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Rom - Die Aussicht auf Stützungskäufe der EZB für angeschlagene Schuldenländer verleiht Italien am Geldmarkt Rückenwind. Das Land sammelte am Mittwoch ohne Probleme neun Mrd. Euro an frischem Geld bei den Investoren ein. Bei der Auktion von Papieren mit halbjähriger Laufzeit fiel der Zins mit rund 1,59 Prozent auf das niedrigste Niveau seit März. Noch Mitte Juli war eine Rendite von 2,45 Prozent fällig geworden. Der Härtetest für das Land steht allerdings noch aus: Am Donnerstag versteigert Italien erstmals seit der Ankündigung der EZB, unter Umständen Anleihenkäufe zu starten, langlaufende Schuldtitel.
"Die Anleiheemission heute lief sehr gut. Bei der Versteigerung zehnjähriger Titel könnte es morgen anders aussehen und wieder die Sechs-Prozent-Marke bei den Renditen in Sicht kommen", sagte Alessandro Giansanti von der Bank ING. Italien hat sich zum Ziel gesetzt, diese Woche 20,25 Mrd. Euro am Markt aufzunehmen. Mit den Versteigerungen vom Dienstag und Mittwoch hat sich das Land bereits 13 Mrd. Euro an frischem Geld gesichert. Bei anhaltend hohen Renditen für langlaufende Anleihen wird die Refinanzierung für das Land jedoch äußerst teuer.
Die Regierung in Rom setzt daher darauf, dass die Europäische Zentralbank in der Krise mit neuen Maßnahmen dazu beiträgt, das Renditeniveau zu drücken. Nach den von EZB-Chef Mario Draghi bereits grob skizzierten Plänen würde die EZB nach einem Antrag eines Landes auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds flankierend mit dem Ankauf von umlaufenden Anleihen eingreifen. Die Euro-Rettungsfonds EFSF oder ESM könnten sich dabei auf Bondkäufe am Primärmarkt konzentrieren.
Draghi betonte in einem Gastbeitrag in der "Zeit" seine Bereitschaft, die Zentralbank in der Eurokrise als Retter in der Not agieren zu lassen. Die EZB müsse auf die Störung an den Finanzmärkten reagieren: "Dies kann hin und wieder außergewöhnliche Maßnahmen erfordern. Diese, wenn nötig, zu ergreifen, ist unsere Verantwortung als Zentralbank für die Euro-Zone als Ganzes", erläuterte der EZB-Chef.
Derzeit gilt das mit großen Haushaltsproblemen kämpfende Spanien als erster Kandidat für den Rettungsschirm. Laut Ministerpräsident Mariano Rajoy verhandelt das Land derzeit aber nicht über Hilfen. Mit Italien, das unter einer hohen Schuldenlast ächzt, steht zudem ein weiteres Schwergewicht der Euro-Zone in der Krise als Wackelkandidat da. Diese prekäre Lage schlägt auch voll auf die Verbraucherstimmung durch: Zuletzt sackte das Konsumklima auf ein Rekordtief. Das vom Statistikamt Istat veröffentlichte Barometer fiel auf 86,5 Punkte und damit den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1996.
Die Rezession, steigende Steuern, die hohe Arbeitslosigkeit und stagnierende Löhne drücken zunehmend auf die Stimmung. Auch der Einzelhandel leidet unter dem Kaufstreik der Verbraucher. Im April sanken die Umsätze um 1,6 Prozent zum Vormonat und damit doppelt so stark wie im Mai. Der Rückgang im April war der größte Einbruch seit Mai 2004, wie aus den Daten des Statistikamts hervorgeht. Angesichts des strengen Sparkurses sind die Popularitätswerte des seit November regierenden technokratischen Ministerpräsidenten Mario Monti bereits in den Keller gerauscht. (APA/Reuters, 29.8.2012)
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