Syriens Opposition ringt mit sich und bleibt gespalten

Analyse | Gudrun Harrer
29. August 2012, 18:35
  • Die Politologin Basma Kodmani, Mitglied der ersten Stunde im Syrischen Nationalrat, konstatiert dessen Versagen. Foto: dapd
    foto: alexander zemlianichenko/ap/dapd)

    Die Politologin Basma Kodmani, Mitglied der ersten Stunde im Syrischen Nationalrat, konstatiert dessen Versagen. Foto: dapd

Berliner Gruppe legt Papier vor - Sprecherin Basma Kodmani verlässt den Syrischen Nationalrat

Damaskus/Wien - Ein beeindruckendes Dokument (siehe Webtipp) hat jene Gruppe syrischer Oppositioneller vorgelegt, die seit Jahresbeginn an der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin ihre Vorstellungen von "The Day After" in Syrien erarbeiteten. Gleichzeitig legt das 133 Seiten starke Papier, obwohl es eine Demonstration der Einigkeit sein soll, genau jene Wunden offen, an denen die Opposition leidet.

Im Vorwort steht, dass nicht jede Empfehlung von jedem Mitglied der Gruppe mitgetragen wird. Das Papier bleibt demnach ein Beitrag - der umfassendste - zur Debatte, wie ein neues Syrien aussehen soll. Den Weg für die unmittelbare Zukunft weist es nicht. Man tut sich leichter, über die Stunde null zu sprechen.

Irrelevanz

Die Berliner Gruppe war relativ breit aufgestellt, ob sie damit "die Syrer" vertritt, weiß sie wohl selbst nicht. Die Zerfallserscheinungen des anfangs vom Westen gehätschelten Syrischen Nationalkongress (SNC), der selbstverständlich in Berlin präsent war, konnten auch durch einen Führungswechsel - weg vom umstrittenen Burhan Ghalioun zum syrischen Kurden Abdelbasset Sida - nicht aufgehalten werden. Basma Kodmani, Sprecherin und damit Gesicht des SNC und Teilnehmerin in Berlin, gab am Dienstag ihren Austritt bekannt: Der SNC habe versagt. Die Irrelevanz des SNC wurde bestätigt, als vor gut zwei Wochen Außenministerin Hillary Clinton bei einem Besuch in Istanbul ein Treffen mit SNC-Vertretern verweigerte.

Fast jedes Land ist mit seiner eigenen Oppositionellengruppe im Gespräch, wobei die Langzeit-Exilsyrer diese Gruppen naturgemäß dominieren - Kodmani etwa hat Syrien im Alter von zehn Jahren verlassen. Eine Lektion aus der Irak-Geschichte ist - oder sollte sein -, dass vom Westen, zumal den USA, favorisierte Exilanten meist keinen Rückhalt in ihrem Ursprungsland haben. Die Gründung einer Exilregierung und ihre Anerkennung ist demnach problematisch - umso erstaunlicher, dass Frankreich vorprescht und die Anerkennung einer Exilregierung verspricht, ohne irgendwelche Kriterien zu nennen.

Uneinig und konfliktanfällig

Als glaubwürdigste Vertreter der Opposition in Syrien selbst werden die LCCs, die Local Coordination Committees, angesehen. Ihr Netzwerk ist über alle aufständischen Orte gespannt - ihre ursprüngliche Aufgabe, den Widerstand zu organisieren, ist jedoch vom Krieg längst deformiert worden. Wie viel die Suprematie der Gewalt von ihnen überlässt, wird man sehen.

Analysten beschreiben auch die kämpfende Opposition in Syrien als uneinig oder zumindest nicht unter einem Kommando stehend. Als größte und am besten organisierte Kraft beschreibt der Economist die Tawhid-Brigade in Aleppo, die unter einer rotierenden Führung steht. Das mag zwar im Moment funktionieren, ist aber konfliktanfällig. Auch die Zugehörigkeit zur "Free Syrian Army" (FSA) ist oft nicht mehr als eine "Marke" und bedeutet nicht, dass man Befehle von dort erhalten oder ausführen würde.

Spender aus den Golfländern

Auch Auseinandersetzungen einzelner bewaffneter Rebellengruppen beziehungsweise deren Führern sind bereits bekannt. Und der Fall Libyen lehrt, dass in dem Moment, wo das gemeinsame Ziel fehlt - das heißt, wenn das Regime gestürzt ist - pünktlich Verteilungskämpfe zwischen denen, die die Waffen haben, ausbrechen.

Noch immer ist die Frage nicht klar zu beantworten, wie "islamisch" die Opposition in Syrien ist - von den ebenfalls vermehrt aktiven jihadistischen Gruppen abgesehen, die Syrien und den Irak als einen einzigen Schauplatz betrachten. Die bewaffneten Gruppen in Syrien haben oft Namen aus der sunnitischen - im Sinne von antischiitischen - Geschichte, die aber auch so gewählt sein mögen, weil mit ihnen leichter Gelder von sunnitisch motivierten Spendern aus den arabischen Golfländern lukriert werden können. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 30.8.2012)

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21 Postings

<<<Als größte und am besten organisierte Kraft beschreibt der Economist die Tawhid-Brigade in Aleppo>>>

Diese Kommandos kommen aus dem Umland von Aleppo und dürften massiv von der Türkei aus ausgebildet und ausgerüstet worden sein und mit reichlich Söldnern angereichert sein

Vermutlich kommt sie deshalb bei vielen Aleppinern weniger gut an als die lokalen Komitees in vielen anderen Städten.

Also lässt sich zusammenfassen. Die Oppositionen sind uneinig, jeder will seine Vorstellungen durchsetzen. Die "Rebellen" machen ihr eigenes Ding.

Absolutes Chaos! In den APA Aussendungen wird aber immer noch der Freiheitskampf befeuert, obwohl doch schon längst absehbar ist, dass Syrien in das selbe Chaos stürzen wird wie Irak und Libyen.

Wie sagte der Gotteskrieger George W. Bush so schön "Mission Accomplished". Diese Aussage bekommt angesichts der Verhältnisse im Irak eine ganz neue Bedeutung und wird wohl weiter vollführt. Eine ganze Region ins Chaos stürzen. Oder ist das etwa die prophezeite "New World Order", die Papa Bush schon ankündigte.

Daran ist hauptsächlich Assad schuld, der an seinem Sessel klebt. Der hat Angst um seinen Sessel und verweigert jeden ernsthaften Dialog.
Lieber wird Gewalt gegen Dissidenten angewendet.
Was rauskommt, ist jetzt zu sehen.

Sie tun mir leid, weil Sie doch gar keine andere Wahl haben, als ...

...alles Assad alles in die Schuhe zu schieben, denn Ihre Freunde oder wer auch immer sind zerstritten bis es nicht mehr geht.

Haben sie den andere Lösungen parat???????

Immer Assad muß weg - cool, super, klasse.

Und danach???

Zustände wie in Libyen, Mali, Jemen, Afgahnistan - soll so die Zukunft Syriens aussehen???

Ich denke nein!!!

Daran denken Sie nicht wie die Vergangenheit lehrt - so kurzsichtig, kriegsgeil, zerfressen von Religionshass wie Sie sind. Aber Ihr Arbeitgeber ist bestimmt mit Ihnen zufrieden.

1 mal quer durch alle Meinungen

Als ich noch vor wenigen Jahren mit einem Freund auf der Terasse unseres Hauses in Maadamieh saß, erklärte unser Freund die Gemütslage der Syrer, welche nicht zur Führungsschicht gehörten.

Er beschrieb die Lage mit einem Glas, welches sich immer mehr füllt, bis es überläuft.

Wie eine neue Regierung aussehen sollte, konnte auch unser Freund nicht beschreiben.

Eben neu!

Den Vorhalt, daß die Syrer eben auf Bürgerbasis mit den Änderungen beginnen müßten ließ er nicht gelten.

Die Regierung müsse das machen.
Diese in den meisten Köpfen der Syrer verankerten Meinung schließt einen demokratischen Prozess aus.

Änderungen mit Gewalt? Ebenfalls eine für Syrer nicht gangbare Option.

Pepi Berger

honzo - bin wieder da

Ihre Antwort zeigt Ihr wahres Dilemma auf.

Es ist nicht die Frage, dass Assad an seinem Sessel klebt und einen ernsthaften Dialog verweigert. Er wird gehen wenn die Sache ausgestanden ist und eine faire Wahl ohne Krieg stattfinden kann. Aber wenn die Wahl anders ausfällt als von ihnen gewünscht ist sie ja gefälscht - vorsorglich unterstellt. Denn Ihre sogenannten Aktivisten führen lieber Krieg - man will einen totalen Krieg gegen Syrien, gegen die Syrer selber. Leider will die Opposition Gewalt anwenden - gegen Andersgläubige, gegen eigene nicht Ihnen genehme Gläubige. Dass ist was rauskommt wenn man statt auf Dialog setzt lieber Krieg spielen will.

Und - Ihre Kommentare strotzen von:
Kriegsgeilheit,
Rassenhass,
Religionshass

wäre assad jr auf die unzufriedenheit im land und auf die forderungen der demonstranten im märz und april 2011 wirklich eingegangen und hätte nicht seinen blindwütigen bruder maher mit seinen truppen losgeschickt, und hätte er einen echten dialog mit der friedlichen opposition gesucht, dann wäre es nie zu dieser gewaltsamen eskalation gekommen

Milchmädchenrechnung

Ohne auf Fakten der jüngsten Vergangenheit einzugehen kann man natürlich die absurdesten Aussagen treffen.

Wer hat mit seinen Forderungen die Wirtschaft in Syrien kaputt gemacht?

Beispiel: Mittelmeeranreinerzollunion.

Syrien hätte nur mitmachen dürfen wenn:

1. Mehrwertsteuer eingeführt worden wäre (rudimentär eingeführt)
2. Einkommen auf europ. Niveau Gehalt der Staatsangestellten wurde um 75% angehoben, Private blieben auf der Strecke und verarmten.
3. Öffnung der Wirtschaft (Assad holte dafür Hrn. Dadari, ein Experte für Liberalisierung von Märkten, danach Wirtschaftscrash)

Diese Forderungen wurden von Frau Merkel und Herrn Sarkozy aufgestellt.

Assad ist nicht mehr Menschenfeund als europ. Politiker. Doch anderen Interessen im Weg

behaupten Sie

ohne waffenlieferungen kann es keine gewaltsame eskalation geben, behaupte ich
siehe bahrain, saudi-arabien

Welche Waffenlieferungen? Wann kommen endlich mal Beweise?

oh ja, es wird ja friedlich demonstriert

mit AK-47, MG's, Raketen, Hinrichtungen Andersgläubiger, Massakern - oh, T'schuldigung, sind ja immer die anderen die anfangen.

Und selbstverständlich werden keine Waffengeliefert, wird nicht bezahlt aus Katar und SA - alles lügen der anti-westlichen und pro-assad Presse.

Oh Ja - wenn Dummheit quitschen würde müssten Sie den ganzen Tag mit einer Ölkanne rumrennen - natürlich gesponsort von SA.

für wie blöd halten Sie uns eigentlich?????????

welche art von beweis

würde Sie befriedigen?

hier, ein youtube video, für Sie.
da stehen Sie ja drauf.
http://tinyurl.com/c8rz9pm

darauf stützt sich meinebehaubtung

Das ist aber eine Doku zu Bahrein.
Was soll das mit ihren Behauptungen zu tun haben?

ein aufstand, ohne waffen, wird niedergeschlagen.
eine gewaltsame eskalation ist nicht möglich, siehe bahrain. das regime behält die oberhand
ohne waffenlieferungen gibt eskeinen krieg
http://tinyurl.com/7eor7zt

Das sollen Beweise sein?

Wo sind ihre Beweise für Waffenlieferungen?
Wo?
Wie immer Behauptungen ohne Beweise.

WO sind Ihre Beweise das es nicht so ist????????

http://derstandard.at/plink/134... 4/27725403

Der behauptet ja was, ohne Beweise, und wenn man danach fragt, kommt NICHTS.
Wo sind denn die Beweise, oder schwafelts ihr immer bar jeden Wissens und jeder Evidenz?

deswegen ja auch meine frage:

"welche art von beweis
würde Sie befriedigen? "

der logik (keine waffen->kein krieg) scheinen Sie nicht folgen zu können.
undder artikel in der faz
" CIA koordiniert Waffenlieferungen nach Syrien "
http://tinyurl.com/7eor7zt
ist auch nicht gut genug.
was wollen Sie?

der logik (keine waffen->kein krieg) scheinen Sie nicht folgen zu können.

In Syrien gibt es eine Fülle an Waffen und sämtliche werden eingesetzt.
Von wem?

Sagen dann immer die, die keine Beweise haben.
Offensichtlich gelogen.

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