Jazziges und ein neues Gesicht für die Klassikbranche

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    foto: universal

Neues von Avi Avital, John Pizzarelli, Wolfgang Schalk und Christian Scott

AVI AVITAL
Bach
(Universal)

Neue und herzeigbare Gesichter sucht die Klassikbranche. Und wenn der gefundene Künstler dazu auch noch einen unkonventionellen Blick auf das schöne, altbekannte Repertoire riskiert - umso lukrativer. Nun, Avi Avital spielt Mandoline und geht mit seinem Instrument tatsächlich auf Barockreise. Johann Sebastian Bachs Instrumentalkonzerte BWV 1052R und 1056R wie auch das Konzert BWV 1041 und die Sonate BWV 1034 werden also in Begleitung der respektablen Kammerakademie Potsdam und nach Avitals Transkriptionen für sein Instrument umgesetzt. Und das Wagnis ist es durchaus wert, bemerkt und gehört zu werden. Die Mandoline hat ja im Klang an sich etwas von einem Cembalo, also vom Sound der alten Zeit. Und hier ist Musikalität zugegen: Auch in langsamen Sätzen hört man die sensible, elegante Gangart von Avital regelrecht sanft singen. Wobei: Er spielt eine Mandoline, die Gitarrenbauer Arik Kerman erdacht hat und die klanglich und dynamisch mehr zu bieten hat, als bei diesem Instrument gemeinhin zu erwarten wäre.

JOHN PIZZARELLI
Double Exposure
(Telarc)

Ein Gitarrist und Sänger, der gut und gern auch in den 1950er und 1960ern sein Glück hätte finden können: Allerdings, John Pizzarelli ist ein kultivierter Vertreter des lebendigen kulinarischen Traditionalismus, er glaubt beharrlich an seine Kunst und klingt ziemlich cool in der Nostalgie. Wie er beim Improvisieren seinen deftigen Gitarrenton mit Scat-Gesängen in paralleler Bewegung begleitet, wie unbeschwert er die Beatles-Melodie I Feel Fine umsetzt - das hat was von einnehmender Sonnigkeit. Und: Der Mann sieht die Welt durch die Swingbrille, aber dies mit Geschmack.

WOLFGANG SCHALK
Word Of Ear
(frameup)

Er lebt in Amerika und kommt bisweilen nach Österreich vorbei, wenn er auf Tournee ist. Markant ist sein opulenter Gitarrenton, der auch etwas Poesie versprüht. Schalk setzt aber auch gerne auf rasante, klare Bebop-Linien, und seine Stücke sind ebenfalls prägnante Rahmen für ausgiebige Soli, die auch ein bisschen in der Stilschule von Veteran Pat Martino situiert sind. Das Stück Round Midnight, ein Klassiker, der immer auch ein Test für die Könnerschaft eines Jazzers ist, wird hier mit sensibler Hand recht flott und lapidar neu gedeutet. Eine so kompakte wie elegante CD-Angelegenheit.

CHRISTIAN SCOTT
Ajunde Adjuah
(Universal)

Das kommt insgesamt heftig daher, aber Christian Scotts Ideen sind unterschwellig eher elegisch, und sie breiten sich gerne auf großen Akkordflächen aus. Scott ist einer jener Instrumentalisten, deren Ton jedoch auch knackige Präsenz entfalten kann, einer, der sich aber auf diesen zwei CDs auch Zeit nimmt, Stimmungen zu entwickeln und seine überzeugende Technik sehr musikalisch und dies auch abstrakt umzusetzen. Scott (1983 in New Orleans geboren) ist hier natürlich auch auf der Suche nach seinen Wurzeln, weshalb er sich auch - das Cover zeigt es - eher schillernd kleidet. Es geht um afrikanische und indianische Traditionen, die der Trompeter thematisiert und musikalisch überzeugend umsetzt. (tos, Rondo, DER STANDARD, 31.8.2012) 

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