Nervenkrieg um Leiharbeit

  • Nicht jede Leiharbeitsfirma ist das Gelbe vom Ei.
    foto: apa/peter knefel

    Nicht jede Leiharbeitsfirma ist das Gelbe vom Ei.

  • Zahl der Zeitarbeiter 2002-2011
    grafik: apa

    Zahl der Zeitarbeiter 2002-2011

Gibt es noch die moderne Sklaverei? Der Fall einer Slowakin in Österreich zeigt, wie schwarze Schafe das Image von Leasingfirmen zerstören

Glaubt man der Darstellung des Opfers, fühlt man sich wie im falschen Film: Eine Slowakin wird in ihrer Heimat von der Firma Kupex angeheuert, als Zeitarbeiterin nach Österreich geschickt und erlebt dort nach eigenen Angaben den Alptraum moderner Arbeitssklaverei. Von Lohndumping über menschenunwürdige Unterbringung bis hin zu Sozialbetrug ist die Rede. Doch sie wendet sich nicht an die zuständige Firma, Hubers Landhendl, im oberösterreichischen Pfaffstätt, sondern packt die Koffer.

Der Fall der 53-Jährigen schreckt auf. Zumindest in der Version, die sie selbst ihrem Salzburger Schwager schildert. Ronny Seidl zeigt sich im Gespräch mit derStandard.at empört: "100 Euro wurden fällig, nachdem sie den Arbeitsvertrag mit Kupex unterschreibt, 100 Euro 'Strafe' stehen an, wenn die Leute innerhalb einer festgelegten Frist kündigen."

Kupex hat seinen Standort in der Nähe von Bratislava, produziert und verkauft Fertig-Kebab - und vermittelt Zeitarbeiter, "angestellte Kräfte aus dem eigenen Werk", wie auf Anfrage vom zuständigen Büro der Lohnbuchhaltung für Langzeitmitarbeiter (Beschäftigte über 183 Tage, Anm.) zu erfahren war. 

Den ersten Monat habe sich die Slowakin ein Drei-Bett-Zimmer geteilt, so Seidl weiter. Eine Kochgelegenheit habe es nicht gegeben, die Wäsche wurde im Waschbecken oder in Kübeln gewaschen. Die nächste Unterkunft hätte acht Betten pro Raum vorgesehen, acht Betten für Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft. Die im Lebensmittelgesetz vorgeschriebene Gesundenuntersuchung sei von den Angestellten zu bezahlen gewesen - bei einem Stundenlohn von 7,50 Euro, ein Entgelt weit unter dem Kollektivvertrag. Angesichts dieser Darstellung wendet sich Seidl an die Gewerkschaft Pro-Ge. Diese will den Fall jetzt untersuchen. Gewerkschafter Peter Eder zu derStandard.at: "Rechtlich liegt nichts gegen die Firma Hubers Landhendl vor, aber ich halte es für eine moralische, für eine Fürsorgepflicht, darauf zu achten, wie die Mitarbeiter untergebracht oder entlohnt werden."

Dem kontert die Lohnbuchhaltung: Nach 183 Tagen würden von ausländischen Firmen vermittelte Zeitarbeiter auch in Österreich lohnsteuerpflichtig. Zumindest bei diesen Mitarbeiterinnen könne dezidiert ausgeschlossen werden, dass Sozialbetrug vorliege. Die Fälle der weniger lang Beschäftigten würden nun überprüft. Allerdings kann das einige Zeit dauern, muss man doch erst Kupex davon überzeugen, in die Unterlagen Einsicht zu gewähren.

Hubers Landhendl trennt sich von Kupex

Hubers Landhendl-Geschäftsführer Hannes Huber zeigt sich in einer Stellungnahme gegenüber derStandard.at jedenfalls entsetzt: "Die Mitarbeiterin, welche behauptet hat, dass die Leasingfirma Kupex nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne an sie gezahlt hat, hat sich bis dato nicht an uns gewandt, sodass wir von der Problematik erst vor kurzem aus den Medien erfahren haben und mangels Unterlagen die Korrektheit der Behauptungen nicht überprüfen konnten. Hätten wir davon früher gewusst, hätten wir die Leasingfirma mit dem Vorwurf sofort konfrontiert." Als Firma Hubers Landhendl dürfe diese gesetzlich nur an die Leasingfirma Kupex zahlen und nicht direkt an die einzelnen Mitarbeiter und habe daher keine direkte Auszahlungseinsicht der Leasingfirma, so Huber weiter zu derStandard.at. Den Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kupex sei die Firma jedenfalls immer vereinbarungsgemäß nachgekommen.

Zudem zieht Huber eine erste, vielleicht sogar die wichtigste Konsequenz: "Wir werden die Angelegenheit einer unverzüglichen genauen Prüfung zuführen und die notwendigen Schritte setzen. Egal, ob die Anschuldigungen wahr oder nicht wahr sind, werden wir uns von der Leasingfirma sofort trennen. Wir werden diesen Mitarbeitern auf alle Fälle anbieten beziehungsweise alles versuchen, dass sie ein Arbeitsverhältnis ab 1. September direkt bei der Firma Hubers Landhendl eingehen, damit sie auch weiterhin ein gesichertes Einkommen haben."

Gewerkschafter Eder will dennoch prinzipiell nicht locker lassen: "Es wird immer schwarze Schafe geben, die sich für günstige Zeitarbeiter entscheiden und der Rest ist ihnen wurscht." Ob das auch für Hubers Landhendl gilt, ist fraglich. Huber: "Der Einsatz einer Leasingfirma brachte keinen finanziellen Vorteil.  Wir haben in der Region aufgrund der guten Beschäftigungslage im Bezirk nicht ausreichend Mitarbeiter bekommen."

Von der Firma Kupex war im Übrigen keine Stellungnahme zu erhalten. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 29.8.2012)

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