Größere AUA-Flieger bei Österreich-Ausfällen

Bei der Konzernmutter Lufthansa bereitet man sich auf eine Arbeitsniederlegung des Kabinenpersonals vor. Es soll eine Streik-Vorwarnzeit von bis zu sieben Stunden geben

Wien - Die Austrian Airlines (AUA) sehen sich vom geplanten Streik der Lufthansa-Flugbegleiter nicht betroffen. Sollte es aber dennoch zu Ausfällen auf Strecken zwischen Österreich und Deutschland kommen, "würden wir alles tun, um Passagiere mitzunehmen. Wir würden größere Flugzeuge einsetzen", sagte AUA-Sprecher Peter Thier am Mittwoch. Aus heutiger Sicht sei aber nicht davon auszugehen, dass das nötig wird, denn die Gewerkschaft Ufo werde wohl eher mit "Streikwarnungen im innerdeutschen Bereich" beginnen. AUA-Flüge seien nicht betroffen.

Bei der Konzernmutter Lufthansa ist man jedenfalls alarmiert und bereitet sich auf eine Arbeitsniederlegung des Kabinenpersonals vor. Gewerkschafter Nicoley Baublies kündigte am Mittwoch für "die nächsten Tage" mehrstündige Streikaktionen an, die jeweils "mit ein paar Stunden Vorlauf" über die Medien und die Lufthansa angekündigt werden sollen. Nach dem Scheitern der Kollektivvertragsverhandlungen am Dienstag hatte die Arbeitnehmervertretung Ufo erklärt, sie bereite unbefristete und flächendeckende Streiks vor; zunächst sollten die 19.000 Flugbegleiter aber "zeitlich und örtlich begrenzt" in den Ausstand treten. Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Lohn sowie das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen.

Ankündigung sieben Stunden vorher

Die Flugbegleiter der Lufthansa wollen Streiks verlässlich ankündigen. Passagiere könnten mit einer Vorwarnzeit von bis zu sieben Stunden rechnen, sagte der Tarifvorstand der Kabinengewerkschaft Ufo, Olaf Bödecker, der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Frühstmöglicher Termin sei laut Gewerkschaftschef Nicoley Baublies der Donnerstag. "Es kann noch ein, zwei Tage dauern, es kann auch morgen losgehen", erklärte er.

Bei Lufthansa und den Flughäfen laufen die Vorbereitungen auf Ausstände der Stewards und Stewardessen auf Hochtouren. Bereits die unbestimmte Ankündigung habe Passagiere verunsichert, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft in Frankfurt. Es gebe üblicherweise Umbuchungen oder Stornierungen, die sie derzeit nicht beziffern könne.

Die Gewerkschaft plant zunächst an einzelnen Standorten in Deutschland Arbeitsniederlegungen, die wegen der Vernetzung des Flugverkehrs schnell andernorts Auswirkungen haben könnten. Die Ufo-Verantwortlichen rechnen mit dem Einsatz von Streikbrechern. "Lufthansa wird sich wahrscheinlich im europäischen Ausland umsehen", sagte Bödecker. Er rechne nicht damit, dass eine nennenswerte Anzahl von Ersatzkräften gefunden und eingesetzt werde. Das hätten schon die Probleme bei der Suche nach Leihstewardessen in Berlin gezeigt.

Interner Zuspruch

Intern gebe es einen starken Zuspruch für den Streik: "Alle sind hochmotiviert und warten auf den Startschuss." Lufthansa soll ein verbessertes Angebot vorlegen, verlangte Baublies. "Sollte das nicht passieren, haben wir auch flächendeckende und dauerhafte Streiks in der Schublade."

Der Lufthansa stehen zumindest theoretisch noch rechtliche Schritte gegen die Streikenden offen. "Eine Einstweilige Verfügung müsste sich gegen die Verhältnismäßigkeit des Arbeitskampfes richten", sagte die Frankfurter Tarifrechtlerin Amelie Bernardi von der Kanzlei FPS. Für die Gerichte sei es allerdings in der geltenden Rechtslage sehr schwierig, die Auswirkungen eines Streiks abzuschätzen.

Nachdem das deutsche Bundesarbeitsgericht den Grundsatz der Tarifeinheit (ein Betrieb - eine Gewerkschaft) aufgegeben habe, seien die Arbeitgeber im Streikfall des wichtigen Kampfmittels der Aussperrung de facto beraubt, weil sie ja immer nur den gerade streikenden Teil der Belegschaft aussperren könnten, die übrigen aber weiterbezahlen müssten.

Kunden werden informiert

Lufthansa werde alle technischen Möglichkeiten nutzen, ihre Kunden über Flugausfälle zu informieren, sagte Sprecher Andreas Bartels. Man sei durchaus optimistisch, dass auch im Streikfall eine ganze Reihe von Flügen stattfinde. So würden die Töchter Cityline, Eurowings und Germanwings nicht bestreikt. Voraussichtlich müssten nicht sämtliche Flüge ausfallen. Im Streikfall werde das Unternehmen die Fluggäste auf verschiedenen Kanälen informieren und ihnen alternative Reisemöglichkeiten anbieten. Kostenlose Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften oder die Bahn seien möglich.

An der Börse gaben die LH-Aktien wegen der drohenden Millionenverluste stark ab. Mit einem Minus von 1,51 Prozent bildete die Aktie am Mittwochnachmittag das Schlusslicht im Leitindex Dax, nachdem sie bereits in den vergangenen Tagen spürbar an Wert verloren hatte.

Verhandlungen gescheitert

In der Nacht zum Dienstag waren langwierige Verhandlungen gescheitert. Ufo hat in den seit 13 Monaten andauernden Verhandlungen nach drei Jahren Nullrunden neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen verlangt.

Die Gewerkschaft will zudem die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die von der Lufthansa angestrebte Direktflugtochter mit damit verbundenen Einkommenseinbußen verhindern und das bisherige Tarifstufensystem weitgehend beibehalten. Lufthansa hatte nach Angaben des Personalvorstands Peter Gerber Lohnerhöhungen und eine tarifliche Absicherung der Mitarbeiter angeboten. Mittelfristig müssten aber Kostenabsenkungen herauskommen.

Die Gewerkschaft Ufo organisiert nach eigenen Angaben die Mehrheit der rund 19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa. Bis auf einige Warnstreikaktionen 2009 hat die Kabinenbelegschaft noch nie gestreikt, so dass laut Baublies ausreichende Mittel für einen längeren Arbeitskampf vorhanden seien. (APA, 29.8.2012)

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