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Keyboarder Bugge Wesseltoft.
Es ist natürlich gewagt, der vielfältigen Gegenwart ein Mottokleid anzulegen - etwa zu behaupten, den Jazz würde momentan so etwas wie eine neue Innerlichkeit dominieren. Frappant ist es allerdings schon, wenn man einige Einspielungen von Pianisten durchhört und sich der Eindruck einstellt, hier würde jedes Mal in der Tonart des Sanften agiert. Es wird sich wohl um Zufall handeln, aber immerhin sind es gut klingende Zufälle, wobei man von Keyboarder Bugge Wesseltoft nichts anderes erwartet hat. Dass er ein Künstler von tiefsinnigem Zugang sowohl zur Komposition wie auch Improvisation ist, müsste längst aktenkundig sein.
Ob durch einsame Klavierstunden oder durch sein Bestreben, das Tasteninstrument an Club-Rhythmen zu binden und das Ganze unter dem Begriff "New Concept of Jazz" zum Erfolg zu führen - der Norweger, der auch ein eigenes Label führt (Jazzland), ist ein sanfter Typ mit Hang zur überraschenden Verschmelzung von Strömungen. Dass er im Duo besonders zur Entfaltung kommt und Partner bereichert, hat er seinerzeit auf dem Label ACT gezeigt, als er mit Sängerin Sidsel Endresen eine intime Aufnahme vorlegte. Auf eben diesem Label hat er nun mit Geiger Henning Kraggerud Dialoge aufgenommen, die vor allem Bugges Können aufzeigen.
Ist der Geiger auf Last Spring nur ganz selten auf der Höhe der entspannten und doch so durchdachten Arbeit Bugges, ist er also eher süßlich unterwegs, entfaltet Bugge seine ganze kontrapunktische Subtilität. Ganz feine melodische Bewegungen umkreisen den etwas überzuckerten Geigenton. Eine schöne Möglichkeit, verschiedene Ästhetiken innerhalb nur eines Stückes zu vergleichen. Hier passt auch Keyboarder Jacob Karlzon dazu. Er ist auch ein eher im Stillen arbeitender Mann, und er zeigt sich auf More (ACT) als Wesseltoft-Schüler. Wie dieser koppelt er im Trio den nackten Klaviersound an die Elektronik. Das klingt zunächst etwas gefällig, punktet aber dann durch ganz eigenwillige harmonische Rückungen. Interessant.
Da ist Steve Kuhn stilistisch auf einem ganz anderen Dampfer. Der US-Veteran der Tasten, der einst schon mit Ornette Coleman und Don Cherry spielte, ist in der traditionellen Form tätig, ein Mann des Mainstream, jedenfalls hier auf Wisteria (ECM/Lotus). Immer aber ist Kuhn im Vollbesitz der Pointenkräfte und - für unser Thema wichtig - durchaus sanft unterwegs. Explizit lyrisch geht es auch Pianist Tord Gustavsen an. Auf The Well (ECM) ist er im Quartett ein wahrer Meister der Farben und der diskreten Melodik, die allerdings nie ins Überkandidelte abdriftet, immer eine substanzvolle Aussage transportiert. Der Mann aus Oslo ist hier auf der Höhe seiner lyrischen Kunst.
Die nächste Einspielung passt auch wunderbar in die These der neuen Klavierinnerlichkeit, doch leider: Es handelt sich dabei um eine frisch veröffentlichte Botschaft aus der Vergangenheit. Esbjörn Svensson starb 2008 beim Tauchen im Stockholmer Schärengarten. Die Einspielung 301 (ACT) ist ein weiteres Dokument jener Session, die er im Trio im Studio 301 in Sydney aufgenommen hat. Alle Svensson-Qualitäten sind hier zu studieren, der langsame Aufbau der Gedanken, der sanfte Einsatz von Elektronik und der Hang zum poetischen Spiel, der natürlich, wenn es die Dramaturgie erforderte, durchbrochen werden konnte. Erinnerung an einen großen Verlust. (Ljubiša Tošic, Rondo, DER STANDARD, 31.8.2012)
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