Es gibt sie noch, die schlichten Dinge

Kolumne |
  • Ein Regenfass aus Frankreich kostet 410 Euro.
    foto: hersteller

    Ein Regenfass aus Frankreich kostet 410 Euro.

Warum es manchmal besser ist, von gewissen Sachen keine Ahnung zu haben

Es gehört zu den schönen Dingen des Lebens, dass man manchmal von ihrer Existenz gar nichts weiß. Man spart sich damit ziemlich viel Geld, das man lieber für Dinge ausgibt, die den Vorteil haben, dass man von ihrer Existenz schon einmal gehört hat.

Doch dann flattern die neuesten "Hausnachrichten" von Manufactum in den Briefkasten, jenes deutschen Unternehmens, dessen Leitspruch "Es gibt sie noch, die guten Dinge" beinahe so bekannt ist wie der Mediamarkt-Spruch "Geiz ist geil". Leider ist die Bekanntheit der Slogans auch schon die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden Anbietern. Bei Manufactum muss man nämlich meistens ganz schön tief in die Tasche greifen.

Regenfässer mit Cognacduft

Dafür bekommt man dann aber zum Beispiel einen Großraumbriefkasten mit einem Fassungsvermögen von 70 Liter oder ein Regenfass aus Frankreich. Letzteres kostet 410 Euro und hat den Vorteil, dass es bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Ein Besitzer, der von der Existenz des schönen Fasses nicht mehr wirklich angetan ist, reicht es jemanden weiter, der von dessen Existenz bisher noch gar nichts wusste.

Dank Manufactum will es der Großstädter, der das Wochenende am liebsten in seinem biodynamischen Landhäuschen verbringt, aber jetzt unbedingt haben. Regenfässer gibt es dort nämlich noch keine, zumindest keine aus Frankreich, welche in ihrem früheren Leben auch noch Cognacfässer waren und deren "Holz von intensivem Cognacduft durchdrungen ist". Da gluckst nicht nur das Regenwasser! Wir sehen: Nichtwissen kann auch ein Vorteil sein. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 31.8.2012)

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