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Aber noch ist ungeklärt, ob Realpolitiker oder Neokonservative seine Politik prägen werden.
Condoleezza Rice ist wieder da. Nach Barack Obamas Wahlsieg war sie so gut wie in der Versenkung verschwunden, aus dem State Department zurückgegangen an die Universität Stanford. Im Hightech-Ambiente des Silicon Valley lehrt sie Politikwissenschaften, auf der nationalen Debattenbühne aber wurde sie nicht mehr wahrgenommen. Das ändert sich gerade: Die 57-Jährige feiert ein Comeback, das sie zum zweiten Mal an die Spitze des Außenamts führen könnte - falls Mitt Romney die Wahl gewinnt.
Auf dem Parteikongress, der Romney in der Nacht zum Mittwoch als Bewerber fürs Oval Office kürte, hat Rice einen Ehrenplatz sicher, ein auffälliges Detail der sorgsam arrangierten Konferenzoptik. Auf der Tribüne sitzt sie neben dem Spitzenmann, und ihre Rede darf sie abends zur besten Sendezeit halten, ein Privileg, wie es nur eine Handvoll Republikaner genießt. Zum einen liegt es an der Achillesferse der Konservativen: Bei Wählerinnen liegt Romney in den Umfragen klar hinter Obama, weshalb er nun Frauen ins Rampenlicht schiebt, seine Gattin Ann, aber eben auch Condi Rice, die erste afroamerikanische Außenministerin der US-Geschichte. Zum anderen bildet die Gelehrte so etwas wie eine Klammer, die zwei Denkschulen im weltpolitischen Beraterteam Romneys zusammenhält.
Einstweilen bleibt offen, wer sich durchsetzen wird. Realpolitiker alter konservativer Prägung gehören der Riege ebenso an wie führende Neokonservative, die 2003 mit dem Einmarsch im Irak den Nahen Osten umstülpen wollten. Die einen betonen die Risiken von Interventionen, etwa im Falle Syriens, die anderen fordern US-Führungsstärke, sprich: ein Eingreifen in aktuelle Konflikte.
Prominentester Neocon in Romneys Beraterteam ist John Bolton, der polternde UN-Botschafter George W. Bushs, der einst in abfälligem Ton verkündete, es mache nicht den geringsten Unterschied, sollten dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen zehn Stockwerke fehlen. Ihm folgt der Historiker Robert Kagan, bekannt geworden durch die These, dass Amerikaner vom Mars kommen und Europäer von der Venus und einander schlicht nicht verstehen. 1997 war er Mitbegründer des "Project for the New American Century", das dem Weißen Haus empfahl, aktiv gegen Staaten vorzugehen, deren Politik US-Inter essen und Werten zuwiderläuft.
Auch Romney spricht oft vom zweiten amerikanischen Jahrhundert, zu dem auch das 21. werden müsse. Zu seinen Leitplanken zählt das Credo, dass Iran unter keinen Umständen eine Atombombe bauen darf, eine Position, die auch Obama vertritt. Was Romney markant von seinem Rivalen unterscheidet, sind überaus scharfe Worte an die Adresse Pekings und Moskaus. China will er schon an seinem ersten Amtstag als "illegalen Währungsmanipulator" an den Pranger stellen, was Kritiker von der Gefahr eines Handelskriegs warnen lässt. Russland bleibt nach seinen Worten Hauptgegner der Vereinigten Staaten, nicht der komplett vom Ölpreis abhängige Papiertiger, als den viele in Washington Moskau sehen.
In der Personalpolitik setzt der Kandidat durchaus auf Zeichen der Mäßigung. Anfang August berief er Robert Zoellick an die Spitze seines Außenpolitik-Stabs, einen alten Hasen, der von 2007 bis 2012 Weltbank-Direktor war. Zoellick gilt als Musterschüler James Bakers, der rechten Hand des alten George Bush, eines nüchternen Managers mit ausgeprägter Abneigung gegen Abenteuer in Übersee. Der junge Bush, George W., machte ihn 2005 zum Vize-Außenminister, zu einer Zeit, als im Irak tiefste Ernüchterung herrschte. Zoellicks damalige Chefin: Condoleezza Rice. (Frank Herrmann aus Tampa /DER STANDARD, 30.8.2012)
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Romney ist eine Fahne im Wind, er dreht und verrenkt sich wann immer es ihm opportun erscheint, egal ob in Sachen Außenpolitik oder Wirtschaft. Ginge es nach ihm, dann würde er persönlich mit Russland und China neue Freihandelsabkommen unterzeichnen, auch wenn dadurch in den USA noch mehr Arbeitsplätze vernichtet würden.
Wer hat denn erst kürzlich seine Syrien-Politik um 180 Grad geändert und schließt ein militärisches Vorgehen in Syrien nun doch nicht mehr generell aus?
http://derstandard.at/134516465... en-Einsatz
Natürlich reiner Zufall, dass Obamas Äußerung einige Tage nach der ersten veröffentlichten Umfrage kam, wo sich eine Mehrheit der US-Wähler für eine militärische Intervention der USA im syrischen Bürgerkrieg aussprach.
Aber ich weiß schon: Wenn Herr Obama seine Positionen aus wahltaktischen Gründen ändert, ist er ein schlauer Stratege. Wenn Mitt Romney seine Meinung ändert, ist er ein Flipp-Flopper.
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