Ex-Bürgermeister von Bogotá verhandelt mit FARC-Guerilla

  • FARC-Kämpfer (Archivbild)
    foto: reuters/jaime saldarriaga/

    FARC-Kämpfer (Archivbild)

  • Archivbild aus dem Jahr 2007: Bürgermeister "Lucho" Garzón übergibt dem damaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler die Schlüssel der Stadt.
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    foto: epa/ricardo maldonado

    Archivbild aus dem Jahr 2007: Bürgermeister "Lucho" Garzón übergibt dem damaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler die Schlüssel der Stadt.

Kolumbiens Präsident ernennt den Grünen-Politiker "Lucho" Garzón zu seinem Unterhändler

Nachdem Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos am Montag enthüllte, dass auf Kuba geheime Friedensverhandlungen zwischen Vertretern seiner Regierung und der linken FARC-Guerilla laufen, ernannte er am Dienstag einen neuen Verhandler. Luis Eduardo "Lucho" Garzón, von 2004 bis 2007 Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá und später Gründungsmitglied der kolumbianischen Grünpartei, erhält den Rang eines Ministers und soll der Regierung dabei helfen, "die Menschen zu mobilisieren und unsere Botschaft zu überbringen", sagte Santos.

Vom Golfcaddy zum Bürgermeister

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Garzón, der während seines Jusstudiums als Golfcaddy arbeitete und dann Karriere in der Gewerkschaft CUT machte, brach bei seiner Wahl zum Hauptstadtbürgermeister mit 700.000 Stimmen einen Rekord. Seine Popularität wuchs durch Bildungs- und Ausspeisungsprogramme für bedürftige Bevölkerungsschichten weiter. Bei Bogotas Autofahrern machte er sich allerdings unbeliebt, als er private Firmen beauftragte, falschparkende Autos mit einer Radklammer zu versehen und an die Behörden zu melden. 

Die offiziellen Verhandlungen zwischen Regierung und Aufständischen sollen am 5. Oktober im norwegischen Oslo beginnen. Beide Seiten hüllen sich bezüglich etwaiger Vorbedingungen und bereits erzielter Übereinkünfte in Schweigen. Hoffnungen auf eine schnelle Lösung sollte man sich allerdings nicht machen: in einem vergleichbaren Fall, dem Chapultepec-Prozess, der schließlich zur Beendigung des Bürgerkrieges im mittelamerikanischen El Salvador führte, dauerten die Gespräche drei Jahre.

Umfrage: 74 Prozent unterstützen Dialog

Ex-Präsident Álvaro Uribe, der noch am Montag seinem Nachfolger Satos per Twitter vorwarf, dass er mit den Friedensverhandlungen "die Sicherheit des Landes gefährde und den Farc-Terroristen erlaube, erneut Kräfte zu sammeln", steht mit seiner Meinung jedenfalls relativ allein da: in einer von der Zeitung "El Tiempo" veröffentlichten Umfrage des "Centro Nacional de Consultoría" gaben 74,2 Prozent der Befragten an, den Dialog zu befürworten. Die Meinungsforscher befragten 600 Personen in den Großstädten Bogotá, Medellín, Cali, Barranquilla und Bucaramanga. (Bert Eder, derStandard.at, 29.8.2012)

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16 Postings
Endlich wird verhandelt

Der Knack wird sein wie die beiden Parteien die Einnahmeausfälle kompensiert bekommen. Also die FARC die Drogeneinnahmen und die Regierung die vielen Miliarden der USA zur Bekämpfung der FRAC und Drogen.
Ich hoffe trotzdem inständig dass es zu enem Erfog wird vorallem für die Menschen dort.

warum sollten die amis wegen der verhandlungen gelder streichen?

Nicht während der Verhandlungen

sondern dannach wenn es zu eine Frieden kommen könnte. Wozu soll die USA dann noch dafür zahlen?Wovon leben all die Soldaten Funktionäre Politiker usw. die Ihre Rechtfertigung und Bereicherung durch die Anwesenheit der FRAC haben wenn es sie nicht mehr geben wird. Was ich inständig hoffe. Wovon leben die FARC Leute die vorher gut verdient haben Drogen Waffenhabdel Entführung usw.?

Das wird die Herausforderung um eine Einigung zu erzielen. Sieh die Entwaffnung der PARAS die meisten wussten nicht was machen und haben unter neuem Namen oder unter neuer Führung wieder angefangen. Geld und Macht sind halt meistens attraktivere Argumente als Frieden, Solidarität und Anstand Leider.
Na dann hoffen wir mal dass das was wird

Frieden für Kolumbien!

Wo sind die Zeiten, als noch internationale Bemühungen zu den verschiedensten Friedensbemühungen in Wien stattfanden!

wäre unter uribe unvorstellbar gewesen. gut also, daß es zum machtwechsel und standpunktwechsel gekommen ist.

Wenn Norwegen im Hintergrund mitmischt droht Mißerfolg:(

Norwegen, das gerne im Hintergrund Friedensgespräche einleitet und moderiert, hat schon zweimal versagt.
Einmal beim Israel/Palästina Konflikt und unlängst beim Sri Lanka/Tamilen Konflikt.
Statt aber öffentlich aufzuarbeiten was bei den Verhandlungen schief gelaufen ist werden nach Mißerfolg die Akten als geheim weggeschlossen und der Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet.

inwiefern hat norwegen bei israel/palästina versagt?

Norwegen hat nicht weitergearbeitet und die politische Dimension weit unterschätzt. Norwegen könnte es sich leisten eine laufende kritische öffentliche Evaluierung der Israel/Palästina Politik zu betreiben. Macht es leider nicht.
Hauptschuldig für die derzeitige Unterdrückunssituation der Palästinenser sind natürlich die rechtskonservativen Parteien in Israel. Die wollen und brauchen keine politische Lösung, da Israel auf Grund seiner militärischen Stärke, z.b. 100 Atomraketen, die ganzen Nachbarn in Grund in Boden bomben kann.

na ja, ab einem bestimmten zeitpunkt haben aber die USA das kommando übernommen und norwegen nicht wirklich mehr eine rolle gespielt. dort, wo norwegen eine führende rolle gespielt hat (1993), hat es sie meiner meinung nach gut erfüllt. als dann 1996 die wende zu netanyahu kam, war norwegen nicht mehr wirklich ein player in der ganzen angelegenheit, da hatte clinton die sache an sich gerissen. halte deswegen den vorwurf an norwegen für nicht wirklich berechtigt. und auch clinton kann man mangelnde bemühung nicht vorwerfen, wirklich schlimm wurde es dann 2001 nach den machtübernahmen von bush einerseits und sharon andererseits.

Ich finde es wichtiger dass solche gespräche vertraulich sind - egal wie sie enden.

Da hat die Öffentlichkeit nichts drin verloren.

Die Generation Facebook kann den Sinn von Privatssphäre und Vertraulichkeit wohl wirklich nicht mehr nachvollziehen ...

fraglich, ob das in kolumbien so ablaufen wird..

"Die Verhandlungen werden hinter verschlossenen Türen geführt, obwohl Vorschläge und Inputs von den BürgerInnen berücksichtigt werden und der Verhandlungstisch gemeinsame Berichte herausgeben wird, meldete Radio RCN."
http://www.ipsnews.net/2012/08/c... slo-accord
wird sich natürlich erst zeigen müssen, in welcher form die öffentlichkeit sich beteiligt und ob diese inputs tatsächlich einen einfluss haben werden, aber völlig geheime verhandlungen scheinen in kolumbien nicht beabsichtigt zu sein.

Natürlich ist es positiv, wenn endlich geredet

statt geschossen wird.
Einerseits ist Norwegen zu loben, dass es weltweit das meiste Geld und Ressourcen in Friedensverhandlungen investiert, andererseits hat sich vor allem beim Sri Lanka/Tamilen Konflikt gezeigt, dass Norwegen viel zu wenig die politische Parteienlandschaft/Politik auf Sri Lanka berücksichtigte und viel zuviel Geheimdiplomatie betrieb.
Da jeder Konflikt eine politische Lösung braucht, also Abstimmung im Parlament, das heißt eine Mehrheit der Bevölkerung muss dann mitmachen, ist es notwendig, dass man möglichst mit offenen Karten spielt und gar nicht erst falsche Gerüchte entstehen lässt.

Lucho Garcón ist KEIN "Gruen"-Politiker. Er enstammt der Partei POLO, die noch linker als links ist und denen (zu Recht) sehr gute Verbindungen zur Guerilla nachgesagt wird.

Mi "Gruen" hat das allerdings nix zu tun.

Den einzigen (Ex-)Politiker, den man in die Naehe einer gruenen Idelogie bringen koennte, waere Antanás Mockus gewesen.

Da ist Ihnen offenbar entgangen,

Was lucho nach der prâsidentschaftskandidatur gemacht hat.

http://elespectador.com/noticias/... tido-verde

Bin schon gespannt wie er sich anstellt.

Was heißt für sie linker als links?
Das ist dann ja wieder rechts, wann man das politische Feld als links/rechts Kreis verortet.

Und wie Uribe an der Macht war, gabs für dessen Politik gegen die FARC immer gute Umfragewerte

Jaja.. so ändern sich die Zeiten .. oder zumindest die Umfrageergebnisse! Ergebnis ist ja auch sprachlich eng verwandt mit ergeben (z.B. einer herrschenden Macht ergeben).

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