Ex-Bürgermeister von Bogotá verhandelt mit FARC-Guerilla

Kolumbiens Präsident ernennt den Grünen-Politiker "Lucho" Garzón zu seinem Unterhändler

Nachdem Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos am Montag enthüllte, dass auf Kuba geheime Friedensverhandlungen zwischen Vertretern seiner Regierung und der linken FARC-Guerilla laufen, ernannte er am Dienstag einen neuen Verhandler. Luis Eduardo "Lucho" Garzón, von 2004 bis 2007 Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá und später Gründungsmitglied der kolumbianischen Grünpartei, erhält den Rang eines Ministers und soll der Regierung dabei helfen, "die Menschen zu mobilisieren und unsere Botschaft zu überbringen", sagte Santos.

Vom Golfcaddy zum Bürgermeister

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Garzón, der während seines Jusstudiums als Golfcaddy arbeitete und dann Karriere in der Gewerkschaft CUT machte, brach bei seiner Wahl zum Hauptstadtbürgermeister mit 700.000 Stimmen einen Rekord. Seine Popularität wuchs durch Bildungs- und Ausspeisungsprogramme für bedürftige Bevölkerungsschichten weiter. Bei Bogotas Autofahrern machte er sich allerdings unbeliebt, als er private Firmen beauftragte, falschparkende Autos mit einer Radklammer zu versehen und an die Behörden zu melden. 

Die offiziellen Verhandlungen zwischen Regierung und Aufständischen sollen am 5. Oktober im norwegischen Oslo beginnen. Beide Seiten hüllen sich bezüglich etwaiger Vorbedingungen und bereits erzielter Übereinkünfte in Schweigen. Hoffnungen auf eine schnelle Lösung sollte man sich allerdings nicht machen: in einem vergleichbaren Fall, dem Chapultepec-Prozess, der schließlich zur Beendigung des Bürgerkrieges im mittelamerikanischen El Salvador führte, dauerten die Gespräche drei Jahre.

Umfrage: 74 Prozent unterstützen Dialog

Ex-Präsident Álvaro Uribe, der noch am Montag seinem Nachfolger Satos per Twitter vorwarf, dass er mit den Friedensverhandlungen "die Sicherheit des Landes gefährde und den Farc-Terroristen erlaube, erneut Kräfte zu sammeln", steht mit seiner Meinung jedenfalls relativ allein da: in einer von der Zeitung "El Tiempo" veröffentlichten Umfrage des "Centro Nacional de Consultoría" gaben 74,2 Prozent der Befragten an, den Dialog zu befürworten. Die Meinungsforscher befragten 600 Personen in den Großstädten Bogotá, Medellín, Cali, Barranquilla und Bucaramanga. (Bert Eder, derStandard.at, 29.8.2012)

  • FARC-Kämpfer (Archivbild)
    foto: reuters/jaime saldarriaga/

    FARC-Kämpfer (Archivbild)

  • Archivbild aus dem Jahr 2007: Bürgermeister "Lucho" Garzón übergibt dem damaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler die Schlüssel der Stadt.vergrößern (600x495)
    foto: epa/ricardo maldonado

    Archivbild aus dem Jahr 2007: Bürgermeister "Lucho" Garzón übergibt dem damaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler die Schlüssel der Stadt.

Share if you care.