Stevia-Produkte: VKI spricht von Etikettenschwindel

  • Aus den Blättern der Steviapflanze wird das Süßungsmittel Steviolglykosid gewonnen. Industriell verarbeitet, verliert es jedoch das Attribut "natürlich".
    foto: pixelio.de/sigrid rossmann

    Aus den Blättern der Steviapflanze wird das Süßungsmittel Steviolglykosid gewonnen. Industriell verarbeitet, verliert es jedoch das Attribut "natürlich".

Der VKI testete mit Stevia gesüßte Produkte und war überrascht über die weiteren Zusätze

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 36 Produkte getestet, die das seit Dezember 2011 zugelassene Süßungsmittel Steviolglykosid enthalten. Über ein aufwändiges industrielles Verfahren wird der Stoff aus den Blättern der Steviapflanze gewonnen, wobei "Stevia" in Pulver- oder Tablettenform auch häufig mit Konservierungsmitteln (Kalimsorbat oder Sorbinsäure), Stabilisatoren (beispielsweise Alkohol) oder Trennmitteln (Siliciumdioxid) versetzt ist. Von Natürlichkeit also keine Spur, auch wenn das Werbeargument "natürlicher Zuckerersatz" den Konsumenten einen anderen Eindruck vermitteln möchte.

Häufig Zucker enthalten

Neben der viel zitierten "Natürlichkeit", wird auch das Merkmal "ohne Kalorien" vielfach angepriesen. In zehn der 36 geprüften Proben wurde allerdings Zucker gefunden, meistens in Form von Fruktose, Laktose, Apfelsaft oder Apfelsüße. Zudem waren in zwölf Fällen weitere Süßungsmittel - am häufigsten der Zuckeralkohol Erythrit - enthalten. "Es ist schon erstaunlich, dass hier sehr oft andere Stoffe - darunter auch Zucker - für Süße sorgen", meint Franz Floss, Geschäftsführer des VKI. Die Tester empfehlen daher vor dem Kauf von "Stevia-Produkten" einen "kritischen Blick auf die Zutatenliste" zu werfen - nicht zuletzt auch deshalb, weil sie für Diabetiker nur bedingt geeignet sind.

Generell weisen viele der untersuchten Produkte diverse Ballaststoffe wie Inulin, Oligofruktose oder Maltodextrin auf, um das fehlende Volumen auszugleichen. "Steviolglykoside haben keine konservierenden Eigenschaften und es fehlt ihnen an Volumen. Der reine Süßstoff ist daher zum Einkochen beziehungsweise Backen nur bedingt geeignet", erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Katrin Mittl vom VKI.

Im Geschmackstest durchgefallen

Was die geschmackliche Qualität betrifft, so konnten sich die Steviolglykoside-Produkte gegenüber den mit Zucker oder anderen Süßungsmitteln versetzten Kostproben nur schwer behaupten. Geprüft wurde Ketchup, Fruchtjoghurt, Vanilleeis und Milchschokolade. Lediglich ein Joghurt erhielt von den Testern eine bessere Note als die gezuckerte Konkurrenz. Schokolade mit Steviolglykosiden erzielte im Vergleich das schlechteste Ergebnis.

Fazit des VKI: "Stevia ist bei weitem nicht so natürlich wie in der Werbung angepriesen. Es ist kein natürlicher Zusatzstoff, allerdings sind Steviolglykoside nicht besser oder schlechter als andere Süßstoffe. Sie sollten in Maßen genossen werden, denn zu den Auswirkungen einer chronischen Überdosierung des Süßstoffes gibt es noch keine Studien".

Irreführende Kennzeichnung

Seit Juni 2012 gibt es eine Leitlinie des Bundesministeriums für Gesundheit wie "Stevia-Produkte" beworben werden sollten. Demnach wären Bezeichnungen "mit Steviolglykosiden", "mit Steviolglykosiden aus pflanzlicher Quelle" oder auch "mit Süßstoff Steviolglykoside aus Stevia" korrekt. Das tatsächlich verwendete Vokabular der meisten Produzenten, spricht aber eine andere Sprache und enthält "blumige" oder irreführende Formulierungen wie "mit Stevia" oder "natürlich gesüßt". "Jene Hersteller, die mit ihren Produkten noch nicht den Vorgaben entsprechen, haben uns zu verstehen gegeben, dass sie mit Hochdruck an der Umsetzung der Leitlinie arbeiten. Wir sind gespannt und werden im kommenden Jahr genauer unter die Lupe nehmen, inwieweit dies auch erfüllt wurde", so Floss. (red, derStandard.at, 30.8.2012)

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