Das Ende der Zivis

Einserkastl | 29. August 2012, 18:24

Wer jemals die Rettung brauchte, weiß, was es heißt, wenn Zivis wegfallen

Woher sind sich die Unterstützer eines Berufsheeres (SPÖ und Grüne) eigentlich so sicher, dass dann nicht ein erheblicher Prozentsatz der Armee aus halben Analphabeten und/ oder Rechtsradikalen bestehen wird? Aber davon abgesehen: Ein Berufsheer würde den Zivildienst und die NGOs, die ihn tragen, massiv schädigen.

Die Organisationen haben denn auch schon Alarm geschlagen: Ohne Zivildiener keine kostengünstigen Rettungseinsätze und Krankentransporte. Wer jemals für sich selbst oder Verwandte die Dienste von Rotem Kreuz & Co in Anspruch nehmen musste, weiß, was es bedeutet, wenn die "Zivis" plötzlich wegfallen.

Ein Jahr Sozialdienst

Sozialminister Rudolf Hundstorfer kontert mit dem Vorschlag, eines "freiwilligen Sozialjahrs": Wer will (und noch kein Rentner ist), kann ein Jahr den Zivildienst machen und kriegt dafür 1300 Euro brutto.

Das könnte ein neuer Weg sein, um die vielen schlecht ausgebildeten (jungen) Leute von der Straße wegzulocken. Im Grunde eine AMS-Maßnahme - mit der zusätzlichen Aussicht, dass nach dem Jahr eine Berufskarriere im Krankenbetreuungs- und Pflegewesen dar aus wird, wo jetzt ein erheblicher Personalnotstand herrscht und in unserer überalterten, ungesund lebenden Gesellschaft noch mehr herrschen wird. So gesehen ist Hundstorfers Vorschlag zumindest ein Ansatz. Man müsste dazu allerdings nicht ein Berufsheer einführen. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 30.8.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 324
1 2 3 4 5 6 7
>> ...dass dann nicht ein erheblicher Prozentsatz der Armee aus halben Analphabeten und/ oder Rechtsradikalen bestehen wird? <<

Ein gerne gebrachtes und scheinbar einleuchtendes Argument pro Wehrpflicht, das aber ganz einfach entkräftet werden kann: Man schaue nur auf die JETZIGEN Offiziere und Einjährig-Freiwilligen beim Bundesheer. Auch heute ist der Anteil der Rechtsradikalen und Waffennarren beim Heer schon erheblich. Traurig, aber wahr. Darabos ist der erste Minister überhaupt, der (ein bisserl) versucht, die rechtsradikalen Strömungen im Bundesheer einzudämmen.

Militär zieht nun einmal Leute an, die wenig in der Birne haben, autoritäre Strukturen mögen und gerne Waffen in den Händen halten. Menschen mit anderer Einstellung wird man kaum zu einem Heer locken können. Man muss eben schauen, dass der Verfassungsschutz das zukünftige Berufsheer im Auge behält.

Sozialausweis für ehrenamtliche Tätigkeiten...

.. nach schweizer Vorbild!

Zwangsdienste sind an sich menschenrechtswiedrig - für das Heer und allenfalls einen Ersatzdienst hat man dafür Ausnahmen vorgesehen

wobei das bei dem Ersatzdienst schon sehr seltsam anmutet denn das ist wieder ein Zwangsdienst in Reinkultur.

Nicht falsch verstehen - ich schätze die Arbeit die da erbracht wird sehr - nur die ist NICHT freiwillig und damit im Prinzip Skalvenarbeit eines kleinen Teils unserer männlichen Bevölkerung.

Durch den Zwangseinsatz von jungen Männern im (ebenfalls öffentlichen) Strassen- und Schienenbau könnte man sicher noch mehr (Steuer-)gelder einsparen aber wollen wir das wirklich?

Also Herr Rau - bitte ein wenig mehr Sensibilisierung hinsichtlich der Menschenrechte wäre bei der Behandlung dieses Themas doch zu erwarten gewesen!

Sklaverei ist nicht, wenn es alle machen!

Schule ist auch keine Zwangsarbeit. Zwangsarbeit und Sklaverei ist ein Verstoß gegen das Menschenrecht, weil gewisse Gruppen diskriminiert werden. Keineswegs ist Zwangsarbeit, wenn alle Staatsbürger in ihrer Jugend eine Zeitlang der Wehrpflicht unterliegen oder dem Zivildienst.
Das Argument für oder gegen die Wehrpflicht sollte sich eher an den Fragen orientieren, ob ein Militär notwendig ist und ob ein Berufsheer eine rechtsextreme Gefahr für die Demokratie sein könnte.

der sinn der wehrpflicht ist es aber nun wirklich nicht, diverse rettungsorganisationen und ähnliche einrichtungen aufrecht zu erhalten, indem sie zugriff auf billigste arbeitskräfte haben! auch wenn die övp (rotes kreuz!) und rau das so sehen...
die wehrpflicht hat eine ausschließlich militärische bedeutung im rahmen der landesverteidigung - oder eben auch nicht. wenn das eben nicht mehr so ist (wie in fast allen anderen europäischen staaten übrigens!), dann kann das "beiwagerl" zivildienst kein argument sein! dann müssen das rote kreuz und wer auch immer, eben leute anstellen und adäquat bezahlen. das kann nicht das problem aller jungen männer sein. ich habe mit ende 20 ZD gemacht, damals 11 monate. verschwendete lebenszeit!

ad argument pflegesteuer:

solange es sich ein staat noch leisten kann, 52% der bevölkerung jedes jahrgangs, Frauen, ÜBERHAUPT nicht stellungs- oder wehrpflichtig zu machen, ist so eine steuer kein thema.

solange es sich ein staat wie ö leisten kann, von den stellungs- u wehrpflichtigen Männern ca 15-20% UNTAUGLICHE mit keinerlei zwangsjob zu beglücken, ist so eine steuer kein thema.

solange es sich eine republik wie ö leisten kann, von den übrigen tauglichen wiederum einige politiker wegen unabkömmlichkeit zu befreien, ist pflegesteuer kein thema.

solange es sich schließlich ein land wie ö leisten kann, von den übrigen Zivildienern gem § 13aZDG wiederum die "theologischen Personen" von der Zivildienstpflicht zu befreien, kann das überhaupt kein thema sein!

Die jungen Leute haben ihre eigenen Berufsvorstellungen...

Die Politike würden sie natürlich gerne zur Altenpflege abkommandieren, zu Billigstttarifen verteht sich denn dann bleibt den Politikern selber mehr. Das wird aber so nicht gespielt. Wer die Alten pflegt kann den Jungen egal sein. Es ist das Problem der Alten und speziell mit einem der vielen Superpensioisten auch noch Mitleid zu haben ist doch ein bißchen viel verlangt.

Für Wien wäre eine Möglichkeit, dass die RTWs von MA70, ASBÖ, RK, JOH und MHDA zwischendurch auch Krankentransporte erledigen.

Einen Patienten in das Wilhelminenspital liefern, dann ins WISPINO auf ein Mittagessen und als Verdauungsfahrt eine Dialyse ins Seniorenheim nach Floridsdorf bringen.

Würde wirtschaftlich aus meiner Sicht zumindest nicht wahnsinnig unsinnig sein, jedoch das wird's nicht spielen, weil:

> die MA70 wird sich wohl nie bereiterklären, auch Krankentransporte zu fahren.
> der Samariterbund in Wien will seine Vormachtstellung im Dialysegeschäft behalten. (m.E. ohnehin nur mit Zivis möglich)
> es ist nicht klug, RTWs neuester Generation anzuschaffen, um damit zum Teil auch KTW-Transporte zu fahren.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich genügend für das freiwillige soziale Jahr melden,

um den Wegfall der Zivis zu kompensieren.

Viele, die heute ehrenamtlich tätig sind, sind es nur, weil sie gezwungen waren dort mal ein paar Monate zu arbeiten - und es ihnen dann so gefallen hat, dass sie es freiwillig weitermachen.

Ich glaube das Ehrenamt würde in Österreich massiv leiden. Außerdem gibt es Katastrophen, wo man einfach eine generalstabsmäßige Abwicklung mit vielen Händen braucht - wie eben Lawinen oder Überschwemmungen. Leider kann man laut europ. MRK Frauen nicht auch zu einem (Halb)-Jahr Zivildienst verpflichten, ich finde ein paar Monate würden keiner und keinem Wehtun.

Ich werde für die Beibehaltung der Wehrpflicht stimmen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass urplötzlich einige hunderte Millionen für den Ersatz der Zivildiener "vom Himmel herabfallen", die vor 2 Jahren angekündige Sozialmilliarde ist nicht einmal richtig öffentlich diskutiert worden, sondern hat sich in Luft aufgelöst, warum soll es plötzlich anders sein ?

Nein, viel problematischer wird ein zukünftiges Berufsheer sein, wo sich zuhauf computergeschädigte "Breiviks" melden werden, die natürlich aufgenommen werden, ein Hochrisikospiel der Demokratie.

Glauben Sie, dass *jetzt* beim Bundesheer jemand abgelehnt wird?
Da ist eher noch bei einem Berufsheer ein professionelles Personalmanagement zu erwarten.

Nur weil junge Männer sich dort sechs Monate herumkommandieren lassen müssen, ist unser Bundesheer kein Volksheer. Auch deshalb nicht, weil viele, die mit Militär nicht soviel anfangen können, Zivildienst machen.
Also wenn Sie so ein Volksheer wollen, dass einen Querschnitt der Bevölkerung darstellt, müssten Sie zuerst die Möglichkeit des Zivildienstes stark einschränken, dann am besten auch Wehrpflicht für Frauen einführen und schließlich wohl den Grundwehrdienst deutlich verlängern, damit GWD im Heer auch strukturell eingebunden und nicht nur Durchläufer sein können.

Zur Klarstellung: Ich liebe das chaotische Bundesheer, weil dies die beste Prävention für den Frieden darstellt.

Angst macht mir ein professionelles Heer, dass durch die professionelle Ausschaltung der Gefühlswelt knallhart und ohne Pardon tötet.

So wie in Malta oder Irland?

der zivildienst ist

neben dem kennenlernen von etwas völlig neuem auch eine weitere möglichkeit, in soziale berufe hineinzuschnuppern.

ich persönlich kenne zwei ex-zivis, die dann im sozialbereich einen beruf ergriffen haben, weil inspiriert vom zivildienst!

der zivildiest - eine gute und wichtige einrichtung also!

Das Problem ist, dass (verpflichtender) Zivildienst nur als Ersatzdienst für den Wehrdienst möglich ist.
Es eine etwas verschlungene Argumentation zu sagen, man brauche die Wehrpflicht, damit es Leute gibt, die keinen Wehrdienst machen wollen und daher Zivildienst machen müssen.

Rauchser, so what?

Klar werden Zeit- und Berufssoldaten auch künftig keine feisten Intellektuellen sein, wie Herr Rauscher einer ist...

Aber es sind schon jetzt zu einer überwiegenden Mehrheit keine waffennarrischen Faschos.

Und: Warum macht sich eigentlich bei unserer "Berufs"-Polizei niemand Gedanken, ob die den Querschnitt der Bevölkerung abbildet???

Nur mal so dahingefragt...

Was für ein Skandal

Die Rettungsunternehmen und andere vermeintliche Wohltäter müssten dann die Arbeit bezahlen und den Arbeitern auch noch Rechte zugestehen. Außerdem könnten sie nicht mehr alles Geschäft an sich reissen und normal wirtschaftende Betriebe mit unlauterem Wettbewerb niederkonkurrenzieren. Das wäre schon eine ausgemachte Frechheit sowas...

Das da oben ist kein Kommentar

sondern die Bankrotterklärung eines Journalisten, der bis dato immer so getan hat als sei er liberal und westlich orientiert. Jetzt "argumentiert" er in einem hanebüchenen und rückschrittlichen SED-Stil...

oje, jetzt müssen die so toll wirtschaftenden rettungsunternehmen

die das geld eh hint und vorn reingschoben kriegen mit spenden usw doch tatsächlich eventuell richtige arbeitskräfte einstellen statt zivildiener die man kaum zahlen muss und gut schikanieren kann

ein skandal

wenn das so weitergeht wird soziale arbeit auf einmal auch noch was wert anstatt von unfreiwilligen hilfskräften gratis erledigt zu werden, wo kommen wir denn da hin?

dann hat die bezirkstelle in meiner zeit noch ca. dreimal soviele zivildiener angefordert wie benötigt

wieso auch nicht, kosten ja kaum was

ergebnis war dass sie mühe hatten uns allen überhaupt dienste zu geben und dass jeden tag vier leute rumgestanden sind die dann halt jeden tag die ganze garage geputzt haben...

natürlich hat man sich nebenbei noch anmüffeln lassen können dass man faul sei wenn man nur rumgestanden ist ohne was zu tun zu haben

und ich bin extra nicht zum heer um mich nicht von idioten für sinnloses zeug rumkommandieren zu lassen... den fehler würd ich nicht mehr machen...

muss aber dazusagen dass die bezirksstelle schwaz damals in ganz tirol verschrien war, war also hoffentlich nicht überall so arg...

konkretes beispiel zum roten kreuz aus meiner zivizeit

rotes kreuz tirol landesstelle schwaz, jahr 2000

man besitzt 12 RTWs (rettungswagen) und einen KTW (krankentransportwagen) obwohl nicht einmal 5% der täglichen fahrten rettungseinsätze sind, der grossteil ist altenheimtaxi und dialysefahrten

die RTWs sind ausgerüstet um einen halben weltkrieg zu versorgen, das zeug hat alles ein ablaufdatum und wird dann regelmässig weggeschmissen, brauchen tut mans schliesslich praktisch nie weil wenn ein einsatz ist dann fährt ohnehin der notarztwagen mit und verwendet seine ausrüstung

während meiner aktiven zeit wurde dort die ausrüstung der RTWs gegen den widerstand der meisten hauptamtlichen gottseidank um ca. 70% reduziert, war aber immer noch exzessiv...

Haben Sie schon mal was vom KHD gehört?

Klar kann man einen Schönwetter-Rettungsdienst betreiben, in dem man gerade so viele RTWs hat um das normale Aufkommen zu bewältigen und damit Geld sparen.

Blöd ist es dann halt, wenn mal einer zB einen Reisebus schmeißt und man 40 Verletzte auf einmal da liegen hat.
In so einer Situation werden die Krankentransporte eingestellt und die Autos fahren dort hin. Da wäre es dann schon von Vorteil, wenn das RTWs sind mit denen man auch was anfangen kann und keine KTWs.

Vieles was hier nach Verschwendung aussieht dient der Bewältigung von Ausnahmesituationen.

genau das ist dann als argument gekommen

in meiner zeit war nämlich ein reisebusunfall auf der inntalautobahn

aber da sind dann alle rettungen von mehreren bezirken hingfahren. so was passiert ja nicht so oft. das ist schon mehr die argumentation von lokalfeuerwehren die auch immer die grössten autos haben wollen, sinn sei dahingestellt

und wer wie ich selber bei der rettung war

weiss dass es da nicht um die noteinsätze geht

der überwiegende anteil der transporte sind altersheimtaxifahrten mit leuten die wenn sie sich noch artikulieren können gar nicht so selten den wunsch äussern lieber endlich sterben zu dürfen anstatt jeden tag zu einem anderen arzt gefahren zu werden

aber so profitiert halt die gesundheitsmafia... und dann die hohen kosten auf die ausländer und asylanten schieben, eh scho wissen

Vergütung eines Zivildieners

Grundvergütung derzeit :
301,40 Euro pro Monat (ab 01.02.2012)

Grundsatz der Naturalverpflegung:
Der Rechtsträger einer Einrichtung hat dafür Sorge zu tragen, dass die Zivildienstleistenden angemessen verpflegt werden.

Dazu fällt einem ein das Mantra der Neokonservativen : Was nichts kostet ist nichts wert.
Besser vermutlich lt. Minister Hundstorfer:
1.300 Euro Mindestkollektivvertrag, voll sozialversichert - Zivilidienstersatz soll auch Frauen offen stehen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 324
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.