Ars Electronica - Interface Cultures bieten interaktives Buffet

29. August 2012, 13:15
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18 Arbeiten von Studierenden zwischen analog und digital

Der Beitrag der Kunstuni Linz zur Ars Electronica nennt sich heuer "Interface Cuisine" und zeigt 18 Positionen von Studierenden der Richtung "Interface Cultures". Kuratoren und Künstler stellten die kritischen, interaktiven, analogen und digitalen Arbeiten im Erdgeschoß des Brucknerhauses am Mittwoch in einem Presserundgang vor.

"Haute Cuisine"

Generell sei ein lockerer Umgang mit der Technologie bemerkbar, sie stehe nicht mehr so im Vordergrund, sagte Studienrichtungsleiterin Christa Sommerer. Der Titel lehne sich an die "Haute Cuisine" an, die selbst als Kunstform gesehen werde. Zugleich sei der Schaffensprozess in der Kunst dem eines Kochvorganges ähnlich. So gesehen tischen die Studierenden, darunter viele aus Austauschprogrammen, ein interessantes Buffet auf hohem Niveau auf, dessen Speisen dank der Zutaten Verblüffendes hervorbringen und nicht immer so schmecken wie man vermuten möchte oder ein ganz neues Geschmackserlebnis bieten. Selber probieren kann man die meisten davon, denn viele sind interaktiv.

Jaak Kaevats und Onur Sönmez tricksen in "Jason Shoe" die Technik aus, indem sie einen Laufsensor mittels Servoantrieb täuschen. Er zählt brav die Kilometer, während er sich einem Metronom gleich in einem Schaukasten bewegt. Daneben ist die bereits gelaufene Strecke - von Istanbul nach Den Haag - verdeutlicht. "Wir hinterfragen, warum jeder Maschinen und Sensoren vertraut", so die Künstler. Als "interaktives Projekt, aber nur einmal", bezeichnet Sönmez "How do you do?", das er mit Roswitha Angerer realisierte. Eine weiße Hand streckt sich einem entgegen, als wolle sie geschüttelt werden - tut mal es, trifft einen ein starker Elektroschock. Die Installation ist zum Glück sicher hinter Glas präsentiert.

"Made with Love"

Stricken - einst auch mit einem romantischen, heimeligen Bild verbunden - ist industrialisiert worden. Veronika Krenn bringt in "Made with Love" die Romantik zurück in die maschinelle Produktion. Damit eine Maschine strickt, müssen sich zwei Personen in eine vorgegebene Position stellen, in der man sich umarmen muss, um nicht zu stolpern. Körperliche Nähe und Distanz, (Eigen-)Wahrnehmung und den Einsatz neuer Technologien thematisiert Masa Jazbecs "Monolith". Der Monolith absorbiert das Bild eines Besuchers, wenn dieser in seine Sphäre dringt und es erscheint auf einem zweiten Monolithen in Slowenien.

Kontrovers, für viele brutal und etwas zu direkt ist Ivan Petkovs interaktive Sound-Installation "Fleischwolf". Dreht man an der Küchenmaschine, sind je nach Geschwindigkeit unterschiedliche Klänge zu hören. Ein Knarzen wie von einer alten Tür, gequälte Laute, schließlich auch Babygeschrei? Der Bulgare lässt das offen. Die Geräusche müssten nicht einmal etwas mit dem Fleischwolf zu tun haben. "Ich möchte damit spielen, was die Leute für Assoziationen haben." Auf Wasser als kostbare und wichtige Ressource weist Nina Mengin in "You got the Power" hin. Wenn man mit einem Strohhalm in eine Cola-Dose bläst, gibt man dem Wasserfall auf einem Bildschirm seine natürliche Farbe zurück. Sonst fließ er rosa oder pink.

Symbole der digitalen Welt ganz analog verwendet Cesar Escudero Andaluz für "file_mon". Er setzt Icons aus einem Betriebsystem wie Ordner oder Dateinamen in Bilder ein. Die digital entstandenen Collagen steckt er in altmodische Bilderrahmen. Mit der Distanz zwischen Kunstwerk und Besucher spielt ein weiterer Spanier, Havei Navarro. In "Ametropia" präsentiert er einen Text in der Aufmachung einer Optiker-Sehtafel. Doch wenn man sich ihr nähert, wird die Schrift immer kleiner. Andrea Suter untersucht in "magic circle" die Legende, dass ein Huhn einen roten Kreis, in dem es "gefangen" ist, nicht verlasse. Ein Video bringt das Ergebnis. (APA, 29.08. 2012)

 

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"Interface Cuisine" im Bruckerhaus Linz, beim Medienkunstfestival Ars Electronica "The Big Picture - Weltbilder für die Zukunft", von 30. August bis 3. September in Linz

Bilder zu der Ausstellung sind unter http://www.flickr.com/photos/arselectronica/sets/72157631066268668/ abrufbar

  • Artikelbild
    screenshot: derstandard.at
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