Andi und Alex: Fastfood-Verbot an Schulen ist Blödsinn

Interview31. August 2012, 13:28
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Die Fernsehköche über "Fetzen" in ihrer Schulzeit und die Notwendigkeit, dass Kinder früh kochen lernen

Andreas Wojta hatte viele Fünfer in seiner Schulzeit. Alexander Fankhauser musste die Matura wiederholen. Im Schulgespräch mit derStandard.at erzählen die Fernsehköche Andi und Alex, wie sie es trotzdem geschafft haben und warum sie schon in der Kindheit wussten, dass sie Köche werden wollen - obwohl sich Fankhauser auch eine Karriere als Autorennfahrer oder Schauspieler hätte vorstellen können. "Ich wollte immer schon in der Öffentlichkeit stehen", sagt er. Die beiden Väter erzählen außerdem, warum sie mit ihren Kindern Fastfood essen und wieso kochen für die Gesellschaft wichtig ist.

derStandard.at: Herr Wojta, Sie schreiben auf Ihrer Homepage, dass Ihre Oma Ihnen immer Wurstknödel gekocht hat, wenn Sie einen "Fetzen" bekommen hatten, und dass es oft Wurstknödel gab. Wie ist es Ihnen damit gegangen?

Wojta: Eigentlich weniger gut. Aber ich habe immer einen Fetzen geschrieben, wenn ich Gusto auf Wurstknödel hatte. Und das war in der Schulzeit leider relativ oft der Fall. Aber die Omi hat mir mit diesem lukullischen Erlebnis so manchen Kummer weggenommen. Ich hätte zwar lieber in meiner Schulzeit weniger Wurstknödel gegessen, aber es ist mir leider nicht gelungen.

derStandard.at: In welchen Fächern hatten Sie die Fünfer?

Wojta: In Leibesübungen ... Nein, Spaß. Da bin ich mit einem Genügend durchgerutscht. Aber das waren diese Fremdsprachen. Französisch, das ist nicht so wirklich meines gewesen. In Englisch habe ich mir auch schwer getan. Besser wäre gewesen, Sie hätten mich gefragt, in welchen Fächern ich gut war.

derStandard.at: Wo waren Sie denn gut?

Wojta: Als ich in die die Gastgewerbefachschule am Judenplatz (in Wien, Anm.) gekommen bin, war ich dann wirklich gut im Kochen. Gott sei Dank hatte ich dieses Fach.

derStandard.at: Hatten Sie auch so viele Fünfer, Herr Fankhauser?

Fankhauser: Fünfer, das kenne ich nicht. Hat es Fünfer gegeben? Ich habe nie einen Fünfer gehabt. Ich habe einmal eine Wiederholungsprüfung gehabt. Das war in der Hotelfachschule. Aber sonst war ich ein sehr fleißiger Schüler. Das einzige Fach, in dem ich nicht so gut war, war Rechnen. Aber da habe ich den Andi, und der hilft mir mit Rechnen, und jetzt bin ich rundherum zufrieden.

derStandard.at: Wann haben Sie gewusst, dass Sie Köche werden wollen?

Fankhauser: Bei mir ist das auf der Hand gelegen. Die Eltern haben einen Betrieb daheim, und man hat immer gewusst: Das Wichtigste in einem Hotel ist Essen und ein freundliches Mitarbeiterteam. Das Kochen, habe ich immer gesagt, das muss ich selber machen. Denn wo findest du einen guten Koch? Heute findet man den eher, aber früher war das nicht so. Ich bin mit der Oma in der Küche gestanden und habe vieles ausprobiert. Die hat immer das Beste für mich gekocht. Da ist die Liebe zum Kochen gekommen.

Wojta: Bei mir war das eigentlich auch von Anfang an klar. Ich war fünf Jahre alt, da hatte meine Mutter das Glück, die Kantine des Unterrichtsministeriums, das Minoritenstüberl, zu übernehmen. Ich bin damals schon in der Küche gestanden und habe mein erstes Geld mit dem Machen von Wurstsemmeln verdient. Da habe ich eine der wichtigsten Sachen fürs Leben gelernt. Meine Mutter hat zu mir gesagt: Es ist immer besser, du machst eine Wurstsemmel mit vier dünnen Blättern Wurst und lässt sie heraushängen, als mit drei dicken Blättern Wurst, und die sieht keiner. Das war eine Lebensweisheit, die ich mir jetzt immer noch zu Herzen nehmen. Auf andere Dinge umgemünzt.

derStandard.at: Es war nie ein anderer Wunsch da?

Wojta: Ich habe als Neunjähriger 70 Kilo gehabt. Deshalb ist aus einem Tennisspieler oder Judoka nichts geworden. Ich hätte nur Sumo-Ringer werden können. Deshalb war der Kochberuf eigentlich für mich vorbestimmt.

Fankhauser: Andere Wünsche hat man genug. Ich wollte einmal Autorennfahrer werden. Das war ein Kindheitswunsch von mir. Ich wollte immer schon in der Öffentlichkeit stehen. Autorennfahrer oder Schauspieler werden, das hätte mir gefallen. Aber wenn man in der Gastronomie groß wird und man den Eltern dankbar dafür ist, dass sie einen aufziehen und in die Schule schicken, dann ist es notwendig, dass man dem Rechnung trägt und den Beruf einschlägt, den sie sich vorstellen.

Ich war in einer Schule, in der man mit Matura abschließt. Viele von uns sind dann studieren gegangen. Bei der Matura bin ich im Frühjahr durchgeflogen, in Geschichte und Geografie. Die Prüferin hat zu mir gesagt: Ein Zillertaler kann Geschichte nicht können, weil der kommt aus dem Zillertal nicht raus. So ungefähr war das bei mir. Ich bin dann gleich nach dem Durchfliegen nach Florenz zum Arbeiten gegangen und habe dort gelernt. Im Herbst bin ich zur Nachmatura wieder nach Hause gefahren und habe sie geschafft. Mit der Note 2. Da haben sie gesagt: Das ist ein Wahnsinn, das müssen wir feiern. Ich habe gesagt: Nein, ich muss zum Zug, weil ich muss morgen wieder arbeiten. So ein braver Bub war ich schon immer.

Wojta: Sagst du.

derStandard.at: Herr Wojta, Sie könnte man sich gut als den Klassenclown vorstellen. Stimmt das?

Wojta: Clowns hatte ich nie so gerne, aber ich war der, der immer noch geredet hat, wenn die anderen ihren Mund gehalten haben. Ich war alles andere als ein braver Schüler. Die Lehrer haben es sicherlich mit mir nicht leicht gehabt. Aber ich bin auch in Erinnerung geblieben. Ich bin, glaube ich, der Einzige, der jetzt in der Albertus-Magnus-Schule immer noch begrüßt wird. Ich bin kürzlich auch an meiner Volksschule vorbeigegangen, da hatte ich damals eine blutjunge Lehrerin, die habe ich zur Weißglut gebracht. Sie hat zu mir gesagt: Du bist doch der, der bei mir war. Ich habe anscheinend Erinnerungen hinterlassen.

derStandard.at: Herr Fankhauser, was haben Sie für eine Rolle in der Klasse gehabt?

Fankhauser: Ich glaube, wir haben ähnliche Rollen gehabt in der Kindheit. Ich war der, der für jeden Spaß zu haben war, und war sehr beliebt in der Klasse. Das muss man sagen. Ich habe da natürlich für das eine oder andere Schmankerl gesorgt. Wir haben eine Gaudi gemacht und die Lehrer ein bisschen hinters Licht geführt. Aber ich bin immer gerne in die Schule gegangen. Das hat uns geprägt. Man muss nicht immer nur Einser haben und ein Vorzugsschüler sein. Das war ich bei Gott nicht. Aber ich habe gewusst, was ich in der Schule lerne, das lerne ich schon für mich auch. Aus diesem Grund habe ich Italienisch gelernt und verstehe ein bisschen Französisch.

derStandard.at: Sie haben beide Kinder. Wie haben Sie entschieden, auf welche Schule sie gehen sollen?

Wojta: Wir wollten immer, dass der Sebastian in der Gegend in die Schule geht. Wir haben wirkliches Glück, dass in Leobendorf ein wunderbarer neuer Schulcampus gebaut worden ist.

derStandard.at: Ist das eine Ganztagsschule?

Wojta: Wir haben die Möglichkeit, den Sebastian halbintern anzumelden, so dass er nach der Schule ins Tagesheim geht und dort verpflegt wird und die Aufgabe mit ihm gemacht wird. Wir können nach der Schule Eltern sein. Das ist das Schönste für Kinder, was du machen kannst. Nach 16.30 Uhr, wenn wir ihn abholen, muss ich keine Aufgabe mehr mit ihm machen, sondern kann einfach nur blödeln.

Fankhauser: Das Glück der Ganztagsschule haben wir im Westen noch nicht. Bei uns ist die Schule am Berg, das ist einzigartig. Da sind die Kinder der ersten und zweiten Klasse noch zusammen, und die der dritten und vierten Klasse. Es gibt wenige Schüler. Aber es gibt eine Begeisterung, wenn der Kleine vom Großen etwas lernen kann. Es herrscht ein richtig familiäres Flair.

derStandard.at: Sind Sie dagegen, dass man kleine Schulen zusperrt?

Fankhauser: Natürlich! Da verlieren wir ein Stück Identität. Man kann nicht alles zusammenlegen. Vielleicht kann man das bei den Postämtern machen, aber die Schulen, das wäre ein Wahnsinn. Da zu sparen, das wäre falsch.

derStandard.at: In viele Schulen wird Kochen unterrichtet. Welche Gerichte sollen die Kinder denn beherrschen?

Fankhauser: Wir haben in der Schule angefangen mit einem Grillwürstel. Das war nicht so schwer. Wir mussten es nur einschneiden, dann haben wir es abgebraten. Ein Teil der Kinder hat den Tisch gedeckt. Was mag jedes Kind? Spaghetti, Nudeln, das kann jedes Kind lernen. Nur, dass sie sich nicht wehtun. Man muss sie langsam heranführen.

Kinder sollten lernen, frische, einfache Gerichte zu kochen. Aber natürlich soll man ihnen nicht sagen: Ihr dürft keine Pommes essen. Meine Kinder kriegen alles von mir, was sie gerade wollen. Alles mit Maß und Ziel. Wenn sie sagen, gehen wir Fastfood essen, dann werde ich mit ihnen dort hinfahren. In der Hoffnung, dass sie mich nicht täglich auffordern, dass wir dort hingehen. Aber ich werde ihnen nichts verbieten. Alles, was verboten ist, wird umso interessanter. Man muss ihnen sagen, dass eine frische Rindsuppe besser schmeckt als eine aus dem Packerl. Das ist wichtig, dass sich die Kinder nicht nur gesund, sondern ausgewogen ernähren.

derStandard.at: Mit welchem Alter sollen die Kinder anfangen zu kochen?

Wojta: So jung wie möglich. Ich habe mit sechs Jahren begonnen, Wurstsemmeln zu machen.

Fankhauser: Das ist schon Kochen?

Wojta: Der Sebastian ist jetzt neun Jahre alt und steht mit mir in der Küche. Da kann man schon was machen. Je früher du Bezug zu dem Ganzen bekommst, desto besser.

derStandard.at: Oft wird der Kochunterricht in der Schule aber auch belächelt.

Wojta: Das war früher.

Fankhauser: In meiner Klasse in der Volksschule war ich einer der einzigen zwei Buben, die anderen waren alles Mädels. Kochen war früher wie Häkeln, wie Handarbeiten. Das war kein Männerberuf. Jetzt ist es modern und es gibt mehr Buben in der Schule, die sich fürs Kochen anmelden, als Mädchen. Das fasziniert uns. Vielleicht haben wir einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass das so modern geworden ist.

Wojta: Kochen ist ganz, ganz wichtig, weil es ein Teil unserer Gesellschaft ist. Essen, gemeinsam Genießen ist ganz, ganz wichtig in der heutigen Familie. Zumindest einmal in der Woche. Ohne Handy, ohne iPad.

derStandard.at: Was sagen Sie zu einem Fastfood-Verbot an Schulen?

Wojta: Das ist ein Blödsinn. Ein Verbot ist nie gut. Der Dialog mit den Kindern ist viel wichtiger. Man muss die Kinder darauf aufmerksam machen, dass es nicht das Gelbe vom Ei ist, sich jeden Tag die Hamburger in die Visage zu stopfen. Ich esse auch gerne einen Hamburger, aber nicht immer.

derStandard.at: Wie kann man gesundes Essen cool machen?

Fankhauser: Indem es wir zwei kochen. Es haben schon viele gefragt, kann man das, für Schulen kochen? In England ist der Jamie Oliver damit auch schon gescheitert. Uns wäre das natürlich ein Riesenanliegen, das zu machen. Nur brauchst du eine breite Zustimmung. Das ist politisch. Man braucht ein offenes Ohr von den Lehrern in den Schulen. Wir wollen uns nicht aufdrängen, so was zu machen.

Wojta: Aber du würdest es schon machen?

Fankhauser: Sicher! Weil man die Schüler begeistern kann. (Lisa Aigner/Rosa Winkler-Hermaden, der Standard.at, 30.8.2012)

Alexander "Alex" Fankhauser (geb. 1974) besuchte die Hotelfachschule Villa Blanka in Innsbruck und schloss diese 1993 mit der Matura ab. Er kochte unter anderem im Hotel Helvetia Bristol in Florenz und im Hyde Park Hotel in London. Ab 1995 arbeitet er als Koch im Restaurant des Spitzenkochs Reinhard Gerer. Seit 2001 betreibt Fankhauser ein Haubenrestaurant im Zillertal.

Andreas "Andi" Wojta (geb. 1971) besuchte drei Jahre lang die Gastgewerbefachschule am Judenplatz in Wien. Danach kochte er im Restaurant Aubergine von Eckart Witzigmann in München. 1995 übernahm er von seiner Mutter das Minoritenstüberl, die Kantine des Unterrichtsminsteriums.

Seit 2008 präsentieren die beiden die Kochsendung "Frisch gekocht mit Andi & Alex" auf ORF 2.

  • Wojta (li.) und Fankhauser sprechen im Video über ihre Noten in der Schule und den Respekt vor Lebensmitteln.

  • Fankhauser war nach eigenen Angaben fleißig in der Schule, Wojta "alles andere als ein braver Schüler".
    foto: derstandard.at/usslar

    Fankhauser war nach eigenen Angaben fleißig in der Schule, Wojta "alles andere als ein braver Schüler".

  • "Man muss die Kinder darauf aufmerksam machen, dass es nicht das Gelbe vom Ei ist, sich jeden Tag die Hamburger in die Visage zu stopfen", sagt Wojta zu einem Fastfood-Verbot an Schulen.
    foto: derstandard.at/usslar

    "Man muss die Kinder darauf aufmerksam machen, dass es nicht das Gelbe vom Ei ist, sich jeden Tag die Hamburger in die Visage zu stopfen", sagt Wojta zu einem Fastfood-Verbot an Schulen.

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