesehen!

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