Keynes gegen Friedman: 1:0

Eric Frey
30. August 2012, 12:34

Gelddrucken mag zwar unter anderen Umständen zu hoher Inflation führen, in der heutigen Krise aber sicher nicht

Die vielleicht wichtigste Debatte über die Zukunft des Euro und des weltweiten Finanzsystems wird an einer Front geführt, an der die beiden Seiten durch zwei Giganten der Nationalökonomie repräsentiert werden: John Maynard Keynes und Milton Friedman.

Dabei geht es um die Frage: Werden die lockere Geldpolitik der Federal Reserve und der geplante Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) früher oder später zu hoher Inflation, vielleicht sogar Hyperinflation führen? Das behaupten etwa in den USA die Republikaner und in Europa der Deutsche-Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Die Gegenstimmen sind allerdings genauso laut.

Die Antwort hängt davon ab, wem man glaubt: Friedman oder Keynes.

Für Friedman und seine Anhänger wie den vom STANDARD interviewten US-Ökonomen Allan Meltzer ist Inflation stets ein monetäres Phänomen: Zu viel Geld jagt nach zu wenigen Gütern, die damit gekauft werden können. Wenn eine Notenbank Geld druckt bzw. Liquidität in das Finanzsystem pumpt, um eine schwächelnde Konjunktur zu beleben, dann steigen die Preise und nicht das Angebot.

Für Keynes und moderne Keynesianer wie Paul Krugman ist Inflation ein konjunkturelles Phänomen: Preise steigen, wenn die Gesamtnachfrage in der Wirtschaft stärker ist als das Angebot. In einer Rezessionsphase, in der Kapazitäten brachliegen und viele Menschen Arbeit suchen, wird es daher auch bei einer rasch wachsenden Geldmenge nicht zu Preis- und Lohnsteigerungen kommen. Niedrigere Zinsen, die mit mehr Geld einhergehen, helfen aber, die Konjunktur anzukurbeln.

Wer hat recht? Das gilt heute vor allem als ideologische Frage, sollte es aber nicht sein. Denn ökonomische Debatten sollten durch Fakten und historische Erfahrungen entschieden werden. Aber weil sich die Experten so uneins sind, muss der Bürger, dessen Meinung hier zählt, sich selbst durch die widersprüchlichen Modelle durchschlagen.

Meine persönliche Antwort:

Bei hohen Inflationsraten liegt Friedmans Monetarismus richtig. Steigt die Inflation einmal in den zweistelligen oder gar dreistelligen Bereich, ist es nicht mehr die starke Nachfrage, sondern sind es das ständige Laufen der Gelddruckerpresse und die damit verbundenen inflationären Erwartungen, die den Preisanstieg antreiben. Hohe Inflation geht dann oft mit schwachem Wachstum und sogar wirtschaftlichem Kollaps Hand in Hand.

Aber bei Inflationsraten von zwei oder drei Prozent ist das monetäre Schreckgespenst Unfug. Es gibt kaum ein faktisches Beispiel und auch kein ökonomisches Modell, das zeigt, warum eine temporäre lockere Geldpolitik bei schwacher Nachfrage eine inflationäre Spirale auslöst.

Entscheidend ist hier, ob die Notenbank wieder auf die Bremse steigt, wenn sich die Konjunktur erholt. Monetaristen warnen, dass dies nicht geschieht, weil Notenbanker wie die gesamte Wirtschaft vom billigen Geld abhängig werden und dann wie Drogensüchtige ihr Urteilsvermögen verlieren. Aber das ist ein psychologisch-politisches Argument, kein ökonomisches.

Es gibt keinen Grund zu glauben, dass Fed-Chef Ben Bernanke oder EZB-Präsident Mario Draghi nach einigen Monaten der temporären Geldschwemme sowohl ihre Mission als auch ihr volkswirtschaftliches Wissen vergessen werden. Und da diese Notenbanken von der Politik unabhängig sind - zu sehr für manche Kritiker -, können sie auch von den Regierungen nicht dazu gezwungen werden, diesen Kurs fortzusetzen.

Für das Deutschland der 20er Jahre, das Lateinamerika der 80er und das Simbabwe der letzten Jahre haben die Monetaristen recht. In der jetzigen Situation in den USA und der Eurozone sind ihre Warnungen dagegen unangebracht und sogar gefährlich, weil sie die öffentliche Meinung gegen notwendige Maßnahmen wie den unbegrenzten Ankauf spanischer und italienischer Staatsanleihen durch die EZB aufhetzen.

PS: Die Studie von zwei IWF-Ökonomen, die vorschlägt, das heutige System der Geldschöpfung durch die Banken zu beenden und durch ein System des Vollgeldes, das ausschließlich von den Notenbanken herausgegeben wird, zu ersetzen, ist hochinteressant und sollte eine breitere Diskussion anstoßen.

Zwei Dinge fallen allerdings auf: Das Papier ist keine IWF-Position, sondern die Privatmeinung zweier ihrer Forscher. Es ist gut, wenn der Währungsfonds jungen Forschern den Spielraum gibt, über neue Wege nachzudenken. Was an dem Papier allerdings stört, ist, dass die Autoren, Jaromir Benes und Michael Kumhof, Gegenargumente zum Chicago-Plan der 1930er-Jahre nicht einmal ansprechen. Zu sagen, die Umsetzung in den USA sei nur am Widerstand der Banken gescheitert, ist zu billig.

Gute Ideen setzen sich meist durch oder werden zumindest über die Jahrzehnte ernsthaft diskutiert. Wenn das in 80 Jahren nicht geschehen ist, liegt das vielleicht daran, dass das Vollgeld möglicherweise doch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. (Eric Frey, derStandard.at, 30.8.2012)

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Das Papier ist keine IWF-Position, nur die Privatmeinung 2 ihrer Forscher. Oje, hoffentlich findet man die beiden nicht auf irgend einer Gstettn wieder.

Staaten, um den ihnen seit jeher zustehenden Gewinn aus der Geldsschöpfung zu betrügen, ist das Kerngeschäft der Banken. Sie schulden den Staaten viele Billionen.

Unabhängigkeit, das klingt wie Freiheit. Doch im Fall der "Unabhängigen" EZB wird in orwellscher Neusprech-Manier verschleiert, daß sie selbst zwar die Bargeldmenge (5%) ausdehnt, inflationiert (lat: inflare = aufblähen), aber 95% der Inflation durch Kreditbanken verursacht wird. Ein Kredit ist kein Darlehen, Kredit ist die Geldschöpfung, um die souveräne Staaten unter Androhung von Gewaltmittel erpresst und zur Stillegung ihrer Notenpresse gezwungen wurden.
Die Euro-Kreditvolumenexpansion ist ein Zug ohne Bremsen, ist so gewollt und geplant mit allen Konsequenzen.
Erschütternd

Guten Morgen allerseits!

Das Konzept Vollgeld wird zumindest in den Kommentaren zu den standard-Wirtschaftsartikeln schon seit geraumer Zeit diskutiert. Aber wenn's dann von 2 IWF-Heinis kommt (was mich ja freut), findet's der Frey plötzlich auch hochinteressant. Wer wissen will, was der Frey in einem Jahr noch so alles hochinteressant finden wird, kann hier nachlesen:

www.occupymoney.info

Keynes gegen Friedman gegen Hayek:

1:0:10...

Der Hayek, superLOL

Wer sieht, dass

seit Jahren die Aktien und Immobilienpreise steigen, obwohl die wirtschaftliche Entwicklung nicht da ist und tatsächlich behauptet es gibt keine Inflation, dem kann ich nicht helfen. Ist doch ein Klassiker - zu viel Geld muss irgendwohin fließen - da es nicht in Waren ist, geht es in Anlage - genau das was zur Blase 2008 gefüht hat. Damals floß das billige Geld eben auch in Immobilien - verbriefter Produkte sei Dank gab es auch nie ein Ende...fast...

Ja, der Verbraucherpreisindex, - sprich der Warenkorb, den irgendeine Behörde zusammengestellt hat - steigt nicht. Das wars aber auch schon...

orwellsche volksverwirrung

Staat=Regierung
Kredit=Darlehen
Inflation=Teuerung

Denn ökonomische Debatten sollten durch Fakten und historische Erfahrungen entschieden werden.

http://tinyurl.com/97k6fn9

haha, frey müsste nur die kommentare seiner eigenen kolumne lesen, dann hätter er schon genug dazu gelernt.

jm keynes's

theorie hat sich noch nie bewährt.

die grosse depression in usa wurde erst durch WK2 wirklich beendet ( und wk2 liess die schuldenquote der usa 1945 auf 100% steigen ) - das new deal programm minderte die depression äußerst zögerlich.

in den 70-er jahren war die antwort auf den durch ölschock verursachten konjunkturstopp ein ausuferndes deficit spending. ergebnis ab 1975 - stagflation. erst die dezidierte hinwendung zur geldmengensteuerung ( p volcker in usa ) brach die inflation und führte wieder zu stetigem wachstum.

die politik benutzt seit den 70-er jmKeynes als feigenblatt für ihre ausufernden defizite und geschenke auf pump. von antizyklischem spending/sparen keine spur.

resultat: die katastrophalen aktuellen staatdefizite

das new deal programm minderte die depression äußerst zögerlich

Bis heute ist umstritten, ob der New Deal nicht überhaupt erst die große Depression verursacht hat.

Es gab noch nie in der Geschichte eine so lange und große Depression.

Es gab in der Geschichte davor aber auch noch nie eine einzige Situation wo der Staat aktiv durch Extremverschuldung "gegensteuerte" und versuchte die Konjunktur "anzukurbeln".

Die Konjunktur dümpelte über Jahre dahin. So wie heute übrigens in den USA - die einen Extremstimulus gefahren sind.

In der heutigen Zeit muss man sich besonders fragen, was diese Konjunkturpakete bringen sollen, denn Produkte, die der heimische Konsum hauptsächlich benötigt kommen aus China und Co. und nicht aus Österreich...

Abgesehen von Ihrer ideologischen Verblendung haben Sie keinen Schimmer von der Materie

Sie haben offensichtlich keine Ahnung von der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Die von Ihnen angesprochenen Ausgaben des Staates fließen in die Berechnung des BIP ein. Jetzt zählen Sie 1 + 1 zusammen und stellen sich einmal vor, in welcher Depression die USA ohne dieses Ausgabenprogramm gewesen wären. Nebenbei bemerkt haben diese Ausgaben Multiplikatoren, was deren Effekt auf das BIP verstärkt und gelten als "Game-Changer" was die Abwärtsspirale in einer von einer Rezession geplagten Volkswirtschaft anbelangt.

Natürlich könnte man an dieser Stelle auch die Schwachsinnigkeit der Berechnungsmethodik der VWG diskutieren. Und ob eine Depression wirklich so schlecht wäre? Es würde für die seit 10 Jahren überfällige Bereinigung massivster Misstände der Volkswirtschaften sorgen. Let them fail and start over. Leider muss man ja heutzutage nur groß genug sein, um eine Generalhaftung des Staates (= Steuerzahler) zu erhalten. Oder man muss General Motors oder Opel heißen und für dementsprechende Wählergruppen wichtig sein. Das System ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Mit der defacto Abschaffung des Konkurses für große Firmen ist dem staatlichen Wahnsinn der Bevormundung Tür und Tor geöffnet worden. Natürlich alles unter dem Deckmantel "fürs Gemeinwohl"

Wenn an der Ursache der Depression nichts geändert wird, dann bereinigt eine Depression auch nicht

Bei Ihnen lese ich auch Ideologie aus ihrem Posting heraus. "Wahnsinn der Bevormundung usw". Es gibt nicht die einfache "Lösung" à la Mises. Lass bloß die Menschen machen was sie wollen, und der Gesamtnutzen wird am größten sein. Sie können gern die Existenz des Staates, ob im Wirtschaftskreislauf oder im Setzen von Rechtsnormen negieren. Ergebnis davon würde eine Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung sein, welche weit ineffizienter als unsere heutige ist. Wurzel des Bail-Out Problem ist das Finanzsystem, welche der größte Geiselnehmer der Bürger (=der Staat) ist. Die Unterwanderung der Demokratie aus diesem Bereich macht den Corporate-Sozialismus erst möglich.

Die Idee der Demokratie wurde zwischen Antike und Neuzeit ueber 1000 Jahre nicht diskutiert. So gut kann die Idee der Demokratie dann wohl doch nicht sein, nach Freys Logik.

Die Idee Vollgeld wurde naturlich auch in den 80 Jahren zwischen Irving Fisher und heute vorgebracht, zb von Rolf Gocht, langjaehriges Vorstandsmitglied der Bundesbank, in "Kritische Betrachtungen zur nationalen und internationalen Geldordnung" 1975

Inflationaeres Geldschoepfen fuehrt dann nicht (unmittelbar) zu entsprechender Teuerung wenn das neue Geld nicht nachfragewirksam wird (in der Realwirtschaft), was dann der Fall ist, wenn es gleich in den Spekulationsblasen verschwindet, was dann der Fall ist, wenn es von der Zentralbank "an die Banken" (und von den Banken) geschoepft wird, und gleichzeitig die Realwirschaft die gesamtwirtschafltichen Zinsforderungen nicht mehr decken kann

Vollgeld + Freigeld + freie Wechselkurse (=Kein Euro)

die umsetzung in den usa

ist an den banken gescheitert.
dabei gibt es beispiele aus der geschichte:
die deutsche rentenmark beendete die hyperinflation 1923.
der amerikanische greenback half den usa nach dem sezessionskrieg wieder auf die beine.

vollgeld ist die lösung. die einzige. mit welchem recht drucken bankster geld? das ist eine ungeheuerlichkeit, die umgehend abgeschafft gehört. monetative jetzt!

beider wirtschafsdenke ist net 80 jahre alt

und entspring anderen bedingungen. die affen sollen sich schleichen. 1:0 fuer einen Sturm auf die Wallstreet/ London City - holt euch das Gelt zurueck!

"Meine persönliche Ansicht ...."

einfach so aus dem Bauch heraus? Wow!

Herr Frey, Friedman hat erstens behauptet, dass kurzfristig (ein Paar Jahre lang) neues Geld keine Inflation verursacht, zweitens hat er später (1992) zugegeben, dass kfz. auch andere Ursachen, zB Kostensteigerungen, das Preisniveau erhöhen können (sie müssen nur irgenwann einmal nachträglich durch die Zentralbank validiert werden). Damit behauptete er im Endeffekt praktisch fast dasselbe wie die "Keynesianer". Keynes hat in seiner General Theory behauptet, dass bei Unterbeschäftigung sowohl die Löhne und daher Preise als auch die Produktion steigen (nicht nur Letzteres). Krugman hat mit Keynes nichts zu tun, das ganze Ideengerüst ist völlig unterschiedlich. Sie sollten sich da besser einlesen.

das is wirklich eine sub-standard diskussion hier.

ich möchte zitate sehen !!

marxisten sind eine objektive quelle ... fuer eh alles.

Das ist eine Kopie des Originalbuches. Leider die einzige die online zur Verfügung steht. Lesen können Sie doch, oder?

ein nebenprodukt der sandlerindustrie

eine flexibilitaet im denken, welcher jeder stein uebertreffen wuerde...

also, es kann nur jene beiden geben, nichts anderes ist denkbar, alles klar...

fuer mich ist denkbar, dass erstens alle welche zu reich sind einen gewissen betrag fuers land sparen muessen, weil sparen klingt ja so toll im vergleich zu kuerzen, ich koennte auch schreiben befreien wir jene zu reichen vom terror des kapital...

desweiteren, darf der staat deutllich mehr in infrastrukturprojekte wie schulen, natur und soziales stecken, und am ende des jahres, wird dann bei allen welche zuviel haben eingesammelt an spenden fuer die allgemeinheit...

und alle milliardaere werden freiwillig auf mehr als 99% ihres gesamtvermoegens verzichten, da sie patrioten und edel sind.

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