Nervenkrieg um Leiharbeit

Sigrid Schamall
29. August 2012, 17:12
  • Nicht jede Leiharbeitsfirma ist das Gelbe vom Ei.
    foto: apa/peter knefel

    Nicht jede Leiharbeitsfirma ist das Gelbe vom Ei.

  • Zahl der Zeitarbeiter 2002-2011
    grafik: apa

    Zahl der Zeitarbeiter 2002-2011

Gibt es noch die moderne Sklaverei? Der Fall einer Slowakin in Österreich zeigt, wie schwarze Schafe das Image von Leasingfirmen zerstören

Glaubt man der Darstellung des Opfers, fühlt man sich wie im falschen Film: Eine Slowakin wird in ihrer Heimat von der Firma Kupex angeheuert, als Zeitarbeiterin nach Österreich geschickt und erlebt dort nach eigenen Angaben den Alptraum moderner Arbeitssklaverei. Von Lohndumping über menschenunwürdige Unterbringung bis hin zu Sozialbetrug ist die Rede. Doch sie wendet sich nicht an die zuständige Firma, Hubers Landhendl, im oberösterreichischen Pfaffstätt, sondern packt die Koffer.

Der Fall der 53-Jährigen schreckt auf. Zumindest in der Version, die sie selbst ihrem Salzburger Schwager schildert. Ronny Seidl zeigt sich im Gespräch mit derStandard.at empört: "100 Euro wurden fällig, nachdem sie den Arbeitsvertrag mit Kupex unterschreibt, 100 Euro 'Strafe' stehen an, wenn die Leute innerhalb einer festgelegten Frist kündigen."

Kupex hat seinen Standort in der Nähe von Bratislava, produziert und verkauft Fertig-Kebab - und vermittelt Zeitarbeiter, "angestellte Kräfte aus dem eigenen Werk", wie auf Anfrage vom zuständigen Büro der Lohnbuchhaltung für Langzeitmitarbeiter (Beschäftigte über 183 Tage, Anm.) zu erfahren war. 

Den ersten Monat habe sich die Slowakin ein Drei-Bett-Zimmer geteilt, so Seidl weiter. Eine Kochgelegenheit habe es nicht gegeben, die Wäsche wurde im Waschbecken oder in Kübeln gewaschen. Die nächste Unterkunft hätte acht Betten pro Raum vorgesehen, acht Betten für Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft. Die im Lebensmittelgesetz vorgeschriebene Gesundenuntersuchung sei von den Angestellten zu bezahlen gewesen - bei einem Stundenlohn von 7,50 Euro, ein Entgelt weit unter dem Kollektivvertrag. Angesichts dieser Darstellung wendet sich Seidl an die Gewerkschaft Pro-Ge. Diese will den Fall jetzt untersuchen. Gewerkschafter Peter Eder zu derStandard.at: "Rechtlich liegt nichts gegen die Firma Hubers Landhendl vor, aber ich halte es für eine moralische, für eine Fürsorgepflicht, darauf zu achten, wie die Mitarbeiter untergebracht oder entlohnt werden."

Dem kontert die Lohnbuchhaltung: Nach 183 Tagen würden von ausländischen Firmen vermittelte Zeitarbeiter auch in Österreich lohnsteuerpflichtig. Zumindest bei diesen Mitarbeiterinnen könne dezidiert ausgeschlossen werden, dass Sozialbetrug vorliege. Die Fälle der weniger lang Beschäftigten würden nun überprüft. Allerdings kann das einige Zeit dauern, muss man doch erst Kupex davon überzeugen, in die Unterlagen Einsicht zu gewähren.

Hubers Landhendl trennt sich von Kupex

Hubers Landhendl-Geschäftsführer Hannes Huber zeigt sich in einer Stellungnahme gegenüber derStandard.at jedenfalls entsetzt: "Die Mitarbeiterin, welche behauptet hat, dass die Leasingfirma Kupex nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne an sie gezahlt hat, hat sich bis dato nicht an uns gewandt, sodass wir von der Problematik erst vor kurzem aus den Medien erfahren haben und mangels Unterlagen die Korrektheit der Behauptungen nicht überprüfen konnten. Hätten wir davon früher gewusst, hätten wir die Leasingfirma mit dem Vorwurf sofort konfrontiert." Als Firma Hubers Landhendl dürfe diese gesetzlich nur an die Leasingfirma Kupex zahlen und nicht direkt an die einzelnen Mitarbeiter und habe daher keine direkte Auszahlungseinsicht der Leasingfirma, so Huber weiter zu derStandard.at. Den Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kupex sei die Firma jedenfalls immer vereinbarungsgemäß nachgekommen.

Zudem zieht Huber eine erste, vielleicht sogar die wichtigste Konsequenz: "Wir werden die Angelegenheit einer unverzüglichen genauen Prüfung zuführen und die notwendigen Schritte setzen. Egal, ob die Anschuldigungen wahr oder nicht wahr sind, werden wir uns von der Leasingfirma sofort trennen. Wir werden diesen Mitarbeitern auf alle Fälle anbieten beziehungsweise alles versuchen, dass sie ein Arbeitsverhältnis ab 1. September direkt bei der Firma Hubers Landhendl eingehen, damit sie auch weiterhin ein gesichertes Einkommen haben."

Gewerkschafter Eder will dennoch prinzipiell nicht locker lassen: "Es wird immer schwarze Schafe geben, die sich für günstige Zeitarbeiter entscheiden und der Rest ist ihnen wurscht." Ob das auch für Hubers Landhendl gilt, ist fraglich. Huber: "Der Einsatz einer Leasingfirma brachte keinen finanziellen Vorteil.  Wir haben in der Region aufgrund der guten Beschäftigungslage im Bezirk nicht ausreichend Mitarbeiter bekommen."

Von der Firma Kupex war im Übrigen keine Stellungnahme zu erhalten. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 29.8.2012)

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Leiharbeit

In den Dörfern rund um die Fa. Huber weiß die Bevölkerung wie es beim Huber zugeht und zwar seit Jahren. Nur die Behörden sind mit Blindheit und Taubheit geschlagen!

jaja und dann haben wir die geringste arbeitslosenquote europas, klar..... die ganzen leiharbeiter und geringfügigen und in ams-schulungen fallen natürlich weg.....so sind wir wahrlich europameister...

Skaverei - ja es gibt sie sicher......

Die zuständigen Behörden sollten einmal nachprüfen wo diese Arbeiter eigentlich wohnen, denn da trifft man auch oft auf eine steuerschonende Wohnsituation in den umliegenden Orten. Wäre wahrscheinlich eine Angelegenheit für die Finanzpolizei.

Es ist bezeichnend für die Politik, dass sie bei wichtigen Themen, die die Menschen im Land beschäftigt wegschaut. Sei es die dramatisch hohe Arbeitslosigkeit, sei es die Zeitarbeit, sei es das Euro-problem, etc.
Die Politiker beschäftigen sich mit so wichtigen Dingen, dass die Namensänderung künftig vereinfacht werden soll etc...
Unsere Politiker haben keinen Bezug mehr zu den Menschen.

A billiges Hendl

kann auch nur billig produziert werden. Es liegt auch beim Konsumenten dies zu ändern.

Klarstellung zur Personaldienstleistungsbranche

Ich bin als Consultant für eine der weltweit größten Personaldienstleister tätig und ich kann sagen, dass:
-unsere MitarbeiterInnen fair und gerecht bezahlt werden
- nicht nur (arbeits-)rechtliche Bestimmungen einhalten, sondern auch betriebsinterne sehr strenge Auflagen haben
- über einen Betriebsrat verfügen (als Einzige(!) in unserer Branche)
Ich finde es wirklich unfair wie unsere Branche in manchen Medien schlecht dargestellt wird und viele Menschen alle Personaldienstleister in einen Topf werfen! Hier muss man klar und deutlich unterscheiden wer hier fair arbeitet und wer nicht. Schwarze Schafe gibt es leider in jeder Branche.

BEKO ? Die einzige Vermieterfa mit BR die ich kenne... Löhne ... gering, aber noch über Power-und Man und Serve- dingsbumsen ...

"unsere MitarbeiterInnen fair und gerecht bezahlt werden" heisst nun was genau?

Bitte nennen Sie den konkreten Stundenlohn (MIttelwert) und Branche.

Mit den konkreten Zahlen kann sich jeder selber ein Bild davon machen, ob das "fair und gerecht" ist.

Mindestentlohnung laut KV Arbeitskräfteüberlasser für Einstufung BG-A Ungelernte Arbeitnehmer 8,25 € brutto pro Stunde - schon allein dieser Satz liegt weit über manchen anderen KV's. Zulagen und Zuschläge werden aus dem KV des Betriebes übernommen wo der DN entsendet wird.
Der KV kann online auf der WKO-Seite abgerufen werden.

Eine Bezahlung nach Kollektivvertrag ist in den seltensten Fällen fair und leistungsgerecht. Vor ein paar Tagen hat die UBS eine Studie präsentiert, dass die Einkommen in den letzten 10 Jahren dramatisch gesunken sind, somit können die Kollektivverträge gar nicht fair sein....

Pscht, keine Fakten, wir wollen nur hassen, bitte!

Was wollen Sie aus der Antwort rauslesen, die Großen haben alle auch Sparten für Spezialisten und qualifizierte Berufe; das macht einen Durchschnitt sinnlos. Hatte einmal mit einem zu tun, der wollte mir über 25 Euro/Stunde bezahlen.

Grundsätzlich sind nicht alle schlecht, das stimmt schon. Nur haben unqualifizierte Arbeiter eher wenig Verhandlungsspielraum, da wird's oft ungut.

Das Problem der Leiharbeit gibt es schon so viele Jahre, und die Politik hat es bisher nicht geschafft menschenwürdige Arbeitsbedingungen für diesen Sektor sicherzustellen. Wie wäre es mit entsprechenden gesetzlichen Regelungen, dass man Zeitarbeit höher entlohnen sollte (da ja gedacht nur zum Abbau von Produktionsspitzen = also kurzfristig, ein kurzfristiger Job sollte generell immer höher zu entlohnen sein). Zudem könnte man gesetzlich auch die Kündigungsfristen der Zeitarbeitsfirmen erhöhen. Zudem sollten die Zeitarbeitsfirmen ihre Angestellten auf ihre eigenen Kosten mind.60h jährlich zur Weiterbildung schicken (jetzt ist vorgesehen, dass dies zum Teil von der Allgemeinheit gezahlt wird).
Warum interessiert Politik,Gewerkschaft das nich

Infineon

Leiharbeiter aus Spanien über Manpower
- Gehalt : bto ca 1/2 als ein Hiesiger mit selbiger Ausbildung und Erfahrung ...
boni : keine ; Kantinenrabatt:keiner ...
Und er war froh eine Arbeit zu haben ...
Das System wird jetzt extrem! Die schlimmeren Zeiten kommen noch !

Siemens war schon immer eine "Halsabschneiderbude" wie man in Wien sagt, das ist nichts Neues.

Siemens lebt wesentlich von der politischen Unterstützung und Lobbyismus, der neudeutschen Schönumschreibung für Korruption.

also ich bin froh über leiharbeit...

... weil sonst wär ich nach meiner rückkehr in diese bürokratierepublik wohl zwei monate arbeitslos gewesen bevor ich meinen jetzigen job gefunden hatte

und nachdem ich jetzt vor kurzem feststellen konnte welche bürokratischen hürden man als WG-bewohner beim ansuchen auf die mindestsicherung zu bewältigen hat war mir auch arbeiten lieber als mich da durchzuquälen...

ich fänds halt sinnvoll wenns ein zeitlimit gäbe - leiharbeit sollte maximal ein oder zwei monate befristet sein, so dass sie nicht als ausweichmöglichkeit für eine richtige anstellung bei den betrieben dienen kann

Das führt zu Lösungen, die für die Leiharbeiter noch schlechter sind.

So hat die Vergleichbare Regelung, dass befristete Anstellungen nur 6 Monate sein durften dazu geführt, dass die österr. Post viele befristete MA 6 Monate beschätigt, dann für 2 Wochen heimgeschickt, und dann wieder 6 Monate beschäftigt hat, oft jahrelang immer abwechselnd. Geschadet hat das diesen Leuten wohl mehr als der Post.

aber hubers landhendl hätte keine ahnung von den zuständen gehabt.

lächerlich, jeder weiß, wie leasingfirmen arbeiten, und wenn sich firmen nicht an den sozialen errungenschaften und höheren löhnen vorbeischummeln wollten, hätten solche leasingfirmen aka sklaventreiber keinen markt.

hubers landhendl soll also nicht so scheinheilig tun, denn, hätte er gleich die leute angestellt, wie er jetzt beteuert, es tun zu wollen, bräuchte er jetzt nicht dementieren und hätte auch keine beschäftigten in seinem betrieb, die null rechte und kargen lohn haben.

so scheinheilige hubers gibt es leider zuhauf und unsere politik hat solche ausbeuter und windbeutel (hubers und leasingfirmen) erst ermöglicht.

das kotzen könnte einem kommen.

EU-Verordnung sieht "gleiches Entgelt" zwischen Stammbelegschaft und Leiharbeitern vor!

Unter Entgelt entfaellt nicht nur das Gehalt, sondern auch Urlaubsgeld, Weihnachtsremuneration und regelmaessige Geld- und geldwerte Zuwendungen.

Also etwa auch Zulagen, Zusatzpensionen, Fahrtengeld, Bildungsgeld, etc.

Jetzt wissen wir, warum Hundstorfer und die Wirtschaft die Verordnung nicht umsetzen will.

Wo bliebe da die schoene Ausbeutung....

Eine EU-Verordnung muss nicht umgesetzt werden, die gilt automatisch. Nur eine Eu-Richtlinie muss umgesetzt werden...

Sie haben recht, die EU-Verordnung ließe sich auch ohne nationales Recht in der EU einklagen!

Wer sich die Mühe, nach Brüssel zum Prozess zu pilgern, machen will.

Na gut, hätten der ÖGB und die AK mehr Mut gäbe es wohl viele wunderschöne Sammelklagen, leider wird ja von beiden Seiten dem faulen Hundstorfer-Handel (AMS-Fonds statt Gesetzesnovelle) akklamiert.

Eine EU-Verordnung wird vor nationalen Gerichten durchgesetzt, niemand muss nach Brüssel pilgern.

wir haben schon eine tolle Arbeiterpartei

die hat ihre Arbeiter(klasse) schon vor Jahren verkauft. Es geht immer noch, zu vielen, viel zu gut.

NOCH

Es kommt noch besser

sie betreibt Leiharbeiterfirmen via dem Verein BBRZ Gruppe. Ein sehr vielseitiges Unternehmen, das an vielen Belangen der Arbeitslosigkeit Gewinn macht.

Präziser

Mitglieder des Vereins sind die Gemeinde Wien, das Bundesministerium für soziale Verwaltung, der Österreichische Gewerkschaftsbund, die Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, die Gewerkschaft der Metall- und Bergarbeiter, das AMS und die Kammer für Arbeiter und Angestellte.

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