Kinderwunsch bei Epilepsie

31. August 2012, 15:06
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Klinische Neurophysiologen warnen vor Fehlbildungen - Valproinsäure-Therapie sollte bei Kinderwunsch vermieden werden

Darmstadt - Epilepsie ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems, etwa 800 000 Menschen in Deutschland und 65000 Menschen in Österreich leiden darunter. Bei Frauen greift die neurologische Störung auch in den Hormonhaushalt ein - sie sind daher weniger fruchtbar als gesunde Frauen.

Heftige epileptische Krampfanfälle können während der Schwangerschaft das ungeborene Kind gefährden. Daher gilt es, die Anfälle bei werdenden Müttern mit speziellen Medikamenten zu verhindern. Jedoch können Antiepileptika dem ungeborenen Leben auch schaden: Neugeborene können ein reduziertes Geburtsgewicht haben und das Risiko für Fehlbildungen verdoppelt sich im Vergleich zu Kindern gesunder Mütter.

Kinder deren Mütter das Antiepileptikum Valproinsäure eingenommen haben, hatten im Alter von drei Jahren einen um neun Punkte niedrigeren IQ als Kinder, die dem Einfluss dieses Wirkstoffs nicht ausgesetzt waren. „Vorsichtsmaßnahmen vor und während der Schwangerschaft können diese Risiken minimieren", betont Noachtar. Der Neurologe vom Münchener Universitätsklinikum Großhadern erklärt, wie Epilepsiepatientinnen bei einer geplanten Schwangerschaft auf Nummer sicher gehen können.

Zuverlässige Verhütungsmethoden wählen

Manche Epilepsiemedikamente beeinträchtigen die Wirksamkeit der Anti-Baby-Pille. So steigt die Zahl der ungewollten Schwangerschaften bei Epilepsiepatientinnen, die mit der Pille verhüten, auf das Doppelte. „Auch hormonhaltige Vaginalringe oder Hormonpflaster wirken nicht zuverlässig ", berichtet Noachtar. Unproblematisch hingegen seien Kupferspiralen, weil sie nicht mit den Medikamenten wechselwirken. Einige Epilepsiepräparate nehmen keinen Einfluss auf orale Verhütungsmittel. „Epilepsiepatientinnen mit Kinderwunsch sollten ihren Arzt ansprechen, ob sie die Medikation umstellen können", rät der DGKN-Experte.

Vor einer Schwangerschaft sollten Epilepsiepatientinnen täglich fünf Milligramm Folsäure einnehmen, um Neuralrohrdefekte wie einen offenen Rücken beim Kind zu verhindern. „Wir empfehlen, diese Einnahme während des gesamten ersten Schwangerschaftsdrittels beizubehalten", so Noachtar.

Epilepsie-Medikamente vor der Schwangerschaft umstellen

Vor allem die Kombination zweier oder mehrer Antiepileptika erhöht das Risiko einer Fehlbildung. Ärzte sollten werdende Mütter daher auf die niedrigste wirksame Dosis möglichst nur eines Medikaments einstellen. „Dafür ist es wichtig, frühzeitig den Medikamentenspiegel zu bestimmen", erklärt der Experte. Entscheidend ist, bei Kinderwunsch rechtzeitig auf geeignete Medikamente umzustellen. Eine Valproinsäure-Therapie sollte, wenn möglich, vermieden werden.

Zur Entbindung sucht die werdende Mutter am besten ein Krankenhaus mit Kliniken für Geburtshilfe, Neurologie und Kinderheilkunde auf. „Von einer Hausgeburt raten wir ab", sagt Noachtar. Gegen eine natürliche Entbindung ist nichts einzuwenden. Jedoch empfehlen Experten der DGKN bei häufig auftretenden heftigen Anfällen einen Kaiserschnitt vornehmen zu lassen. (red, derStandard.at, 31.8.2012)

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    Heftige epileptische Anfälle gefährden ungeborenes Leben.

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